Schon vor der Hälfte macht sie ernst
Soll sie starten? Oder lieber verzichten? Fabienne Schlumpf war hin- und hergerissen. Bis die Wetzikerin entschied: Ja, sie ist an der SM 10000 und Steeple in Uster dabei.
Mehrere Gründe sprachen aus ihrer Sicht dafür. Die 30-Jährige liebt Wettkämpfe. Und weiss nicht, wann sich die nächste Startgelegenheit bieten wird. «Also habe ich mir gesagt, ich mache mal.» Zudem war der Aufwand gering, die Anreise an den Wettkampf kurz.
Und so stand Schlumpf am Freitag um 21.15 Uhr im Buchholz an der Startlinie. Mit der Absicht, ihren Titel über die 25 Bahnrunden zu verteidigen. Trotz Müdigkeit nach ihren grossen Trainingsumfängen, die sie zuletzt gestemmt hatte.
Die vergangenen dreieinhalb Wochen verbrachte die Athletin der TG Hütten im Engadin, um sich für den Olympia-Marathon vorzubereiten, der aufgrund der zu erwartenden Hitze statt in Tokio im kühleren Sapporo stattfindet.
Den SM-Einsatz bezeichnete Schlumpf im Vorfeld als guten Trainingsreiz. Und sagte: «Ich stelle mich auf ein einsames Rennen ein.»
Ein solches wurde es für Schlumpf nach zehn Runden denn auch wirklich. Bis dahin wechselten sich Triathletin Nicola Spirig und die Wetzikerin an der Spitze mit der Führungsarbeit ab.
Weit vor dem restlichen Feld, von dem sich das Duo bereits in der ersten Kurve entfernt hatte. Dann aber verschärfte Schlumpf das Tempo und setzte sich entscheidend von Spirig ab.
Schlumpfs Titel Nummer 21
Von diesem Moment an lief die Oberländerin ein einsames Rennen an der Spitze. Runde um Runde spulte die grossgewachsene Athletin im noch über 20 Grad warmen Ustermer Abend scheinbar mühelos ab.
Schon vor der Hälfte der Distanz überrundete sie erstmals eine Konkurrentin. In 33:13,63 Minuten verteidigte Schlumpf ihren Titel souverän. Und fügte ihrer beeindruckenden Sammlung eine weitere SM-Goldmedaille hinzu – es ist Nummer 21.
Zugleich konnte sie sich wie die zweitklassierte Spirig, der eine persönliche Bestleistung gelang, über eine gelungene Standortbestimmung freuen.
«Das ist eine besondere Bahn.»
Tadesse Abraham
Vorerst wird sich Schlumpf, die vor fünf Jahren in Rio de Janeiro noch über 3000 m Steeple angetreten war, in Wetzikon auf ihre zweiten Olympischen Spiele vorbereiten. Ende Juni geht sie dann aber wieder zurück ins Engadin. Also dahin, wo seit Montag Marathonspezialist Tadesse Abraham seine ebenfalls zweiten olympischen Spiele vorbereitet.
In Rio hatte er im Marathon den starken 7. Platz belegt. Für den Athleten des LC Uster ist es Ehrensache, im Buchholz zu laufen. «Das ist eine besondere Bahn», sagt der seit vielen Jahren in der Westschweiz wohnende Abraham regelmässig, der gestern als Titelverteidiger antrat.
Der 38-Jährige setzte sich schnell einmal an die Spitze, wo er sich allerdings nicht halten konnte. Die Geschichte des Rennens schrieb danach ein Anderer: Dominic Lobalu.
Dem Tempodiktat des südsudanesischen Flüchtlings, der für den LC Brühl läuft und nicht titelberechtigt war, vermochte schnell einmal nur noch Max Studer zu folgen.
Der Triathlet zeigte einen bärenstarken Auftritt. Er leistete zwar keinen Meter Führungsarbeit, hielt sich aber hartnäckig an Lobalus Fersen.
Nach rund drei Vierteln des Pensums schüttelte der Führende seinen letzten Verfolger ebenfalls ab, stürmte alleine davon und gewann in 28:32,72 Minuten souverän.
Auch Studer blieb unter 29 Minuten und belohnte sich für seinen Auftritt mit der Goldmedaille. Auf Rang 3 beendete Abraham das Rennen, in dem er zuletzt einsam unterwegs war.
Die Titelverteidigung misslang ihm zwar – er gewann SM-Silber. Abraham lief aber 29:06,28 Minuten und damit schneller als beim Titelgewinn vor einem Jahr. Sein Kurs Richtung Olympischer Spiele dürfte also wie bei Schlumpf stimmen.
