Die Favoriten kommen aus der Höhe
Es sind wiederum die ersten nationalen Freiluftmeisterschaften der Saison. Dennoch finden am Freitag die SM 10 000 m und die SM Steeple im Ustermer Buchholz unter gänzlich anderen Voraussetzungen statt als im letzten Jahr. OK-Chef Marco Eggs sagt darum: «Man kann die zwei Veranstaltungen nicht vergleichen.»
2020 war der veranstaltende LC Uster von Anmeldungen förmlich überschwemmt worden. Weil die Athletinnen und Athleten eine lange Phase ohne Wettkampfmöglichkeiten hinter sich hatten. Vor allem aber, weil sich alle Lizenzierten anmelden konnten.
Heuer ist der Kreis der Teilnehmenden exklusiver. Man führte aufgrund der Corona-Regeln Zeitlimiten ein. Und begrenzte die Startplätze. Maximal 25 Läuferinnen und Läufer sind über 10 000 m zugelassen.
«Wir sind noch immer in einer Extremsituation», sagt Eggs. «Insofern müssen wir mit den Anmeldungen zufrieden sein.» Das Feld über die 25 Bahnrunden hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert – von über 70 Startenden auf 33.
Frisch wäre anders
Bei den Frauen führt der Weg zum Sieg über Titelverteidigerin Fabienne Schlumpf, die vor einem Jahr ihre Bahnpremiere über diese Distanz mit der Goldmedaille gefeiert hatte. Vor zwei Monaten war die 30-jährige Läuferin letztmals im Einsatz. Schlumpf lieferte Anfang April in Bern-Belp ein starkes Marathondebüt ab.
Sie schnappte sich mit der Zeit von 2:26:14 Stunden den Schweizer Rekord. Und das Olympia-Ticket.
«Ich sehe die SM als guten Trainingsreiz.»
Fabienne Schlumpf
Die Vorbereitung auf die Spiele in Tokio stehen denn auch in ihrem Fokus. Wie bei der Athletin mit dem zweitbesten Meldewert in Uster, Triathletin Nicola Spirig, die jüngst in Lissabon im Weltcup siegte.
Schlumpf absolvierte derweil zuletzt einen dreieinhalbwöchigen Höhenblock im Engadin.
«Tipptopp» sei dieser verlaufen, ist die Wetzikerin zufrieden. «Obwohl wir wettermässig alle vier Jahreszeiten erlebt haben. Aber im Mai kann es im Engadin halt schneien.»
Schlumpf freut sich auf den Wettkampf. Im Bewusstsein, nicht erholt an der Startlinie zu stehen. Das aber spielt ihr keine Rolle. «Ich sehe die SM als guten Trainingsreiz.» Und als wertvolle Standortbestimmung auf dem Weg Richtung Olympische Spiele.
Der schwierige Frühling
Letzteres soll der Start im Buchholz auch für Tadesse Abraham vom LC Uster sein, der seit Montag ebenfalls im Engadin weilt. Der Titelverteidiger über die 25 Bahnrunden hat keinen einfachen Frühling hinter sich. Abraham wurde beim Vorhaben, vor dem Olympia-Marathon einen Test über 42,195 km zu absolvieren, mehrfach gestoppt.
Zuerst wurde er positiv auf das Coronavirus getestet, was ihn den Marathon in Belp kostete. Dann sagte man den von ihm stattdessen angepeilten Marathon in Hamburg ab. Das Ersatzrennen in Enschede (NED) liess Abraham wegen einer Zerrung aus.
Längst aber ist der 38-Jährige zurück im Training und freut sich auf den Heimauftritt. Er muss ihn allerdings ohne Unterstützung von den Rängen absolvieren – Zuschauer sind an der SM keine zugelassen.
