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Er braucht einen langen Schnauf

Jens-Michael Gossauers letzter Duathlon liegt rund zehn Monate zurück. Jetzt ist das Ende der Renndürre absehbar. Sein wichtigster Anlass ist allerdings erst im Herbst.

Jens-Michael Gossauer hat in den letzten Monaten hauptsächlich trainiert und nur wenige Rennen absolviert.

Foto: PD

Er braucht einen langen Schnauf

Den Aufwand wollte er nicht auf sich nehmen. Auch weil er un­sicher war, ob der Wettkampf ­tatsächlich stattfinden würde. Hauptsächlich aber ist Jens-Michael Gossauer im Formaufbau noch nicht an dem Punkt, der für einen Einsatz in einem internationalen Feld nötig wäre.

So fand Anfang Mai der erste europäische Powerman der Saison unweit von Lissabon ohne den Bäretswiler statt. Bis der Langdistanz-Vizeweltmeister von 2019 ins Wettkampfgeschehen eingreift, wird es wohl Juli.

Goss­auer schielt dabei nicht auf auslän­dische Startmöglichkeiten, sondern hat erst einmal kleinere Schweizer Rennen im Blickfeld.

Bei Gossauers Wiedereinstieg dürfte seit seinem letzten Duathlon fast ein Jahr vergangen sein. Am 30. August 2020 trat der 27-Jährige zu den Schweizer Meisterschaften im Waadtland an.

Das Ziel sah Gossauer allerdings nicht. Schon beim ersten Laufteil erlitt er auf der rutschigen Strecke eine Zerrung. Der Oberländer stieg dennoch aufs Velo, verlor da bei seiner Zeitfahrmaschine allerdings eine Armschale, sodass er sich nur noch mit einem Unterarm aufstützen konnte.

Weil auch die Schmerzen durch die Zerrung immer stärker wurden, gab der Duathlet schliesslich auf.

Seither hat Gossauer lediglich zwei «branchenfremde» Wettkämpfe absolviert. Er gewann ­einen kleinen Lauf in Olten. Und landete beim Uster Triathlon in der Kate­gorie Experience (500 m Schwimmen, 19 km Radfahren, 5 km Laufen) unter 91 Teilnehmern auf dem dritten Platz. ­

Gossauer hat trotzdem nicht vor, umzusatteln. «Ich müsste im Schwimmen ­einen Riesenaufwand betreiben.» Darauf hat das Mitglied der Duathlon-Nationalteams, das in Uster auf der Lauf- und der Radstrecke in seiner Kategorie der Schnellste war, keine Lust.

Der zwischenzeitliche Meinungsumschwung

Der Triathlon erfüllte immerhin seinen Zweck. Er machte ihm Spass, war zugleich ein ideales Training. Und liess Gossauer wieder einmal in die Wettkampfatmosphäre abtauchen.

Der Bäretswiler ist keiner dieser verbissenen Athleten, die von Rennen zu Rennen hetzen. Er verfolgt die Ziele mit der nötigen Seriosität, aber ohne Leistungsoptimierung um jeden Preis.

Hatte er dennoch Mühe, dass sein letzter internationaler Duathlon die WM im September 2019 war und sein sportlicher Alltag seither überwiegend aus Trainings besteht?

«Ich vermisste die Wettkämpfe, wurde immer heisser auf sie.»

Jens-Michael Gossauer

Die Nummer 9 der Duathlon-­Weltrangliste differenziert. Er sagt, er habe es lange genossen, im Training keinen Hintergedanken an die Top-Form verschwenden zu müssen.

Im letzten Sommer änderte sich dies allerdings. «Ich vermisste die Wettkämpfe, wurde immer heisser auf sie.»

Die enttäuschend verlaufene ­Duathlon-SM packte er entsprechend gut vorbereitet an. Danach aber änderte sich Gossauers Gefühlslage wieder.

Längst durchschreitet er die Dürre im Rennkalender wieder völlig entspannt, trainiert zufrieden vor sich hin, wie er es nennt. Wobei er einwirft, allenfalls wäre es mit ­einem klaren Fokus einfacher.

Mittlerweile hat Gossauer immerhin die Aussicht auf Duathlons ab Mitte des Jahrs. Positiv ist: Seit der Zerrung an der SM ist er verletzungsfrei geblieben. Der Trainingsumfang sei allerdings auch nicht so hoch gewesen, dass die Gefahr von Überlastungsverletzungen bestanden habe, findet er.

Beim Velofahren ortet er einen Rückstand, den es abzubauen gilt. Sich im Wohnzimmer auf der Rolle zu quälen, ist nicht sein Ding. Gossauer bevorzugt Trainings draussen.

Im Winter war er rund um Davos, wo er im Rahmen seiner Ausbildung zum Physiotherapeuten bis Ende Juni ein Praktikum absolviert, häufig in der Langlauf­loipe unterwegs. «Fürs Laufen habe ich davon profitiert.»

Via EM an die Langdistanz-WM

Demnächst absolviert der 27-Jährige mit dem Nationalteam ein Trainingsweekend in Sursee. Die grossen Pflöcke der Saison sind eingeschlagen, die Jahresplanung hat er Nationaltrainer Cameron Lamont übermittelt.

Als Zwischenziel nennt Goss­auer die Mitteldistanz-EM von Mitte August im deutschen Alsdorf. Dieser Wettkampf soll ihm wichtige Erkenntnisse hinsichtlich des Höhepunkts liefern – der Langdistanz-Weltmeisterschaften in Zofingen am 19. September.

«Ich würde nie sagen: Ich will eine Medaille.»

Jens-Michael Gossauer

In der Aargauer Kleinstadt hatte er 2019 mit dem Gewinn von WM-Silber für Aufsehen gesorgt. Seither kennt ihn die Konkurrenz. Gossauers Ambitionen sind erneut gross. Er nimmt nicht teil, um Zehnter zu werden. Dennoch hält sich der Duathlet verbal zurück.

«Ich würde nie sagen: Ich will eine Medaille.» In einem über sechs Stunden langen Rennen seien schliesslich zu viele Faktoren nicht beeinflussbar.

Wie also formuliert er den Anspruch? «Das Ziel muss sein, in Top-Form zu sein.» Genügend Zeit, um dieses Level zu erreichen, hat Gossauer.

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