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Wenn sich plötzlich alles so leicht anfühlt

Simon Marquart hat seine Siegpremiere im Weltcup gefeiert. Und holte zugleich das Olympia-Ticket.

Besser war fast nicht möglich: Simon Marquart gewann in Verona das erste Rennen, im zweiten Wettkampf wurde er Zweiter.

Fotos: Nico van Dartel/Mathias Nägeli

Wenn sich plötzlich alles so leicht anfühlt

Am Anfang ringt er im Siegerinterview kurz nach Worten. Dann schiessen sie nur so aus dem Mönchaltorfer heraus. Der ganze Druck fällt von Simon Marquart ab.

Endlich hat er in einem Weltcup den Sprung in den Final der Top acht gepackt. Hat so auf den letzten Drücker das Olympia-Ticket gesichert. Und sich mit seinem Sieg auch gleich noch verewigt – er ist der erste  Schweizer überhaupt, der ein BMX-Weltcuprennen gewinnt.   

«Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich hatte so etwas vorher ja noch nie erlebt.»

Simon Marquart

Völlig ergriffen steht er nach dem Ende des Gesprächs da. Wirkt etwas verloren. Noch immer atmet er stark.

Als sich Marquart schliesslich abwenden will, zieht die Interviewerin den Oberländer zu sich und herzt ihn. Es ist einer dieser emotionalen Momente, die der 24-Jährige am Samstag in Verona erlebte. Und von dem er sagt: «Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich hatte so etwas vorher ja noch nie erlebt. Das Fahren war viel einfacher.»

Haken um Haken

Dabei fühlt er sich zu Beginn des Tages nicht in seinem Element. Marquart spürt, dass für ihn im ersten Weltcup seit 14 Monaten sehr viel auf dem Spiel steht.

Um sich für Olympia qualifizieren zu können, muss er es im 108 Fahrer starken Feld in den Final schaffen. In den ersten zwei Runden fährt er verkrampft. «Ich war wie ein Passagier.» Ab dem Achtelfinal gelingt es ihm, den Schalter umzulegen. Runde um Runde kommt er weiter.

Im Final schlägt dann seine grosse Stunde. In der ersten Kurve stösst er auf Platz zwei vor. Und ertappt sich plötzlich beim Gedanken: «Hier stimmt was nicht. Es fühlt sich alles so leicht an.»

Wenige Sekunden später führt Marquart das Rennen an. «Das bringe ich jetzt heim», denkt er sich. Er bleibt ruhig, fährt sehr präzise. Innerlich hakt er Sektor für Sektor ab. Auch die letzte, heikle Kurve schafft er fehlerfrei – dann ist es vollbracht.

Weil tags darauf das zweite Rennen ansteht, feiert Marquart den grössten Triumph der Karriere nur kurz. Ein feines Essen, ein Glas Champagner zum Anstossen – mehr liegt nicht drin. «Danach habe ich mir die Zeit genommen, um abzuschalten.»

Dem Oberländer gelingt es tatsächlich, fokussiert zu bleiben. Er stösst am Sonntag erneut in den Final vor. Da trennen ihn nur wenige Zentimeter vom Winterthurer David Graf, der seinerseits den ersten Weltcupsieg feiert.

Marquart sagt: «Ich hätte diesen Doppelsieg sehr gerne gehabt. Ob man gewinnt oder Zweiter wird – der Unterschied fühlt sich riesig an. Aber ich kann mich wirklich nicht beklagen.»

Jetzt hat er den Beweis

Marquart hat sich auf ein neues Level gehievt. Nun ist er nicht mehr der talentierte Fahrer, der seit seinem Weltcup-Debüt vor sieben Jahren viel investiert und längst die Fähigkeiten eines Topfahrers besitzt. Und dennoch immer an der Finalhürde scheiterte.

Er hat den Beweis erbracht, zur Weltspitze zu gehören. Und  hat die Bestätigung: «Ich habe alles, was man braucht.» Er spricht von einem Meilenstein, den er erreichte. Zugleich ist er sich bewusst: «Es dauert wohl noch ein wenig, bis ich das alles realisiert habe.»

Von Verona aus ist der Mönchaltorfer direkt nach Papendal (NED) gefahren, wo er ein zweiwöchiges Trainingslager absolviert. Beflügelt stürzt er sich wieder in die Arbeit.

All seine Hoffnungen haben sich übers Wochenende erfüllt. Durch die zwei Topresultate hat er sich intern an Renaud Blanc vorbei auf den zweiten Platz hinter Graf geschoben.

«Man hat als Sportler nur wenige Chancen, an den Olympischen Spielen teilzunehmen.»

Simon Marquart

Weil Swiss Cycling am Montag entschieden hat, auf den letzten Weltcup Ende Mai in Bogota zu verzichten, ist das Rennen um die zwei Schweizer Olympiaplätze gelaufen. Graf und Marquart starten in Tokio.

Der Oberländer ist dadurch voller Glücksgefühle. «Man hat als Sportler nur wenige Chancen, an den Olympischen Spielen teilzunehmen.»

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