Die Form für die grosse Bühne stimmt
Zum Auftakt wird sie gleich ins Feld der Weltbesten hineingeworfen. Am 15. Mai beginnt für Alissa König die Triathlon-Saison – mit einem Auftritt auf der ganz grossen Bühne. Und über die olympische Distanz.
Die Dürntnerin startet als einzige Schweizerin beim ersten Rennen der World Triathlon Championship Series im japanischen Yokohama. Kein Wunder, spricht sie von einem «krassen Einstieg».
König hat Respekt vor der Aufgabe. Und ist froh, dass Nationaltrainer Gordon Crawford ihre Bedenken vom Tisch gewischt hat, indem er ihr sagte: «Wenn ich sehen würde, dass du nicht abliefern kannst, würde ich dich nicht da hinschicken.»
«Das Vertrauen ist cool.»
Alissa König
Die 25-Jährige, die sagt, sie brauche eine enge Begleitung des Trainers, hat sich über die Worte gefreut. «Das Vertrauen ist cool.»
Ebenso wichtig ist, dass sich die Oberländerin nach der monatelangen Vorbereitung bereit fühlt. «Ich bin in einer richtig guten Form.»
Ein kleines Müsterchen davon lieferte sie Anfang April in Belp. Da verbesserte sie über 10 km ihre Bestzeit um fast zweieinhalb Minuten. «Das war ein Megapush.»
Die Ehre bringt Druck
Vor König liegen interessante, vor allem aber auch anspruchsvolle Wochen. Denn nur sechs Tage nach dem Saisoneinstieg im Fernen Osten gilt es für sie erneut Ernst – in Lissabon.
Swiss Triathlon hat die C-Kader-Athletin für den Olympia-Qualifikationswettkampf der gemischten Staffel am 21. Mai selektioniert. Zusammen mit Nicola Spirig, Andrea Salvisberg und Max Studer.
Das Quartett strebt einen Platz in den Top 3 an. Um so je zwei Olympia-Quotenplätze für die Männer und Frauen zu holen. Gelingt das, hätten die Schweizer auch die Startberechtigung für die gemischte Staffel in der Hand, die in Tokio Olympia-Premiere feiert.
Die erste Chance auf je zwei Quotenplätze hatten die Schweizer Triathleten nicht nutzen können. Sie gehörten Ende 2020 nicht zu den besten sieben Nationen im Mixed-Staffel-Olympia-Qualifikationsranking. Aktuell sind sie Neunte.
«Ich muss abliefern.»
Alissa König
Im zweiten Anlauf wollen die Schweizer reüssieren. König freut sich über die Bewährungsprobe in Portugal. Sie bezeichnet das Aufgebot als Ehre, verschweigt aber den Druck nicht, den sie spürt. «Ich muss abliefern.»
Wie stark hat die Selektion für dieses wichtige Rennen ihre eigenen Olympia-Hoffnungen befeuert? Die Schweizer Meisterin von 2019 winkt ab. «Hoffnungen» sei das falsche Wort, findet sie.
Natürlich wäre es «ein Riesending», nur schon als Reservistin nach Tokio reisen zu können. Um dafür verbandsintern überhaupt in Betracht zu kommen, müsste sie allerdings im individuellen Olympia-Ranking einen Satz nach vorne machen.
Mindestens Platz 140 ist am Stichtag (14. Juni) gefordert. König liegt an 189. Stelle.
Tokio? Eigentlich Paris!
Drei oder vier gute Resultate würden wohl für den Sprung reichen. König versteift sich nicht auf solche Gedankenspiele. Die Teilnahme am entscheidenden Qualifikationsrennen in Lissabon ist für sie Motivationsschub und Vertrauensbeweis in einem.
Den Fokus hat die Athletin, die an der Mixed-Staffel-WM 2020 mit der Schweiz Siebte wurde, über diesen Sommer hinaus gerichtet. König hat die Olympischen Spiele 2024 in Paris im Blickfeld, für die nächstes Jahr die Qualifikation beginnt.
Bis dahin will die Dürntnerin weitere Erfahrungen sammeln und sich in der Weltrangliste nach vorne arbeiten. Die Rennen in Yokohama, Lissabon und Ende Mai beim Weltcup in Arzachena (ITA) sollen ihr helfen.
Es ist nicht selbstverständlich, dass König in Italien starten kann. Das in der Weltrangliste vor ihr klassierte Schweizer Trio Nicola Spirig, Jolanda Annen und Julie Derron ist jeweils zuerst am Zug. Annen und Spirig verzichten jedoch auf diesen Sprint-Wettkampf.
Grundsätzlich aber sind nach der vergangenen Saison mit vielen gestrichenen Wettkämpfen die Startplätze überaus begehrt. «Es ist ein riesiger Kampf, auf die Listen zu kommen.»
«Man trainiert schliesslich für die Wettkämpfe.»
Alissa König
Nur drei internationale Rennen konnte König 2020 bestreiten – ein Viertel des Vorjahrs. Die wettkampfarme Zeit hat an ihr gezehrt. «Man trainiert schliesslich für die Wettkämpfe.»
Im zweiten Jahr in der Elite sind die Aussichten besser. König ist froh. Der Rennkalender der Oberländerin ist attraktiv. Und bereits der Auftakt mit dem Rennen in Yokohama dürfte ihr einen Fingerzeig geben, wohin es in dieser Saison für sie gehen könnte.
