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Die vielen Szenarien des Bachtel-Schwinget

Ob bei den Aktiven heuer Feste stattfinden, ist unklar. Entsprechend schwierig ist es für den Schwingklub Zürcher Oberland, seinen am 11. Juli angesetzten Traditionsanlass zu planen.

2018 fand der bisher letzte Bachtel-Schwinget statt – unter misslichen Bedingungen.

Archivfoto: David Kündig

Die vielen Szenarien des Bachtel-Schwinget

Mehrere Monate lang war der Schwingklub Zürcher Oberland (SKZO) im Ruhezustand. Mit den Mitgliedern kommunizierte der Vorstand per WhatsApp und Info-­E-Mails. Auf Aktivitäten verzichtete man bewusst. Um nicht Gefahr zu laufen, Vorgaben nicht einzuhalten.

Negative Rückmeldungen zum gewählten Weg hat Daniel Spörri keine erhalten. Der Präsident ist aber froh, ist die «Funkstille» vorbei. «Fürs Vereinsleben ist das sehr wichtig.»

Seit Anfang März dürfen Schwinger unter 20 wieder trainieren und Wettkämpfe bestreiten. Spörri sagt, die Jugendlichen und Kinder seien «richtig giggerig» gewesen, ins Sägemehl zurückkehren zu können.

Nach dem jüngsten Entscheid des Schweizerischen Schwingerverbands (ESV) können seit Montag alle Aktiven ebenfalls wieder untereinander trainieren. Die Auflagen sind aber streng.

So muss das Training im Freien stattfinden, die Gruppe darf maximal aus 15 Personen bestehen. Pro Schwingerpaar wird zudem ein Sägemehlring von 20 Qua­dratmetern Grösse vorausgesetzt. Und die Athleten müssen immer eine Maske tragen.

Das Loch in der Kasse

Trotz diesem Öffnungsschritt ist die Not bei den Aktiven weiterhin gross. Nach dem Ausfall der letzten Saison ist bereits wieder mehr als ein Viertel der bis Ende Juli angesetzten Feste abgesagt.

Und die Zahl wächst. Ein weiteres Jahr ohne Wettkämpfe aber will der ESV unbedingt verhindern. ­Einige grundlegende Dinge hat der Verband längst festgelegt.

So bestimmte er, dass zwischen Trainingsstart und Saisonbeginn vier Wochen liegen müssen. Die Verletzungsgefahr wäre sonst zu hoch. Und der ESV will, dass, ­sobald Feste wieder erlaubt sind, sie möglichst «flächendeckend» durchgeführt werden. Auch wenn keine oder nur eine sehr be­grenzte Anzahl von Zuschauern zugelassen ist.

«Das würde sich finanziell nicht lohnen», weiss ­Spörri. Und denkt bei dieser Aussage an den Bachtel-Schwinget, der am 11. Juli stattfinden soll. Spörri sagt, ohne Zuschauer und wegen fehlender Festwirtschaftseinnahmen entstehe schnell einmal ein Loch von ein paar tausend Franken in der Kasse.

Der Verband kennt die Problematik. Er bietet den Veranstaltern unbürokratisch die Möglichkeit an, finanzielle Unterstützung zu beantragen. Pro Rangschwingfest zahlt er pauschal 2000 Franken aus. Das tönt nicht nach viel, würde Verluste aber etwas ab­federn.

Spörri sagt in diesem Zusammenhang auch: «Wir klappern unsere Sponsoren ab. Aber mit null Erwartungen.»

Der Kulm fällt sowieso weg

Viele Jahre lang war der Bachtel-­Schwinget ein «Schubladenfest». Die Abläufe waren eingespielt, alle Unterlagen griffbereit. Doch die Planung der 85. Aus­gabe ist deutlich anspruchsvoller. Spörri sagt: «Das gibt kein 08/15-Fest.»

Der SKZO muss verschiedene Szenarien durchspielen. Nicht nur betreffend Zuschauer. Sondern auch hinsichtlich Teilnehmer. Eine Möglichkeit wäre, das Fest nur für Jungschwinger durchzuführen, sollten bis dahin die Aktiven noch immer nicht antreten dürfen. Was aber passiert, wenn das Verbot aufgehoben ist?

Zuletzt verloren kleinere ­Feste wie auf dem Bachtel an Zugkraft. «Wir mussten froh sein, 70 oder 80 Schwinger zu haben.» Nach der langen Zwangspause wird das wohl anders sein. Und sollte der Bachtel-Schwinget gar zu den ersten Festen gehören, die stattfinden, dürfte das Feld schnell einmal 180 Athleten umfassen.

«Bei einer solchen Anzahl muss man in mindestens vier Ringen schwingen», sagt Spörri. Dafür fehlt am ursprünglichen Austragungsort der Platz. Wegen der Corona-Massnahmen auch dann, wenn man weniger Sägemehlringe brauchen würde. Spörris Fazit fällt klar aus: «Der Kulm ist gestorben.»

«Wir bringen das hin. Da habe ich keine Angst.»

Daniel Spörri, Präsident Schwingklub Zürcher Oberland

Der SKZO sucht nun nach ­einem geeigneten Gelände, etwa einer Schulanlage. Auf solchen sind die Auflagen aber gross. Und die Umsetzung des Schutzkonzepts für das Fest komplex. Die Organisation des Traditionsanlasses sei zwar mit Mehraufwand und Mehrkosten verbunden.

Der Präsident bleibt dennoch gelassen. Er ist überzeugt: «Wir bringen das hin. Da habe ich keine Angst.»

An der nächsten Sitzung Mitte Juni diskutieren die OK-­Mitglieder über die Durchführung des Bachtel-Schwingets. Wenn ihnen bis dahin die Entscheidung nicht schon aus der Hand genommen worden ist.

 

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