Der Prämiendruck ist weg
Anfang November 2020 waren die Zweifel gross. Konny Looser dachte: Das war es jetzt. Zwei Monate später konnte der Hinwiler aufatmen.
Er hatte das Budget «im Trockenen». Und wusste: Sein bereits elftes Jahr als Mountainbike-Profi ist gesichert.
Zuletzt hatte der Marathonspezialist beim spanischen Team Buff Scott eine enttäuschende Saison verbracht, an deren Ende er erstmals überhaupt ohne Arbeitgeber dastand.
So aufhören wollte Looser aber nicht. Doch um als Privatfahrer starten zu können, musste er erst die Finanzierung der Saison sicherstellen.
«Ich habe im richtigen Moment die richtigen Leute getroffen.»
Konny Looser
Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass ihm das gelungen ist. Die Pandemie hat in gewissen Teilen der Wirtschaft tiefe Spuren hinterlassen. Und es sagt Looser nicht zu, sich feilbieten zu müssen. Wie also hat er es dennoch geschafft, das Projekt zum Fliegen zu bringen?
Der Biker bleibt bescheiden. Er habe schlicht Glück gehabt, findet er. «Ich habe im richtigen Moment die richtigen Leute getroffen.»
Sein sportlicher Palmarès dürfte bei der erfolgreichen Sponsorensuche eine Rolle gespielt haben. Der Oberländer weist gute Resultate und Siege an internationalen Rennen auf.
Er gewann beispielsweise sechsmal am Stück den Desert Dash in Namibia und mehrfach die Salzkammergut Trophy.
Looser ist dennoch überzeugt: Den Ausschlag gaben seine Persönlichkeit und der authentische, professionelle Auftritt im Netz. «Das hat mir extrem geholfen.»
Knackpunkt Mindestlohn
Im Budget des 32-Jährigen ist eingerechnet, dass er immer wieder im familieneigenen Dachdeckerbetrieb arbeitet. Looser hat realisiert, dass ihm dies auch mental hilft. Mit der ständigen Unsicherheit, ob die in seiner Planung vorgesehenen Rennen überhaupt stattfinden, tut er sich schwer.
Abstriche hat er als Privatfahrer im sportlichen Bereich derweil keine machen müssen. Er sieht sich beispielsweise beim Material perfekt aufgestellt.
Zudem kann er sich ein Gehalt auszahlen. Looser spricht von einem Mindestlohn. «Hätte ich das nicht hingekriegt, ich hätte aufgehört», stellt er klar.
Rennprämien sind nun ein Bonus. Ein kleiner, wie er vorrechnet. Die Beträge in der Marathonszene sind bescheiden. «Wenn du richtig gut fährst, kannst du vielleicht 5000 Franken pro Saison sammeln.»
«Da beginnst du bei jedem Platten zu rechnen.»
Konny Looser
Looser ist gleichwohl froh, nicht mehr bei einem Team mit einem stark leistungsabhängigen Vertrag verpflichtet zu sein. «Da beginnst du bei jedem Platten zu rechnen.»
Ebenso erleichtert ihn: Er muss nicht mehr wie zuletzt im Team Buff Scott auf den sozialen Kanälen dauerpräsent sein. Jetzt steht wieder die Kernkompetenz im Fokus – der Sport.
Zurück zu den Anfängen
Nach mehr als einem halben Jahr ohne Wettkampf startete Looser am Dienstag in Kroatien zu einem Mehretappenrennen. In seine Freude darüber mischte sich auch ein «komisches Gefühl», da er den Formstand nicht einschätzen kann.
Nach der kürzlich erfolgten Absage einer mehrtägigen Veranstaltung bleibt ihm danach bis Ende Juni nur ein einziges Rennen im Ausland. Dazu zwei weitere wichtige – die EM im Wallis sowie die SM.
Die erste Hälfte der Saison komplett sausen zu lassen, kann sich Looser trotzdem nicht leisten. «Ich muss mir Rennhärte holen», sagt er mit Blick auf die zweite Jahreshälfte.
Für diese fasst er Klassiker wie das Cape Epic und den Start an der Marathon-WM ins Auge. Looser fährt heuer indes nicht nur Wettkämpfe im selber gestalteten Trikot. Die regionalen Rennen bestreitet er für das Rennteam des RV Wetzikon.
Im RV Wetzikon engagiert er sich auch in der Nachwuchsförderung. Für Looser schliesst sich damit ein Kreis – in diesem Verein begann er einst mit dem Radsport.
Neu ist nur der Name
Der Kalender der bewährten Mountainbike-Rennserie, bei der vier der sechs Stationen im Zürcher Oberland liegen, ist derselbe wie im vergangenen Jahr. Am 13. Juni erfolgt der Auftakt in Schwändi GL, auf den 12. September ist in Egg der Schlusspunkt angesetzt. Nach dem Rückzug des Hauptsponsors aber heisst die Serie nicht mehr EKZ-Cup, sondern MTB Race Series. Die Suche nach einem neuen Haupt- oder Titelsponsor blieb bis jetzt erfolglos. (zo)
