Im heimischen Winter Richtung Olympia
Wo sie im Vergleich zur Konkurrenz steht? Das sei zu diesem Zeitpunkt des Jahres schwierig einzuschätzen, findet Jeannine Gmelin vor ihrem ersten Wettkampf der Saison.
Die Ustermerin kann ja nicht wissen, was die anderen Top-Skifferinnen im Winter gemacht und wie sie sich entwickelt haben. Was sie hingegen weiss: «Meine Testergebnisse zeigen, dass ich eine gute Form habe.»
Wie weit sie dies bringt, wird sich an der EM in Varese vom Freitag bis Sonntag zeigen. Klar sind jetzt schon zwei Dinge.
Die EM ist für Gmelin wie die zwei Weltcup-Regatten, die sie danach noch bestreiten wird, lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Tokio (23. bis 31. Juli). Und die 30-Jährige ist besonders motiviert.
Mit dem 5. Platz musste sich die Europameisterin von 2018 an der letztjährigen EM zufrieden geben. Es war ein Ergebnis unter ihren Erwartungen.
Minustemperaturen und eingefrorene Rollschienen
Ende Oktober startete Gmelin in die Olympiavorbereitung 2.0. Erstmals seit zehn Jahren verbrachte die Athletin des RC Uster dabei wieder einmal einen kompletten Winter in der Schweiz.
Das heisst auch: Einheiten auf dem Wasser bei Minustemperaturen, eingefrorene Rollschienen und Eis am und auf dem Boot.
«Ich mag grundsätzlich den Winter sehr gerne. Auch wenn es kalt werden kann und dann das Rudern nicht das Angenehmste ist.»
Jeannine Gmelin
Wäre sie nicht lieber an einem wärmeren Ort gewesen, wo das Training angenehmer gewesen wäre?
Gmelin verneint entschieden. «Ich mag grundsätzlich den Winter sehr gerne. Auch wenn es kalt werden kann und dann das Rudern nicht das Angenehmste ist.»
Gmelin lebt im Kanton Obwalden nur unweit von Langlaufgebieten. Das nützte sie, um mit den Langlaufski Alternativtrainings zu absolvieren.
Und die eine oder andere Skitour habe ihr geholfen, in Ruhe über Herausforderungen und Problemstellungen nachzudenken. Ihr Fazit der Wintermonate in der Schweiz fällt jedenfalls positiv aus. «Es war eine willkommene Abwechslung.»
In Varese erhält sie jetzt einen ersten Eindruck, wo sie auf ihrem Weg steht, der im Sommer mit dem Gewinn von Olympiagold enden soll. Gmelin kennt die Strecke und die Verhältnisse sehr gut. «Varese ist wie meine zweite Heimat», sagt die Ruderin, die schon viele Trainingslager vor Ort absolvierte.
Titelverteidigerin Sanita Puspure (IRL) fehlt unter den 17 gemeldeten Skifferinnen zwar. Die restlichen im Vorjahr an der EM vor Gmelin platzierten Ruderinnen Magdalena Lobnig, Anneta Kyridou und Fie Udby Erichsen aber haben alle ihre Teilnahme angekündigt.
«Die Konkurrenz ist stark. Es gilt, niemanden zu unterschätzen.» Gmelins Minimalziel in Varese ist, das Bestätigungsresultat für den Schweizer Quotenplatz zu liefern. Diesen hatte sie schon 2019 geholt. Dafür muss sie in den Top Ten landen.
Dazu will die Ustermerin einen ersten Anhaltspunkt erhalten, wie gut ihr Formstand im internationalen Vergleich ist.
