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In ihrer zweiten Ski-Karriere geht es rasant vorwärts

Natalie Schär aus Nänikon hat sich in ihrer ersten kompletten Europacup-Saison bereits etabliert. Das weckt Erwartungen.

Auf Kurs Richtung Weltcup: Natalie Schär (links) überzeugte auf zweithöchster Stufe.

Foto: PD

In ihrer zweiten Ski-Karriere geht es rasant vorwärts

Eine vom restlichen Kurs abgetrennte Überholspur? Die gibt es im Skicross logischerweise nicht. Natalie Schär scheint aber trotzdem eine gefunden zu haben.

Die junge Nänikerin hat in der seit 2010 olympischen Disziplin zuletzt einen rasanten Aufstieg hingelegt. In ihrer ersten kompletten Europacup-Saison fuhr die 20-Jährige viermal in die Top Ten. Im erst neunten Europacup-Rennen ihrer Skicross-Karriere schaffte sie erstmals den Sprung aufs Podest.

Mitte März im italienischen Passo San Pellegrino war das. Schär erinnert sich noch an jedes Detail.

«Ich war in einem Riesentunnel.»

Natalie Schär

Wie sie in den Vier­telfinals die Österreicherin Chris­tina Födermayr in der Negativkurve (nach aussen hängend) schnappte. Im zweiten Lauf dann zwei Weltcup-Fahrerinnen hinter sich liess. Und im Final den letzten Sprung zwar «versaute», was sie noch einen Platz kos­tete.

Dennoch: Die ­Freude überwiegt bei Weitem. «Ich war in einem Riesentunnel», beschreibt Schär ihren Zustand an jenem Renntag. Und sagt über den 3. Platz: «Er war megagut für die Seele. Ich habe gesehen: Es geht.»

Im Trentino gelangen Schär mit den Rängen 3 und 6 nicht nur die besten Resultate des Winters. Sie reagierte an den Wettkämpfen in Passo San Pelle­grino auch überzeugend auf ihr Abschneiden eine Woche zuvor.

Auf der Reiteralm war sie zweimal in der Qualifikation hängen geblieben.

«Ich hätte nie gedacht, diese Saison solche Resultate herausfahren zu können. Das macht Hunger auf mehr.»

Natalie Schär

Es war das einzige enttäuschende Wochenende in der ­verkürzten Europacup-Saison. Schär belegte in der von ihrer Teamkollegin Saskja Lack gewonnenen Gesamtwertung den guten 6. Platz.

Das Fazit der Oberländerin fällt darum auch positiv aus. «Ich hätte nie gedacht, diese Saison solche Resultate herausfahren zu können. Das macht Hunger auf mehr.»

Mehr als «Törli» umfahren

Schärs Weg ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Warum sie als Flachländerin überhaupt zum Skisport fand? Das ist mit der Ferienwohnung der Gross­eltern in Flumserberg schnell geklärt.

Früh steht die Nänikerin auf den Ski, wird Mitglied im örtlichen Skiclub, bestreitet Fis-Rennen. Ende 2017 beendet sie – geplagt von starken Rückenschmerzen – ihre Alpin-Karriere.

Die Absolventin der United School of Sports muss monatelang in die Physiotherapie und orientiert sich danach sportlich neu.

«Der Kampf mit den anderen auf der Piste. Die grössere Abwechslung, als einfach nur ein paar ‹Törli› zu umfahren – Skicross fand ich schon immer cool», sagt Schär zu ihrer Wahl.

Sichtungstage von Swiss-Ski in Saas-Fee bestärken ihr Gefühl. Sie löst eine Fis-Lizenz.

Skicross

Im Oktober 2019 startet die Oberländerin ihre zweite Ski-­Karriere. Nur knapp drei Mo­nate später und nach einer Handvoll Fis-Rennen debütiert Schär im Europacup. Und stösst da bereits in die Viertelfinals vor.

Sie kann schmerzfrei fahren. Die spektakulären Kurse mit den Steilkurven, Sprüngen und Wellen, in ­denen nach der Qualifikation im K.-o.-System jeweils mehrere Fahrerinnen gegeneinander antreten, liegen Schär.

Die Kurventechnik ist ihre grösste Stärke. «Skicross-spezifisch habe ich aber noch viel Potenzial.» Beispielsweise beim Drücken von Sprüngen. Oder bei den Starts aus den Gates. Letzteres sieht sie als «eine Riesenübungssache».

Froh um die Pause

Bei den Sprüngen fliegt derweil das Risiko immer mit. Schär sagt, sie sei diese am Anfang sehr mutig angegangen. Dafür hat sie Lehrgeld bezahlt.

Schon in ihrer ersten Saison zertrümmerte sie sich das Handgelenk. Das Sommertraining verläuft danach ebenfalls nicht ideal. Schär erkrankt an Corona.

Dennoch hat sich Schär in aller Eile auf zweithöchster Stufe etabliert. Dabei hat die 20-Jäh­rige nicht einmal einen offiziellen Kaderstatus bei Swiss-Ski. Sie gehört lediglich dem Sichtungskader an.

Allenfalls steigt sie nächste Saison ins C-Kader auf. Dem Entscheid blickt sie ­gelassen entgegen.

Nach den Anstrengungen der letzten Wochen ist die im Sommer ihre KV-Ausbildung abschliessende Sportlerin froh um eine Pause. Gleichzeitig denkt sie aber auch bereits an den nächsten Winter.

«Nur nicht zu früh in den Weltcup. Da hinterherzufahren, bringt mir nichts.»

Natalie Schär

Den ­Podestplatz will sie da bestätigen, in der Europacup-Gesamtwertung in die Top 5 fahren.
Und wie sieht sie es mit den Weltcup-Einsätzen?

Nächste Saison zumindest die Premiere auf höchster Stufe zu feiern, wäre toll, findet Schär. Sie ist sich aber auch bewusst, welchen Niveauunterschied es zu bewältigen gibt.

Die Elemente sind grösser gebaut, die Kurse schwerer. «Nur nicht zu früh in den Weltcup. Da hinterherzufahren, bringt mir nichts.»

Lieber sammelt Schär vorerst weitere Erfahrungen im Europacup. Für einmal darf die Geschwindigkeit also durchaus etwas gemächlicher sein.

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