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In der richtigen Balance

Die Pfäffikerin Cindy Merlo feierte unlängst ihren ersten Turniersieg auf der Profitour. Er ist ein starkes Zeichen auf ihrem Weg in Richtung Weltspitze.

An der Sihltal Classic musste sich Cindy Merlo (vorne) ganz knapp gegen Ambre Allinckx geschlagen geben.

Foto: Stefan Kleiser

In der richtigen Balance

Kairo–Uster–Mulhouse innerhalb von 16 Tagen. «Ich habe versucht, dagegen anzukämpfen. Doch mein Körper und mein Kopf waren zu müde geworden», sagt Cindy Merlo. Die Pfäffikerin spricht vom verlorenen Viertelfinal-Duell im Elsass gegen Marie Stephan.

Drei Turniere in solch einer kurzen Frist würde sie normalerweise nicht bestreiten. Nur: Mulhouse war wegen Corona-Fällen kurzfristig im Kalender nach hinten verschoben worden. Eine Absage kam für Merlo nicht infrage.

Zudem ­reiste die 23-Jährige dank dem Sieg am Swiss Open von Uster mit einem positiven Erlebnis im Gepäck an. Es war ihr erster Turniersieg überhaupt auf Profistufe. Dabei räumte sie auch Stephan aus dem Weg – ihre französische ­Bezwingerin von Mulhouse.

Für Merlo ist der Triumph in ­Uster allerdings nicht nur etwas ganz Besonderes, weil sie im vierten Final-Anlauf im Rahmen der Professional Squash Association (PSA) reüssieren konnte. Sondern auch, weil die aktuelle Weltnummer 56 im letzten Jahr mental zu kämpfen hatte. «Covid-19 hat mein Kopf ein wenig durcheinandergebracht», sagt sie. «Kann ich mir Profisquash noch leisten, oder muss ich mir einen Job suchen?»

Es sind Fragen, die Merlo in dieser aussergewöhnlichen Zeit bewegten. Nicht zuletzt, weil sie ihren ­Lebensunterhalt insbesondere dank Turnierpreisgeldern bisher bestreiten konnte. «Ich komme knapp durch», sagt die Oberländerin. Dünn ist das Polster auch, weil sie nur wenige persönliche Sponsoren hat.

Dazu kommt die eigene Erwartungshaltung als Schweizer Nummer 1. Diese quälte Merlo im Herbst nach der Enttäuschung an den SM in Langnau am Albis, wo sie im Endspiel der aufstrebenden Ambre Allinckx unterlag. «Das hat mich heruntergezogen», sagt die Meisterin von 2018 und 2019.

Verbesserte Mentalität

Wieder Auftrieb gaben ihr hinterher die Auftritte an der Sihltal Classic. Dies, obwohl es im Final erneut eine Niederlage gegen die 19-jährige Allinckx absetzte. «Selbst wenn sie mich natürlich ärgerte. Das Turnier brachte mich wieder auf den Weg. Die Freude am Spiel war zurück», sagt Merlo.

Entscheidend dafür war auch eine stark verbesserte Mentalität, die sich nach Gesprächen mit Familie und Freund bei ihr entwickeln konnte. 

Keine Zweifel an Merlos Qualitäten hat Florian Pössl, mit dem sie regelmässig in der Ustermer Squash Arena trainiert. Dass die Pfäffikerin das Zeug hat, in die Top 20 der Welt vorzustossen, steht für ihn ausser Frage. Die wichtigste Grundvoraussetzung dafür: Sie muss geduldig bleiben. Dazu gehört, diese Marke nicht überstürzt erreichen zu wollen. Pössl dienen gerade die letzten Turniere in Uster und Mulhouse als Indikatoren. «Nach einem Guten kann auch ein Schlechtes folgen», sagt er. Solche Nackenschläge seien kein Grund, um zu Tode betrübt zu sein.

Selbst wenn Merlo Niederlagen noch immer oft nicht einfach so abhaken kann – sie fühlt sich wieder auf einem guten Weg.

Zusätzliche Sicherheit gibt ihr hier ein stärkeres Körpergefühl. Es ist das Ergebnis aus dem gezielten Training mit ihrem neuen Fitnesscoach Lucas Graf. «Es gab immer mal kleine Baustellen. Zu wenig mobile Fussgelenke oder Schmerzen an Rücken und Schulter. Ich fühle mich deutlich besser», sagt sie.

Auch Pössl ortet bei Merlo, die schon als Juniorin zu den Weltbesten ihres Jahrgangs zählte, im physischen und mentalen Bereich noch Potenzial. «Wenn ­Cindy hier Fortschritte erzielt, sind die Top 20 in den nächsten zwei Jahren möglich», ist er überzeugt. Willkommene Ablenkung vom Squash gibt Merlo ausserdem das Fernstudium an der Open University von London, wo sie die Fächer Kriminologie und Recht belegt. «Es ist gut für den Kopf», sagt Merlo.

Ein starkes Frauenquartett

Und Motivation auf dem Weg zur Weltspitze kann auch die Leistungsdichte im Schweizer Frauen-­Squash geben. Nicht nur die erwähnte Krienserin Allinckx, die im PSA-Ranking bereits auf Position 68 folgt. Auch Nadia Pfister (70) und Céline Walser (91) liegen nicht weit zurück. «Der Konkurrenzkampf pusht», ist sich auch Merlo sicher.

Das in der Squash-Welt dominierende Ägypten dient ihr dabei als ­Quelle. «Von diesen Spielerinnen und Spielern kann man lernen und seinen eigenen Stil daraus kreieren.» Und selbst wenn die Leistungsdichte in Ägypten (allein fünf Spielerinnen in den Top 10) in einem ganz anderen Verhältnis steht, muss sich die ­kleine Squash-Schweiz nicht verstecken.

«Es wird schon seit Jahrzehnten gut gearbeitet», sagt Pössl. Als Beispiele dienen hier zusätzlich bei den Männern Nicolas Müller (PSA 29) und Dimitri Steinmann. Der Dübendorfer liegt derzeit auf Platz 57.

Bei den Frauen spricht Pössl sogar von «einer guten Generation». Merlo ist also gefordert, um ihre Stellung als Schweizer Nummer 1 zu behaupten. «Ich mag den Druck», bekräftigt sie. Ihr Blick und ihr Ehrgeiz richten sich aber weit über die Landesgrenzen. Denn mit einer besseren Position im Weltranking rückt sie auch an grösseren ­Turnieren ins Tableau.

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