Das grosse Ganze sehen
«Wann sieht man dich im Weltcup?» Es ist eine Frage, die nach dem neuesten Instagram-Eintrag von Anja Weber in den Kommentaren auftaucht. Podestplatz an Podestplatz reihte die Hinwilerin im Contintental-Cup (COC). Und entschied deshalb die U20-Nachwuchsserie zum zweiten Mal in Folge für sich. «Ich habe meine besten Rennen im COC gezeigt», sagt die 19-Jährige.
Weniger konkret ist sie bezüglich ihrer möglichen Premiere im Weltcup. «Wir werden sehen», antwortet sie da. Und doch scheint es nur eine Frage der Zeit. Am Wochenende wird Weber beim zweiten Teil der Schweizer Meisterschaften in Sedrun ihre letzten Wettkämpfe als U20-Juniorin bestreiten.
In der bündnerischen Surselva sorgte sie schon im Januar für das Ausrufezeichen aus Sicht des SC am Bachtel (SCAB). Als Zweite über 5 km Skating lief die Oberländerin dort ins Ziel. Auf das Verfolgungsrennen in der klassischen Technik musste sie allerdings wegen einer Leistenverletzung verzichten. Die Entzündung kriegte sie alsbald in den Griff.
Rückschlag an Junioren-WM
Und doch erlitt Weber später ausgerechnet an den Junioren-Weltmeisterschaften im finnischen Vuokatti einen Rückschlag. Von Bauchkrämpfen geplagt, musste sie sogar kurzzeitig ins örtliche Spital. Die Hinwilerin erholte sich zwar schnell, für eine Topleistung fehlte ihr in den Wettkämpfen aber die Energie, sodass sie trotz Platz 4 mit der Staffel und einem zehnten Rang trocken bilanzierte: «Die Junioren-WM ging in die Hosen.»
Trainer Marco Isenschmid sieht hierbei aber sowieso das grosse Ganze. «Natürlich wäre eine Medaille schön gewesen – für die Athletin und den Verband.» Wichtiger ist aber vor allem eine Erkenntnis: «Sie kann es.»
Für Swiss-Ski ist Weber – obwohl als begabte Grenzgängerin im Langlauf und Triathlon eine Ausnahmeerscheinung – ein Musterbeispiel. «Unser Ziel ist es, Allrounder zu entwickeln», sagt Isenschmid. Ob kurze oder lange Distanz, ob Skating oder klassisch – die Hinwilerin ist überall zu Hause. «Jetzt gilt es, den Anschluss in den Elite-Bereich herzustellen», sagt der Trainer.
«Anja wird ihren Weg machen – so oder so.»
Marco Isenschmid, Trainer Swiss-Ski
Ob Weber aber auch wirklich dort je nachhaltig landen wird, bleibt offen. Ein Entscheid zwischen den Sportarten ist noch nicht zu erwarten. Auf den Trainingsalltag im Sommer hat er aber sowieso nur bedingt Einfluss.
Isenschmid nimmt es unaufgeregt und sagt: «Anja wird ihren Weg machen – so oder so.»
Weber und Wigger in RS
Volle Unterstützung kriegt sie auch von ihrer Lehrfirma in Hinwil. Obwohl in der Vorbereitung zu den Abschlussprüfungen ihrer KV-Ausbildung, darf Weber im April sogar in die Sportler-RS nach Magglingen einrücken.
Mit dabei ist dort auch SCAB-Klubkollege Nicola Wigger, der nun ebenso altersbedingt in die Elite wechselt. Der Gibswiler blickt auf eine konstante Saison zurück, die ihm in der COC-Gesamtwertung Platz 6 bescherte. An der Junioren-WM war er im Klassisch-Rennen über 30 km als 13. bester Schweizer. «Ich bin ziemlich zufrieden», sagt Wigger.
Seit letztem Herbst lebt er in Davos und konnte sein Trainingsvolumen steigern. Es soll ihm helfen, in der nächsten Saison auf einem nächsten Level laufen zu können. «Nicola ist vom Potenzial da, wo man stehen muss», sieht Isenschmid ihn auf Kurs.
Eine durchzogene Saison hinter sich hat Nicolas jüngere Schwester Siri Wigger (17). Nach zwei Jugend-Olympiatiteln und Medaillen an der Junioren-WM wurde sie vor der Saison von einer Corona-Erkrankung ausgebremst.
Klar weniger Wettkämpfe bestritt sie deshalb. Auch präventiv – wie Isenschmid bekräftigt. «Unsere Sportart schlägt auf die Lunge. Und über Corona weiss man noch zu wenig.»
