Uster arbeitet weiter am Anker im Kopf
Es ist üblicherweise immer dasselbe. Wer in der NLA die Playoffs verpasst, muss sich seinen Platz in der höchsten Liga in den Playouts sichern. Oder noch nervenaufreibender – im Stechen gegen einen B-Ligisten.
Da es diese Saison keine Absteiger gibt, bleibt der UHC Uster immerhin von solchen Strafaufgaben verschont. Auf Platz 9 hat er die Pandemie-bedingt in einem speziellen Modus ausgetragene Qualifikation beendet.
Nachdem die Ustermer zuvor zweimal den Sprung in die Top 8 geschafft hatten, verpassten sie nun zum zweiten Mal hintereinander die Playoffs.
«Natürlich wären wir gerne in den Playoffs dabei gewesen.»
Michael Reimann, Sportchef
In der letzten Meisterschaft fehlten in der Schlussabrechnung vier Punkte. Heuer war Uster erheblich näher dran. Ein Punkt hätte der Mannschaft von Simon Meier im letzten Spiel gegen Waldkirch-St. Gallen gereicht.
Doch Uster kassierte im «Endspiel» eine 6:8-Niederlage. Die Ostschweizer messen sich jetzt im Viertelfinal mit GC, in Uster ist derweil bereits Zeit, Bilanz zu ziehen.
Ein Ruck zurück ins Rennen
Die Enttäuschung hält sich bei Michael Reimann trotz des bitteren Meisterschaftsendes in Grenzen. «Natürlich wären wir gerne in den Playoffs dabei gewesen», sagt der Sportchef.
Bei ihm überwiegen gleichwohl positive Gefühle nach einer speziellen Saison, in der auf die ersten fünf Spiele eine rund dreimonatige Pause folgte.
Reimann freut sich beispielsweise darüber, wie die Mannschaft auf die verpatzte Vorrunde mit nur drei Siegen in elf Partien reagierte.
Vor dem abschliessenden Spiel gegen Wasa in der Challenge Round reihte der UHC Uster vier Erfolge aneinander. Und brachte sich damit überhaupt erst wieder zurück ins Playoff-Rennen.
«Da ging ein Ruck durch das Team. Das muss man erst einmal hinkriegen», lobt er.
Der Sportchef verweist zudem auf den auf diese Saison hin vollzogenen Kurswechsel. Auf Trainer Mika Heinonen folgte wieder Simon Meier, der 2018 für Usters Playoff-Premiere verantwortlich gewesen war.
Der Rückkehrer setzt auf eine deutlich offensivere Spielweise als der Finne. Meiers Ankündigung im Herbst: «Wir werden ohne Ball aktiver verteidigen und mit Ball schneller vorwärtsspielen, um zu ‹einfachen› Toren zu kommen und unsere Effizienz zu steigern.»
«Wir traten so auf, wie wir uns das vorgestellt haben. Nicht ängstlich, sondern aktiv.»
Michael Reimann, Sportchef
Letzteres gelang in der ersten Phase der Qualifikation zwar nicht wie erhofft. Uster aber schoss im Schnitt wieder ein Tor mehr pro Partie als in den vergangenen zwei Jahren. Und die Spielanlage gefiel dem Sportchef.
Er gibt in diesem Zusammenhang aber zu bedenken: «Wir konnten nicht einfach da anknüpfen, wo wir vor zwei Jahren aufhörten Es braucht wieder einen Aufbau.»
Reimann ist mit der Entwicklung zufrieden, spricht gar vom grossen Schritt, der gelungen sei. «Wir traten so auf, wie wir uns das vorgestellt haben. Nicht ängstlich, sondern aktiv.»
Das Problem mit den Starts
Weshalb ist das Ziel trotzdem verpasst worden? Ein ausschlaggebender Faktor dafür lässt sich nach Ansicht des Sportchefs nicht finden. Einige Anhaltspunkte allerdings schon.
So missriet der Saisonauftakt. Bis zum Unterbruch punktete der UHC Uster in fünf Spielen nur ein einziges Mal. Auch der Re-Start Anfang Januar gelang ihm nicht. Er kassierte zwei hohe Niederlagen – unter anderem gegen Waldkirch-St. Gallen.
«Wir sind ein Schwellenteam.»
Michael Reimann, Sportchef
Uster holte gegen Wasa keinen einzigen Punkt. Das wiegt dann in der Schlussabrechnung schwer.
Auch gegen eine Mannschaft aus den Top 6 gelang kein Erfolgserlebnis. Wobei man hier festhalten muss: Die Ustermer spielten gegen die obere Hälfte der NLA-Klubs nur je einmal.
Immer um den Strich herum
Grundsätzlich bewegt sich der UHC Uster in den letzten Jahren immer im selben Bereich – knapp oberhalb, oder eben knapp unterhalb des Trennstrichs. «Wir sind ein Schwellenteam», sagt Reimann dazu.
Erst wenn sich eine Mannschaft dreimal hintereinander für die Playoffs qualifiziert hat, «ist das auch im Kopf verankert», ist der Sportchef überzeugt.
So weit sind die Ustermer nicht. Aber sie arbeiten daran – auch zukünftig unter Trainer Simon Meier, der einen weiterlaufenden Vertrag besitzt.
Kontinuität dürfte ebenfalls im Kader herrschen, das ein Gerüst an erfahrenen Leistungsträgern und eine gute Altersstruktur aufweist.
Von den Ausländern bleibt sicher der tschechische Verteidiger Martin Prazan. Er hat die Erwartungen erfüllt. Markus Kulmala, der mit seiner Ballsicherheit Ruhe ins Spiel bringen kann, attestiert Reimann derweil eine solide Saison. Die Zukunft des finnischen Stürmers aber ist offen.
Wirklich in die Karten blicken lässt sich Reimann sowieso nicht. «Es sieht nicht schlecht aus. Wir können unsere Schlüsselspieler wohl zusammenhalten.»
«Können zwei externe Spieler eine ganze Mannschaft verändern? Ich glaube nicht. Ein Team muss sich als solches selber entwickeln.»
Michael Reimann, Sportchef
Ob Uster daneben den einen oder anderen «fertigen» NLA-Spieler verpflichten kann? Der Sportchef arbeitet daran. Solche Transfers sind für «Schwellenteams» und in Anbetracht der nahen Konkurrenz (GC, Rychenberg Winterthur) aber schwierig zu realisieren.
Sollte sich nichts ergeben, ist das für Reimann kein Beinbruch. «Können zwei externe Spieler eine ganze Mannschaft verändern?» Für ihn ist die Antwort klar: «Ich glaube nicht. Ein Team muss sich als solches selber entwickeln.»
