Den Sommer verbringt er auf der Strasse
Bei Kevin Kuhn war zuletzt Erholung angesagt. Er lüftete im Engadin den Kopf. Der Gibswiler hat eine mental und körperlich anstrengende Zeit hinter sich.
Erst am 21. Februar bestritt er das letzte Radquer der Saison. In Belgien, wo er den Winter über wohnte. Insgesamt 26 Rennen absolvierte Kuhn innerhalb von sechs Monaten – so viele wie noch nie.
«Es war ein sehr guter Schritt für mich.»
Kevin Kuhn
Er schaffte dabei den grossen Sprung aus der höchsten Nachwuchskategorie U23 zur Elite problemlos. Zahlreiche gute Resultate zeigen, dass sich der 23-Jährige auf Anhieb etabliert hat.
Er wurde erstmals Schweizer Elitemeister, gewann die Gesamtwertung der EKZ-Crosstour und war auch auf höchster internationaler Stufe das Schweizer Aushängeschild. Die fünf Weltcup-Rennen beendete er allesamt in den Top 16. Im Gesamtweltcup brachten ihm die konstant guten Leistungen den 10. Platz ein.
Nach den Weltmeisterschaften – Kuhn wurde 13. – war im abschliessenden Monat des Querwinters die Luft bei ihm zwar etwas draussen. Und der U23-Vizeweltmeister von 2020 mit den Ergebnissen in den letzten sechs Rennen nicht mehr ganz glücklich.
Gesamthaft gesehen aber ist der Oberländer mit den Leistungen im ersten Elitejahr sehr zufrieden. Vor allem im Weltcup.
Der Schritt hat sich gelohnt
Kuhns Mut, zum belgischen Spitzenteam Tormans zu wechseln und den Lebensmittelpunkt in der Quersaison in die ostflämische Stadt Geel zu verlegen, hat sich ausbezahlt. Es ist im Prinzip aber auch der einzige Weg, um Quer auf höchstem Niveau ausüben zu können.
«Es war ein sehr guter Schritt für mich», sagt Kuhn, der mittelfristig die Weltspitze im Visier hat. Gerne würde er darum bei Tormans eine weitere Saison anhängen.
Beim Ableger des World-Tour-Teams Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux findet Kuhn ideale Bedingungen vor, um sich weiterzuentwickeln. Gespräche laufen. Vertraglich fixiert aber ist noch nichts.
Einen neuen Weg schlägt Kevin Kuhn derweil den Sommer über ein. Statt wie üblich zum Mountainbike wechselt er auf die Strasse. «Alle Belgier machen das», sagt er. Und meint damit im Prinzip alle Top-Querfahrer.
Mehrheitlich kommen diese aus Belgien, wo die Sportart so populär wie sonst nirgends ist. Aber auch aus Holland, wie Weltmeister Mathieu van der Poel.
Die im UCI-Quer-Ranking vor Kuhn liegenden zwölf Fahrer jedenfalls sind in der warmen Jahreszeit alle im Strassenradsport engagiert. Sieben davon stehen bei Teams der höchsten zwei Stufen unter Vertrag.
«Ich fahre jetzt mal eine Saison und sehe, wie es mir passt. Und schaue auch, ob ich etwas erreichen kann.»
Kevin Kuhn
Die Quer-Ausnahmetalente Van der Poel und Wout van Aert nehmen auf der Strasse ebenfalls dominierende Rollen ein.
Jüngstes Beispiel dafür: Am Samstag entschied Van der Poel den Frühjahrsklassiker Strade Bianche in der Toskana für sich. Van Aert wurde Vierter.
Gelassen auf den Asphalt
Wie Kuhn sich auf der Strasse schlägt, wird interessant zu sehen sein. Der Oberländer bestritt als Junior ein paar Strassenrennen, seither war er wettkampfmässig nicht mehr auf dem Asphalt anzutreffen.
Kuhn hat auf dritthöchster Stufe beim neuen Schweizer Continental-Team Nippo unterschrieben. Geplant ist, dass der Querspezialist ab April für die vom ehemaligen Strassen-Nationaltrainer Marcello Albasini geführte Equipe an kleineren Rennen startet.
Kuhn sagt, er habe das Gefühl gehabt, sich auf dem Mountainbike nicht mehr zu entwickeln. Und er hatte Lust auf etwas Neues.
Den Umstieg packt er gelassen an. «Ich fahre jetzt mal eine Saison und sehe, wie es mir passt. Und schaue auch, ob ich etwas erreichen kann.»
Unabhängig davon, wie die Strassensaison läuft, ist für ihn klar, dass er im Winter ins Gelände zurückkehrt. Der Quersport kommt für Kuhn auch zukünftig an erster Stelle.
