Mit 19 zu einer Bundesliga-Grösse
Sie ist für die besten Schweizer Handballspielerinnen so etwas wie das Eldorado. Das Gros der Nationalteams hat in die Bundesliga gefunden – ab der nächsten Saison wird auch Charlotte Kähr dort auflaufen.
Erst 19 Jahre jung ist die Gockhauserin. Eine Überraschung ist ihr Wechsel zum Buxtehuder SV aber trotzdem nicht. In ihrem Verein LK Zug hat Kähr längst eine Schlüsselrolle inne. Aus ihrem Ziel, sofort nach Abschluss ihrer KV-Ausbildung ins Ausland zu wechseln, machte sie schon früh kein Geheimnis.
Kähr denkt gross. Irgendwann in einem Champions-League-Team spielen – das ist ihr Traum. So weit ist es natürlich noch nicht. Die Glattalerin dürfte nun aber in Buxtehude, wo sie einen Vertrag über zwei Jahre unterschrieben hat, deutlich mehr als noch in der SPL1 gefordert werden.
«Ich habe mich vom ersten Moment an willkommen gefühlt», erinnert sie sich an ihren ersten Besuch in der künftigen Umgebung. Rund 40 000 Einwohner zählt die Kleinstadt im Bundesland Niedersachsen. Kähr spricht deshalb wohl nicht von ungefähr von einem familiären Klub, der bekannt dafür sei, auf junge Spielerinnen zu setzen.
Tatsächlich ist der Buxtehuder SV eine echte Grösse auf der deutschen Handball-Landkarte. Über 30 Jahre spielt er schon ununterbrochen in der Frauen-Bundesliga. Zu einem Meistertitel reichte es in dieser Zeitspanne zwar nie. Neben vier zweiten Plätzen wurden aber zumindest zwei Erfolge im DHB-Pokal (2015 und 2017) errungen. Mittendrin bei diesen Triumphen war auch Dirk Leun, der das Team seit mittlerweile 13 Jahren betreut.
Präzise und harte Würfe
Der Trainer beschreibt die 1,73 Meter grosse Neuverpflichtung als athletisch sowie technisch gut ausgebildete Rückraumspielerin, die durch präzise und harte Würfe aus der Distanz auffällt. Aus dem Nichts sind diese Skills nicht gekommen. Seit ihrem Wechsel von GC Amicitia nach Zug im Sommer 2017 wird Kähr gezielt gefördert. Inklusive Zusatzeinheiten bestreitet Kähr regelmässig zwölf Trainings in der Woche.
«Charie hat sich nicht zuletzt dank dem individuellen Training wunderbar entwickelt.»
Christoph Sahli, Trainer LK Zug
«Charlie hat sich nicht zuletzt auch dank dem individuellen Training wunderbar entwickelt», betont Zug-Trainer Christoph Sahli. Er begrüsst sowohl den Zeitpunkt als auch die Wahl des Klubs. «Sie hat schon vor einem Jahr ein Angebot gehabt und an einem Wechsel rumstudiert», sagt er.
Für den Coach hat sich das Zuwarten gelohnt. Sahli nennt Fortschritte im technisch-taktischen Bereich. Und Kähr ist für die Zugerinnen selbst wichtig geworden, wenn es ihr persönlich nicht wie gewünscht läuft. «Sie stellt sich in diesen Momenten mittlerweile in den Dienst des Teams und ist so zu einer echten Führungsspielerin gewachsen», lobt Sahli. Für ihn ist deshalb klar: Kähr ist bereit für den nächsten Schritt.
Studium neben Handball
Dieser bedeutet für sie erstmals abseits und vor allem weit weg vom Elternhaus zurechtzukommen. Im neuen Umfeld wird die Gockhauserin mit der seit bereits zwei Jahren im Verein spielenden Lisa Antl in eine Wohngemeinschaft ziehen. Und: Neben dem Handball will Kähr an der Hochschule 21 in Buxtehude ein Studium der Physiotherapie beginnen.
Vorher hofft sie allerdings noch auf einen Traumabschied mit der LK Zug. Seit dem Double 2015 wartet der Verein auf die nächste Trophäe. Diese holten sich zuletzt je zweimal der LC Brühl und die Spono Eagles in die Hände.
Etwas geändert an der Ausgangslage hat sich auch in dieser Saison nicht. In der SPL1-Finalrunde liegen die Zentralschweizerinnen zwar derzeit auf Platz 3, die etwas erfahrene Konkurrenz ist aber durchaus in Reichweite. Erst unlängst konnte Titelverteidiger Brühl überzeugend bezwungen werden.
Vor der Titelentscheidung stehen für die 15-fache Nationalspielerin Kähr allerdings mit der WM-Qualifikation in Minsk noch andere wichtige Aufgaben an. Mitte März tritt sie dort mit der Schweiz in der WM-Qualifikation gegen die Färöer Inseln und Gastgeber Weissrussland an. Die beiden Gruppenersten schaffen es in die Playoffs. Für die Schweizerinnen sind es die ersten offiziellen Länderspiele überhaupt seit November 2019.
