Als Nervensäge ins ungleiche Playoffduell
Ihr Los scheint es zu sein, in den Playoff-Viertelfinals immer auf den Qualifikationssieger zu treffen. In den Vorjahren hiess der Gegner der Laupner NLA-Frauen zweimal Piranha Chur, ab dem Wochenende sind es nun die Kloten-Dietlikon Jets.
Dabei beendeten die Oberländerinnen die wegen der Pandemie verkürzte Qualifikation auf Rang 7 – zum dritten Mal hintereinander. Weil die Top 3 ihre Kontrahenten aber auswählen können, muss Laupen doch wieder gegen die Nummer 1 der Liga ran.
Kein Wunder, ist man beim UHC Laupen vom Modus nicht begeistert. Wie beispielsweise Stürmerin Vanessa Kapp.
Sie findet, den Mittelfeldteams fehle so der Reiz, sich um jeden Preis eine bessere Platzierung erarbeiten zu wollen. «Die ist ja unerheblich.»
Der Sprung in die Top 3, um selber Wahlfee spielen zu können, wiederum ist für den Grossteil der Teams schlicht unrealistisch. Die NLA der Frauen ist eine Mehrklassengesellschaft.
Warten auf die Premiere
Kapp sagt, sie habe auf ein Wiedersehen mit Piranha Chur gehofft. «Das wäre spannend geworden», ist sie überzeugt. In den Playoffs der Saison 2018/19 noch chancenlos, waren die Oberländerinnen in der letztjährigen Serie näher dran – obwohl sie erneut 0:3 verloren.
Und darum noch immer auf ihren ersten Sieg in der K.o.-Phase warten.
Nun nimmt Laupen den nächsten Anlauf – gegen die Jets.
Deren Wahl hat Kapp derweil nicht überrascht, waren vorher doch entsprechende Gerüchte im Umlauf. Der Entscheid der Unterländerinnen lässt sich unterschiedlich interpretieren.
Von der Rangfolge her wäre Kloten-Dietlikon auf Unihockey Berner Oberland getroffen. Damit wären aber längere Reisen verbunden gewesen. Zugleich war das einzige Duell der Saison zwischen den Unterländerinnen und Laupen ein einseitiges.
Die Jets gewannen 12:3. Von diesem Blickwinkel aus gesehen scheint Laupen das leichtere Los zu sein.
Die klaren Verhältnisse
Den Oberländerinnen würde es in die Hände spielen, unterschätzt zu werden. Denn treten die Jets mit voller Schubkraft an, spricht alles für sie. Kapp sagt über den Gegner: «Er ist schon noch ein anderes Kaliber als der Rest der Liga.»
Sie spricht von einer mentalen Herausforderung, «wenn sowieso alle erwarten, dass man verliert».
Die Rollen könnten denn auch nicht deutlicher verteilt sein. Der siebenfache Meister hat in der Qualifikation nur halb so viele Tore wie Laupen einstecken müssen, dafür fast doppelt so viele erzielt.
Ein Kadervergleich zeigt, woher die Unterschiede rühren. Bei den Jets stehen acht Schweizer Nationalspielerinnen unter Vertrag, dazu schwedische und tschechische Internationale. Michelle Wicki, Julia Suter und Isabelle Gerig sammelten zusammen 94 Punkte. Oder anders gesagt: Mehr als sieben pro Partie.
Immerhin eine Laupner Spielerin war für die letzten zwei Zusammenzüge des Nationalteams ebenfalls aufgeboten: Vanessa Kapp. Die 27-Jährige aber verzichtete auf eine Teilnahme. Sie hegt keine internationalen Ambitionen.
«Wir wollen zeigen, dass wir auch Unihockey spielen können.»
Vanessa Kapp, Stürmerin UHC Laupen
Mit der schon lange in der Schweiz lebenden Tschechin Hanka Lackova ist Kapp Dreh- und Angelpunkt im Laupner Angriff. Die Oberländer Offensive hängt stark vom Duo ab. An nur sieben Toren war keine der zwei Angreiferinnen beteiligt.
Im Blickpunkt gegen Kloten-Dietlikon dürfte allerdings nicht der Angriff, sondern die Defensive stehen. Kapp sagt, man müsse die Jets «nerven und ihnen auf den Füssen rumstehen». Niemand traut den Laupnerinnen eine Überraschung zu. Das motiviert Kapp.
«Wir wollen zeigen, dass wir auch Unihockey spielen können.» Am besten so gut, dass die Jets ihre Wahl bereuen.
