Ein Europameister als Aushängeschild
Wäre er Fussballer – die dicken Schlagzeilen wären garantiert gewesen. Man hätte vom Transferknaller geschrieben. Im selben Atemzug darüber sinniert, welche Auswirkungen der spektakuläre Wechsel haben würde. Sich gefragt, was den gestandenen Profi zu diesem Schritt bewegt hat. Und die Medienschaffenden hätten die Vereinsverantwortlichen bestürmt.
Davon aber kann beim LC Dübendorf nicht die Rede sein. Obwohl der Glattaler Verein jüngst genau einen solch prominenten Zuzug vermeldete. Kariem Hussein, dreimal Schweizer Leichtathlet des Jahres, startet künftig für den LC Dübendorf.
Präsident Hanspeter Schmid sagt, die Reaktionen auf die Bekanntgabe des Wechsels seien bescheiden gewesen. Um dann zu präzisieren: «Ich persönlich habe noch nichts gehört.»
Das wiederum ist doch erstaunlich, wenn man bedenkt, wer künftig die Dübendorfer Vereinsfarben vertritt. Kariem Hussein ist eine prägende Figur in der Schweizer Leichtathletik.
2014 stürmte er an der Heim-EM im Letzigrund über 400 m Hürden zum Europameistertitel. Zwei Jahre später gewann er EM-Bronze und feierte in Rio seine Olympiapremiere. 2017 stiess der Thurgauer dann an den Weltmeisterschaften in London in den Final vor.
Das Rennen seines Lebens – Hussein holt 2014 EM-Gold. (Quelle: Youtube)
32 ist der Hürdenläufer mittlerweile, der 2018 sein Medizinstudium abgeschlossen hat. Zahlreiche Erfolge genoss Hussein in seiner Karriere, er hat in den vergangenen, von Verletzungen geprägten Jahren aber auch Enttäuschungen erlebt.
Von hohen Zielen ist der Nationalkaderathlet gleichwohl nie abgerückt. Und er verfolgt sie konsequent. Eine Folge davon sind Neuausrichtungen in seinem Umfeld.
Bis im Herbst 2019 trainierte Hussein in den Niederlanden unter dem Freiburger Laurent Meuwly. Danach kehrte er in die Schweiz zurück, wo er in Zürich von Helen Barnett-Burkart betreut wurde. Nun arbeitet der Langhürdler mit Rolf Fongué zusammen.
Der Neue ist allein
Beim einstigen Sprinter beginnt letztlich die Geschichte von Husseins Vereinswechsel vom LC Zürich zum LC Dübendorf. Fongué wohnt in Dübendorf. Und trainierte mit Hussein bisweilen auf der Sportanlage Dürrbach.
LCD-Präsident Schmid erzählt, man habe sich da ein paarmal getroffen und sei ins Gespräch gekommen. «Das hat sich dann weiterentwickelt.»
Schmid hat vorher weder Fongué noch Hussein persönlich gekannt. Nun ist Letzterer – auch weil er laut dem LCD-Präsidenten einen Tapetenwechsel anstrebte – das neue Aushängeschild des Vereins.
«Ich habe es lieber, wenn der Fokus auf mir liegt.»
Kariem Hussein
Das ist insofern speziell, weil der LC Dübendorf zwar rund 200 Mitglieder zählt. Darunter drei Nachwuchs-Trainingsgruppen zwischen der U10 und der U18. Mit Ausnahme von Hussein aber gibt es kein erwachsenes Aktivmitglied, das Wettkämpfe bestreitet.
Eine ambitionierte Trainingsgruppe, zu der Hussein hätte stossen können, ist also nicht vorhanden. Der Thurgauer braucht auch keine. Er organisiert den Trainingsalltag selber. Als Grund dafür hat er mehrfach genannt: «Ich habe es lieber, wenn der Fokus auf mir liegt.»
Nicht ins Gewicht fällt zudem, dass die Infrastruktur auf dem Dürrbach für einen Profisportler nicht perfekt ist. Hussein kann als Nationalkaderathlet die Anlagen des nationalen Leistungszentrums in der Stadt Zürich benutzen – den Letzigrund sowie das Sihlhölzli.
Medientermine nimmt Hussein aktuell keine wahr. Er konzentriere sich auf die Wettkämpfe, heisst es vonseiten seines Managements.
Am Wochenende feierte der Hürdenläufer in Magglingen über 400 m den Saisoneinstieg. Am Sonntag ist der nächste Einsatz vorgesehen – an selber Stelle, über dieselbe Distanz.
2021 sei hoffentlich das Jahr, in dem er sportlich durchstarten werde, sagte Hussein unlängst. Die Olympischen Spiele locken.
Die Sache mit dem Biss
Was erhofft man sich derweil beim LC Dübendorf vom bekanntesten Mitglied? Präsident Schmid sagt, man habe abgemacht, dass Hussein seine Erfahrung weitergeben werde. In welcher Form, ist offen.
Und würde Hussein dem LCD einige Neueintritte bescheren, wäre das natürlich erfreulich. Mit dem Profisportler erhält der Nachwuchs im Glattaler Verein in jedem Fall ein Vorbild. Schmid malt sich aus, dass sich die Jungen anspornen lassen.
Er hat insbesondere jene in der U18 im Hinterkopf. «Sie sollen den Biss entwickeln, weiterkommen zu wollen.»
Daneben findet Schmid – er ist Stadtrat von Dübendorf –, Hussein sei ein guter Werbeträger für Dübendorf.
Die ersten Schlagzeilen hat er mit dem Wechsel zum LCD ja bereits produziert. Wenn auch kleine.
