Abschied mit gebrochenem Herzen und Tränen
Es ist erst ein paar Wochen her, als die Tannerin Tanja Odermatt auf Züriost in einer Videobotschaft von einem persönlichen Punktbestwert als Ziel für die Schweizer Meisterschaften vom Februar in Luzern sprach.
Doch daraus wird nichts. Letzte Woche gab der Verband Swiss Ice Skating aufgrund des jüngsten Corona-bedingten Bundesratsentscheids die Absage sämtlicher Meisterschaften (SM) im Eiskunstlaufen und Eistanzen bekannt. «Ich sehe keinen Grund mehr, meinen Körper zu quälen und unter starken Schmerzen zu trainieren», sagt die 23-Jährige und tritt zurück.
Das Motto der letzten Jahre
«Irgendwie geht es immer», war ihr Motto in den letzten Jahren. «Immer habe ich mir eingeredet, dass es einen weiteren Weg gibt. Noch nicht ausprobierte Trainings- und Therapiemethoden.» Damit ist jetzt Schluss. Odermatt ist an ihre körperlichen Grenzen gestossen und kapituliert.
Der Rücktritt war ihr zuletzt sogar vom Arzt nahegelegt worden. Der Körper könne die hohe Belastung im Leistungssport nicht mehr aushalten, gab er ihr zu verstehen. Odermatt wollte sich aber wenigstens mit der Teilnahme an den SM einen schönen Abschluss der Karriere bescheren.
«Stattdessen muss ich meinen Rücktritt mit einem gebrochenen Herzen und Tränen in den Augen schreiben», hielt die Läuferin des Dübendorfer EC in einem Schreiben an den Verband enttäuscht fest.
Odermatt hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Weit über vier Jahre ist es bereits her, als sie sich an ihrem damaligen Trainingsstützpunkt in Bergamo nach einem Dreifachsprung bei einem Sturz folgenschwer am rechten Fuss verletzte. Nicht nur der Traum von einer möglichen Teilnahme an den Olympischen Spielen in Südkorea von 2018 platzte dort.
Immer wieder erlitt sie seither Rückschläge. Für die Oberländerin war deshalb schnell klar, dass bei diesem Sturz weit mehr als nur die Bänder kaputtgegangen waren. Odermatt machte die verschiedensten Therapien. Sie musste aber dennoch aufgrund der anhaltenden Schmerzen das Training da und dort wieder anpassen – oder sogar eine Saison abbrechen.
Der Auftritt vor der Haustür
Auf der grossen Eisbühne war die zweifache EM-Teilnehmerin (26./28. Rang) deshalb nur noch ganz selten zu sehen. Immerhin konnte sie im Dezember 2018 nochmals trotz beträchtlichem Trainingsrückstand an den Schweizer Meisterschaften teilnehmen.
Für Odermatt war es ein ganz besonderer Wettkampf, da dieser für einmal fast vor ihrer Haustür, in Wetzikon, stattfand. Und mit dem fünften Platz war sie aufgrund der Umstände sogar zufrieden.
Nur: Es sollten für die Titelgewinnerin von 2016 die letzten SM sein. Ein Jahr später musste Odermatt vorgängig kapitulieren und liess sich erneut operieren – dieses Mal an der rechten Hüfte. Nach einem Wettkampf hatte sie dort zunehmend Schmerzen. «Irgendwann fehlte mir die Kraft bei der Landung der Sprünge», erinnert sie sich.
Eine Rolle dürfte auch die alte Fussverletzung gespielt haben. «Ich habe deshalb meine ganze Technik geändert. Der gesamte Schwung kommt jetzt über die Hüfte», sagt sie.
Zukunft als Trainerin
Odermatt nahm nach der Operation einen weiteren Anlauf. Sie wolle ihrem Körper die nötige Zeit geben, um so stabil wie noch nie aufs Eis zurückzukehren. «Um wieder angreifen zu können, brauche ich eine starke Hüfte», war für die Tannerin klar. Doch es blieb bei einer Wunschvorstellung.
Odermatt will nun ihre Gedanken sammeln und hofft, dass sich der Körper nach 21 Jahren auf dem Eis – sechs davon als Profi – in der nahen Zukunft allmählich erholen wird. Vom Eiskunstlauf loslassen kann sie dennoch nicht. Ihr Plan ist es, sich zur Trainerin ausbilden zu lassen, um ihr Wissen jungen Athletinnen und Athleten weitergeben zu können.
