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Im besten Alter ist der Weg zu Ende

Die Hoffnungen von Patrick Schelling auf einen neuen Vertrag bleiben unerfüllt. Deshalb zieht er seine Konsequenzen.

Die Tempojagd (hier bei einem Zeitfahren der Tour de Romandie) ist für Patrick Schelling vorbei.

Foto: Keystone

Im besten Alter ist der Weg zu Ende

Aufs Velo ist er in den vergangenen Wochen weiterhin gestiegen. Abrupt von 100 auf 0 runterzufahren, wäre nach einem Jahrzehnt Leistungssport schon aus gesundheitlichen Gründen sowieso keine gute Idee gewesen.

Zudem hat Patrick Schelling gar keinen Anlass, das Rennvelofahren zu verschmähen. Seine Freude daran ist weiterhin gross. Einen Trainingsplan hat der in Rüti lebende Toggenburger aber bewusst seit längerem nicht mehr.

«Es war ein fliessender Übergang. Irgendwann wurde der Prozentbalken meiner Chance, weiterfahren zu können, immer kleiner.»

Patrick Schelling

Sein Vertrag ist vom World-Tour-Rennstall Israel Start-Up Nation nicht mehr verlängert worden. «Und ich wollte mich nicht auf etwas vorbereiten, das möglicherweise nicht mehr kommt.» 

Es war ein guter Entscheid, Abstand zum Radsport zu gewinnen, der bisher sein Leben prägte. Die Saison 2021 – sie wird definitiv ohne ihn stattfinden. Schelling tritt zurück.

Er habe sich keine Frist gesetzt und danach die Reissleine gezogen, blickt er auf die Entscheidungsfindung zurück. «Es war ein fliessender Übergang. Irgendwann wurde der Prozentbalken meiner Chance, weiterfahren zu können, immer kleiner.» 

Das eindeutige Zeichen

Schon im Herbst und nach dem Ende einer für ihn enttäuschenden Saison war für das letztjährige Mitglied des Schweizer Nationalkaders klar: Seine Karriere steht auf der Kippe.

Bis zuletzt aber hatte Schelling darauf gehofft, irgendwo Unterschlupf zu finden. Doch er erhielt kein einziges Angebot eines Teams aus den höchsten zwei Profistufen. «Von dem her war das eindeutig», sagt er nüchtern

Bei einem Rennstall der drittklassigen Continental-Stufe zu unterschreiben, hatte er von vornherein ausgeschlossen. «Das kam nicht mehr infrage.»

Nach dem Abgang beim inzwischen aufgelösten World-Tour-Team IAM war Schelling vier Saisons lang auf dritthöchster Stufe (Team Vorarlberg) gefahren. Mit dem Wechsel zu Israel Start-Up Nation war ihm 2020 dann die Rückkehr aufs Toplevel gelungen.

Auch darum sagt er mit einem Blick auf die Karriere, die er als Auf und Ab bezeichnet: «Es gab schon früher Zeitpunkte, an denen ich hätte aufhören können.» 

«Ich finde es schade, dass es nicht mehr weitergeht.»

Patrick Schelling

Schelling aber glaubte immer an seine Stärken, biss sich durch. Die Tour de Suisse 2019 beendete er als bester Schweizer auf Rang 11.

Es war der Höhepunkt seiner Laufbahn. Und mit den Leistungen an der Landesrundfahrt katapultierte er sich erstmals auch in die öffentliche Wahrnehmung.

Jetzt ist seine Zeit als Berufssportler dennoch vorbei. Schelling ist enttäuscht darüber – verständlicherweise. «Ich finde es schade, dass es nicht mehr weitergeht.»

Er sieht sich mit 30 im besten Alter. Und ist überzeugt: Er hätte noch einige gute Jahre vor sich gehabt. 

Das «Malheur» wirkt nach

Warum hat es nicht mehr für einen Vertrag gereicht? Schelling spricht von einem Mix aus verschiedenen Faktoren. So merkt er etwa an, dass zahlreiche Teams ihre Kader verjüngt haben.

Der Hauptgrund aber ist die missratene Saison 2020. «Ich konnte mich sportlich nicht zeigen.»

Das Jahr schien für ihn zwar erfreulich zu beginnen. Die Tour du Rwanda beendete er Anfang März als Gesamtdritter. Später aber wurde das Ergebnis wegen einer positiven Dopingprobe gestrichen – er hatte in Afrika einen Asthmaspray mit einer verbotenen Substanz benutzt. Im irrtümlichen Glauben, dieser sei unbedenklich. Schelling kassierte eine viermonatige Sperre.

Der Rütner sprach danach von «einem Fehler, der mir nie hätte passieren dürfen», der internationale Radsportverband taxierte das Vergehen «als unabsichtliche Verletzung der Anti-Doping-Regeln».

«Ich bin motiviert, mich in etwas Neues hineinzugeben.»

Patrick Schelling

Nur zwei internationale Rennen konnte Schelling nach Ablauf der Sperre noch bestreiten. 

«Das Malheur», wie es der 30-Jährige nennt, hat ihn sogar davon abgehalten, den Rücktritt auf seinen sozialen Kanälen zu verkünden. «Ich wollte ihn nicht an die grosse Glocke hängen.»

So tritt er leise ab. Und obwohl er das unfreiwillig tut, fühlt es sich richtig an. «Ich bin motiviert, mich in etwas Neues hineinzugeben.» Was das sein wird, ist offen. Klar ist nur: Velo fahren wird er auch als normal Berufstätiger. 
 

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