Eine Superchance für die «Rennpferde»
Und Uster ist vielleicht doch die viel zitierte Sportstadt. Unlängst gab sie grünes Licht für die Durchführung der Winter Challenge im Hallenbad Buchholz. Selbst wenn der Gegenwind in den letzten Tagen aufgrund der derzeit unentwegt hohen Fallzahlen wieder grösser wurde.
«Stand Mittwoch findet der Anlass statt», bestätigt Beat Berger, Leiter Geschäftsfeld Sport bei der Stadt Uster. Die besten Schwimmerinnen und Schwimmer der Schweiz dürfen somit aller Voraussicht nach an diesem Wochenende auf Limitenjagd für die Olympischen Spiele, Europameisterschaften und weitere internationale Nachwuchswettbewerbe im 2021.
Besonders pikant daran: Die Winter Challenge hätte in Oerlikon stattfinden sollen. In der Stadt Zürich gab es von den Behörden am Ende aber Corona-bedingt eine Absage.
Klar ist sowieso: Der Qualifikationswettkampf in Uster gilt als Profisportanlass und findet unter strengsten Schutzmassnahmen statt. Zuschauer sind keine zugelassen. Abseits des Beckens ist für alle das Tragen einer Maske Pflicht. Deutlich mehr Helfer als sonst sind im Einsatz, und fürs Einschwimmen gibt es spezielle Zeitfenster. Dazu dauert der Renntag länger als üblich – damit sich die Schwimmer zwischen den einzelnen Wettkämpfen gar nicht erst kreuzen.
Erfahrungswerte aus Sion
Der organisierende Verband Swiss Aquatics und der SC Uster Wallisellen (SCUW) profitieren hierbei auch von den Erfahrungen von der im November ausgetragenen Kurzbahn-SM in Sion. Während im Wallis allerdings rund 300 Athleten im Einsatz waren, ist nun die Teilnehmerzahl auf 200 limitiert.
Anlass um Anlass war seit Ausbruch der Pandemie abgesagt worden. So beispielsweise auch die Langbahn-Meisterschaften in Uster. Im Buchholz konnte deshalb einzig im September der City-Cup – ein kleinerer Wettkampf mit Schwimmern aus den Städten Zürich, Bern und Basel – ausgetragen werden.
«Die Schwimmer sind wie Rennpferde. Die Wettkämpfe fehlen ihnen unheimlich.»
Pablo Kutscher, Elitetrainer SC Uster Wallisellen
Überhaupt ist die Initiierung der Winter Challenge dem Coronavirus geschuldet. «Wir sind sehr froh darum», sagt SCUW-Elitetrainer Pablo Kutscher. Nicht zuletzt deshalb, weil es sich um den einzigen Schweizer Wettkampf des Jahres in einem 50-Meter-Bassin handelt.
Kutscher spricht im Vorfeld von einer Mischung aus Vorfreude und Nervosität. «Die Schwimmer sind wie Rennpferde. Die Wettkämpfe fehlen ihnen unheimlich», sagt er. Ersetzen kann dies auch nicht das tägliche Training. Selbst wenn dieses als Indikator dient, wie Kutscher betont.
Ugolkovas Sonderstatus
Mehr oder weniger regelmässig im Herbst noch Rennen bestreiten konnte beim SCUW eigentlich einzig die Ausnahmeschwimmerin Maria Ugolkova. Über einen Monat verbrachte sie isoliert im Kreis von ausgewählten Weltklasseschwimmern in Budapest an der International Swimming League.
Einzelne Schweizer Schwimmer durften zudem vor zwei Wochen beim Rotterdam Qualifying Meet teilnehmen. Am Einladungswettkampf, bei dem es Ugolkova zweimal aufs Podest schaffte, waren allerdings nur einige wenige Länder zugelassen.
Ustermer Hoffnungsträger
Die 31-jährige Ustermerin könnte es ohnehin an der Winter Challenge ruhig angehen. Denn Ugolkova ist nebst Jérémy Desplanches, Lisa Mamié und Noé Ponti bereits für die Olympischen Spiele von Tokio gesetzt. «Für alle anderen ist der Wettkampf aber eine Superchance», sagt Kutscher.
Nur schon deshalb, weil bis auf Weiteres keine Anlässe mehr im Kalender stehen. Letzte Gelegenheiten, sich das Olympia-Ticket zu sichern, gibt es im Frühling an den ebenso in Uster ausgetragenen Schweizer Meisterschaften sowie an der EM in Budapest.
Darum trifft sich am Wochenende das «Who is who» des Schweizer Schwimmsports. So ist beispielsweise SCUW-Nachwuchshoffnung Antonio Djakovic im Duell mit Nils Liess in den Crawl-Wettbewerben die nötige Limite zuzutrauen. Zu beachten gilt es ausserdem Brustspezialist Jolann Bovey, der dritte Ustermer mit Olympiakader-Status.
