Wenn die Gegenwart sekundär ist
Die Kurve kennt seit Jahren nur eine Richtung: aufwärts. In Zahlen ausgedrückt sieht das dann so aus: 36, 34, 26, 17, 11.
Auf diesen Rängen beendete Natalie Maag in den vergangenen fünf Saisons jeweils den Gesamtweltcup. Zuletzt also verpasste die einzige Schweizer Rodlerin den Platz in den Top Ten nur knapp. Nach einem Winter, in dem die Wernetshauserin Höhen und Tiefen erlebte.
Ihre Bilanz lautet deswegen: «Er war gut, aber ausbaufähig. Ich habe nirgends das Maximum herausgeholt.»
Mit dem beruhigenden Gefühl, weiterhin über brachliegendes Potenzial zu verfügen, packt die Oberländerin am Wochenende in Innsbruck die nächste Weltcup-Saison an. Es wird in mehrfacher Hinsicht eine besondere sein.
An erster Stelle wegen der Pandemie. Sie bringt zahlreiche Einschränkungen mit sich, die im 46-seitigen Hygienekonzept des internationalen Rennrodelverbandes festgehalten sind.
So ist etwa die Anzahl der Trainingsläufe vor den Weltcups reduziert worden. Das erschwert die Abstimmungsarbeit.
Ein spezieller Winter
Zugleich hatte das Virus Auswirkungen auf den Kalender. Die Anzahl der Weltcup-Wochenenden ist mit neun zwar gleich geblieben. Der Abstecher in die USA (Lake Placid) und Kanada (Whistler) fällt heuer allerdings weg.
«Sehr schade» findet Maag das, die vor einem Jahr in Lake Placid ihr bisher bestes Resultat der Karriere (6. Platz) realisierte. «Ich fahre beide Rennen sehr gerne. Es ist ein anderes Flair da drüben.»
Erleben kann sie dieses auch an der WM nicht. Statt wie vorgesehen in Whistler ist der Saisonhöhepunkt nun Ende Januar im deutschen Berchtesgaden-Königssee geplant.
Speziell wird der Winter für die weiterhin dem deutschen A-Kader angegliederte Maag aber nicht nur aufgrund all der pandemiebedingten Änderungen. Sondern vor allem auch, weil dieser nur eine Zwischenstation sein soll.
Im Vordergrund steht nicht der Versuch, um jeden Preis die Top Ten der Gesamtwertung des Weltcups zu knacken oder die Hatz nach einzelnen Spitzenresultaten. Maags Blick geht Richtung Olympische Spiele 2022 in Peking. Darauf ist ihre Planung ausgerichtet.
«Ich habe die Qualifikation schon einmal durchgekaut.»
Natalie Maag
Die am Sonntag 23 Jahr alt werdende Rodlerin gibt zu, dass ihr dieser Ansatz, «das grosse Ganze» zu sehen, wie die Trainer immer wieder fordern, nicht ganz einfach fällt. «Es ist manchmal schwierig, das zu akzeptieren.»
Zugute kommt Maag: Sie kann von den Erfahrungen ihres gescheiterten Versuchs profitieren, an den Winterspielen 2018 dabei zu sein. Oder wie sie sagt: «Ich habe die Qualifikation schon einmal durchgekaut.»
Der Startplatz ist in Gefahr
Längst steht Maag an einem anderen Punkt ihrer Karriere. Die in der Kaserne Oberhof wohnende Rodlerin ist in der erweiterten Weltspitze angekommen. Sie hat dabei auch gelernt, sich selber nicht allzu stark unter Druck zu setzen.
«Ich fahre einfach», hat sie sich darum für diesen Weltcup-Winter vorgenommen. Und spricht davon, ihr Ziel sei, jeweils zwei solide Läufe herunterzubringen.
«Ich muss Gas geben, um drin zu bleiben.»
Natalie Maag
Gute Resultate sind gleichwohl wichtig und nötig. Fürs Selbstvertrauen. Die Olympiaqualifikation. Maag braucht sie aber auch, um den Platz in der aus zwölf Athletinnen bestehenden Gesetzten-Gruppe verteidigen zu können, die jeweils einen fixen Weltcup-Startplatz auf sicher haben.
Zur Wertung zählen immer die vorangegangenen drei Rennen – aktuell also Oberhof, Winterberg und Königssee aus der letzten Saison.
Maag ist momentan zwar Zwölfte. Sie hat wegen ihrem Sturz in Königssee aber ein schwaches Resultat in der Wertung. Sie weiss darum: «Ich muss Gas geben, um drin zu bleiben.»
