Looser ist künftig sein eigener Chef
Es ist eine völlig neue Situation für ihn. Und der Hinwiler steht noch ganz am Anfang.
Er hat ein Budget erstellt. Einen Bikehersteller gefunden, mit dessen Material er konkurrenzfähig sein wird. Ein Dossier für die Sponsorensuche zusammengestellt.
Wobei um Unterstützung anzuhalten, sich selber anzupreisen, gar nicht seinem Naturell entspricht, wie er sagt.
«Ich konnte nie zeigen, was ich drauf hätte.»
Konny Looser
Jetzt aber muss sich Konny Looser dazu überwinden, um seinen Plan umsetzen zu können: Sein eigenes, kleines Team zu gründen. Oder anders gesagt, als Privatfahrer unterwegs zu sein.
Es ist nicht so, dass der Marathonspezialist schon lange davon geträumt hat, endlich eine Einzel-Maske zu werden. So wie es andere bekannte Schweizer Marathonbiker sind wie etwa Lukas Flückiger oder Nicola Rohrbach.
Für den bereits auf eine zehnjährige Profikarriere zurückblickenden Fahrer ist es schlicht die einzige Möglichkeit, die Laufbahn fortzusetzen.
Im Guten getrennt
Das Team Scott Buff verlängerte Mitte Oktober nach nur einem Jahr Loosers Vertrag nicht mehr. Einer der Gründe dafür: Die Spanier müssen den Gürtel enger schnallen. Statt sechs Fahrer stehen zukünftig wohl noch vier in der Equipe.
«Wir sind im Guten auseinander gegangen», kommentiert Looser die Trennung. Er sagt, auch für ihn hätte eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn mehr gemacht. Denn beide Parteien hatten mehr erwartet.
Der Arbeitgeber bessere Resultate. Doch der Oberländer Langstreckenspezialist blieb bei seinen wenigen Einsätzen deutlich hinter den Möglichkeiten zurück.
Er verkrampfte sich zu sehr. Und musste grösstenteils Rennen fahren, die nicht auf seine Fähigkeiten zugeschnitten waren. Diese kommen bei über drei Stunden dauernden Wettkämpfen am Besten zum Tragen.
«Für kürzere Rennen bin ich zu langsam», sagt Looser offen, der bedauert: «Ich konnte nie zeigen, was ich drauf hätte.»
Nirgends ist er dabei
Der Routinier ist von seinen Leistungen enttäuscht. Nach sieben Jahren beim selben Schweizer Team hatte er mit dem Wechsel zu den Spaniern auf einen Schub gehofft. Vor allem aber wollte er von deren professionellen Umfeld mit Mechanikern, Physiotherapeuten und Marketingleuten profitieren.
Die Strukturen sei letztlich aber nicht genau so gewesen, wie er sich das vorgestellt habe, findet Looser. «Ich hatte mir mehr erhofft.»
«Es war zermürbend. Ohne Wettkämpfe fehlt für einen Berufssportler der Sinn.»
Konny Looser
Für die grossen Etappenrennen hatte ihn Scott Buff verpflichtet. Für das als Tour de France für Mountainbiker geltende Cape Epic in Südafrika, die Swiss Epic oder den Brasil Ride.
Nirgends aber war Looser dabei. Weil die Veranstaltungen wegen der Pandemie gar nicht stattfanden. Oder sein Team wegen Quarantänebestimmungen auf die Teilnahme verzichtete.
Nur fünf relevante Wettkämpfe bestritt Looser. Das ist knapp ein Drittel des angedachten Programms.
Die Absagen, verbunden mit der Ungewissheit, wann und wo der nächste Einsatz folgt und die oftmals fehlenden Ziele schlugen Looser auf den Magen.
«Es war zermürbend. Ohne Wettkämpfe fehlt für einen Berufssportler der Sinn.»
«So möchte ich nicht aufhören.»
Konny Looser
Das Beklemmende aus seiner Sicht: Mit Blick auf die nächste Saison ist man immer noch am selben Punkt. Niemand kann sagen, welche Rennen durchgeführt werden können. Alles ist ungewiss.
Ein Strauss voller Gründe
Es sind keine verlockenden Aussichten. Gepaart mit den Enttäuschungen der vergangenen Saison brachten sie Looser ins Grübeln.
Sollte er den Schlusspunkt hinter seine Karriere setzen? Oder weiter machen?
«Ich habe Mühe mit dem Loslassen», ist sich der Marathonbiker bewusst, der letztlich entschied: «So möchte ich nicht aufhören.»
Fürs Weitermachen sprach einiges. Die Leistungswerte stimmen den 31-Jährigen zuversichtlich, noch «Saft im Tank» zu haben. Seine Freude am Velofahren, am Training und an den Rennen ist weiterhin gross.
«Will ich etwas erreichen, muss ich dafür den Aufwand zu 100 Prozent betreiben.»
Konny Looser
Und ihm gefällt der damit verbundene Lifestyle extrem gut. Seine Frau Vera nimmt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Die für Namibia startende Velofahrerin bereitet sich auf ihre zweiten Olympischen Spiele vor.
Looser hofft, sie dabei unterstützen zu können. Fährt er selber noch, ist das einfacher. Ausschliesslich auf dem Velo sitzt der Hinwiler im Jahr 2021 nicht mehr. Er wird – wie heuer ab August – im familieneigenen Dachdeckerbetrieb arbeiten.
In den wichtigsten Phasen der Saison aber setzt Looser weiterhin voll auf den Sport. Die Leistungsdichte zwingt ihn dazu, sagt der zukünftige Privatfahrer: «Will ich etwas erreichen, muss ich dafür den Aufwand zu 100 Prozent betreiben.»
