Die Weltklasse ganz unter sich
Schon fünf Wochen ist Maria Ugolkova in Budapest. «Ich bin etwas müde», sagt sie. Am Dienstag hat die Athletin des SC Uster Wallisellen ihren zehnten und letzten Vorrundenwettkampf in der International Swimming League (ISL) bestritten.
Es ist erst die zweite Ausgabe. Ugolkova war bereits bei der Premiere dabei, als insgesamt sieben Wettkämpfe in den USA und Europa durchgeführt wurden. Der Final ging im Dezember – mit ganz viel Show – im Spielerparadies Las Vegas über die Bühne. Zu Corona-Zeiten ist ein solches Szenario unmöglich.
Und so findet die ISL seit Mitte Oktober isoliert in der ungarischen Hauptstadt statt. Ugolkova bewegt sich weitgehend abgeschirmt zwischen Hotel und Schwimmhalle. Mehr als hie und da ein Spaziergang im Park liegt nicht drin.
«Es ist nicht so viel, wie ein Fussball-Profi verdient, aber es hilft ein bisschen.»
Maria Ugolkova, SC Uster Wallisellen
Es ist für die Schwimmerinnen und Schwimmer eine ungewohnte Situation. «An einer WM sind wir vielleicht drei Wochen zusammen», sagt die gebürtige Russin. Hadern will Ugolkova deshalb aber natürlich nicht. Sie ist froh, überhaupt Wettkämpfe bestreiten zu können – auf Weltklasse-Niveau notabene.
15 000 Dollar Antrittsgage
Die ISL ist etwas ganz Besonderes – finanziert und organisiert von einem Milliardär und Oligarchen aus der Ukraine. Als Antrittsgage gibt es für jeden 15’000 Dollar. «Es ist natürlich nicht so viel, wie ein Fussball-Profi verdient, aber es hilft ein bisschen», sagt Ugolkova mit einem Lachen.
Dazu kommt: In der ISL wird Schwimmen für einmal zum Mannschaftssport. Zehn Teams mit je 32 Schwimmerinnen und Schwimmer treten gegeneinander an. Die Ustermerin startet für das ungarische Team Iron. Der Star der «Eisernen» heisst Katinka Hosszu – und ist nicht nur Lokalmatadorin, sondern vor allem dreifache Olympiasiegerin.
«Es macht grossen Spass», sagt Ugolkova . Und da die Wettkampfserie ausnahmsweise über einen längeren Zeitraum am selben Ort stattfindet, kommt auch das Teamgefühl nicht zu kurz. Ugolkova spricht von einer «guten Atmosphäre».
Die zweifache EM-Medaillengewinnerin ist nicht die einzige Athletin mit Ustermer Bezug in der ISL. Doch während die mittlerweile für Genève Natation schwimmende Sasha Touretski im italienischen Team Aqua Centurios primär in den Freistaffeln eingesetzt wurde, kann sich Ugolkova in den verschiedensten Disziplinen beweisen – so beispielsweise über die längeren Distanzen.
Zu schaffen machen ihr dabei nicht einmal die Anzahl der Rennen, sondern viel eher die Dichte der Wettkämpfe. Innert zwei Stunden muss die dick aufgetragene Veranstaltung aufgrund der TV-Übertragung jeweils über die Bühne gehen.
Wichtige Punkte geholt
Einige wichtige Punkte holte Ugolkova im hochkarätigen Feld bereits für die Irons – und leistete damit einen wichtigen Beitrag für den souveränen Einzug in die Halbfinals. «Ich bin zufrieden mit meinen Leistungen», sagt sie. Die 31-jährige Ustermerin hat nun ein paar Tage Zeit, um ihren Energiespeicher wieder aufzufüllen.
Ernst gilt es für sie erst wieder ab Samstag, wenn die acht besten Teams um den Einzug in die grossen Finals schwimmen. Zuzutrauen ist es den Irons. Im Vorjahr belegten diese mit Ugolkova den fünften Rang.
Usters Djakovic im Fokus
An den Kurzbahn-SM in Sion vom Freitag bis Sonntag fehlt Maria Ugolkova aufgrund ihrer Teilnahme an der International Swimming League. Der SC Uster Wallisellen (SCUW) stellt aber auch ohne sein Aushängeschild etliche Medaillenkandidaten. Besonders viel Spannung versprechen die Rennen mit Antonio Djakovic über 200 und 400 Meter Freistil. Dort trifft der Junioren-Europameister auf den Genfer Nils Liess. Djakovic fordert ausserdem über 100 Meter Delfin seinen bulgarischen Klubkollegen Josif Miladinov. Für den SCUW am Start ist ausserdem die Österreicherin Lena Kreundl. Ihre Duelle über 50 und 100 Meter Brust gegen die Zürcherin Lisa Mamié zählen ebenso zu den Höhepunkten. Die Meisterschaften finden Corona-bedingt ohne Zuschauer und mit einer reduzierter Teilnehmerzahl statt. (zo)
