Auf jedem Terrain daheim
Probiere es doch mal aus, hatten sie die Trainer ermuntert. Und so setzte sich Annika Liehner im Sommer 2019 erstmals auf ein Zeitfahrvelo.
Fünf Wochen später beendete sie das Zeitfahren an der Junioren-EM auf dem 15. Platz. Kurz darauf doppelte die Wetzikerin an der WM nach, wurde wiederum 15. Was für ein Auftakt in einer neuen Disziplin.
«Ich kann 40 Minuten lang leiden. Im Ziel muss ich mich danach immer erst hinlegen.»
Annika Liehner
Warum ihr das Zeitfahren liegt? Liehner sieht keine speziellen Gründe dafür. Ausser vielleicht, dass sie sehr viel Spass daran hat. Und die Fähigkeit besitzt, an die Grenzen zu gehen.
«Ich kann 40 Minuten lang leiden», sagt sie. «Im Ziel muss ich mich danach immer erst hinlegen.»
Seit ihrem Zeitfahr-Debüt vor etwas mehr als einem Jahr hat Liehner einen grossen Schritt vorwärts gemacht. Das zeigt ihr Abschneiden an der EM in der Bretagne.
Letzte Woche beendete sie da das Rennen gegen die Uhr auf dem 5. Platz. 25 Sekunden fehlten zu Bronze. Von einer Enttäuschung will Liehner dennoch nichts wissen. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat.»
Der Mix macht es aus
Jetzt geht es für das Mitglied des Schweizer U19-Nationalteams Schlag auf Schlag weiter – auch weil die im November 18 Jahre alt werdende Fahrerin auf verschiedenen Hochzeiten tanzt.
Liehner begann als Kind mit Mountainbike, schon in der U13 aber bestritt sie erstmals Strassenrennen. Ihre Hauptdisziplin ist zwar weiterhin das Mountainbike, da sie bei einem Bike-Team unter Vertrag steht.
«Die Ausdauer vom Rennvelo kann ich auf dem Bike brauchen. Die Technik vom Bike dafür auf dem Rennvelo.»
Annika Liehner
In der Rennplanung geniesst diese Disziplin denn auch Vorrang. Auf dem Rennvelo fühlt sich Liehner allerdings ebenfalls zuhause. Der Mix mache es aus, sagt die im dritten Jahr ihrer KV-Ausbildung an der United School of Sports steckende Athletin.
«Die Ausdauer vom Rennvelo kann ich auf dem Bike brauchen. Die Technik vom Bike dafür auf dem Rennvelo.»
Verwundern kann es sowieso nicht, dass Annika Liehner mehrgleisig unterwegs ist. Ihr Vater Ralf fuhr einst selber Rennen – auf der Strasse und der Bahn. Heute ist er ihr Trainer und die Tochter findet, sie profitierte von seinen Erfahrungen.
Am Donnerstag machte Liehner sich mit dem U19-Nationalteam Richtung Italien auf, wo sie ab Freitag an der Adriaküste den Giro delle Marche bestreitet. Das Besondere daran: Das Feld besteht aus Elite- und U23-Fahrerinnen sowie Juniorinnen wie Liehner.
«Das Tempo wird megahoch sein», erwartet die Oberländerin. Sie sei «ein wenig aufgeregt». Der Grund dafür: Es ist ihr erstes Mehretappen-Rennen der Karriere.
Sie hat sich vorgenommen, die Teamkolleginnen möglichst gut zu unterstützen. Und sollte sich eine Chance bieten, etwas für sich herauszuholen.
Die doppelte Hoffnung
Gerne hätte Liehner ihre Qualitäten auch an der Strassen-WM gezeigt. Zu ihrer Enttäuschung aber finden die am Mittwoch nach Imola (ITA) vergebenen Titelkämpfe von Ende September nun ohne Junioren-Rennen statt.
Im Oktober sollen dafür zwei sportliche Höhepunkte für die Oberländerin folgen. Liehner hofft darauf, dass ihre Bike-Resultate reichen – sie wurde etwa SM-Dritte – um an der WM in Leongang (AUT) sowie an der nur eine Woche später stattfindenden Heim-EM im Tessin dabei sein zu können.
Es wären ihre letzten grossen Wettkämpfe auf dieser Stufe. Ab nächster Saison tritt Liehner in der U23 an.
