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Wenn der Schmerz zum Antreiber wird

Das übliche Format ist nicht möglich gewesen. Dafür gibt es nun einen digitalen Ersatz, der knackige Läufe im Oberland ermöglicht.

Einsam, statt gemeinsam: Beim digitalen 5-Tage-Berglauf-Cup muss jeder die Strecken alleine absolvieren.

Archivfoto: David Kündig

Wenn der Schmerz zum Antreiber wird

Die Idee kommt ihm spontan. In einem Training. Und so ist Jens-Michael Gossauer vor wenigen Tagen alle Etappen des 5-Tage-Berglauf-Cups im Zürcher Oberland hintereinander gelaufen.

Da er einige Hügel zusätzlich bewältigt, kommen für den Duathlon-Vizeweltmeister 60 Kilometer und fast 2400 Höhenmeter zusammen. Hätte er lediglich die Originalstrecken absolviert, wären es rund 22 Kilometer und etwa 1900 Höhenmeter gewesen.

Gossauer schreibt hinterher auf Instagram von einem kurzweiligen Unterfangen. Und schliesst seinen Eintrag mit den Worten ab: «Bereits heute freue ich mich auf den Berglauf-Cup 2021, dann hoffentlich wieder im gewohnten 5-Tagesformat.»

Gut für ihn: Bis zum nächsten Jahr braucht sich der Titelverteidiger nicht zu gedulden. Obwohl die Veranstalter Anfang Juni entschieden hatten, diesen August pandemiebedingt auf das übliche Format mit fünf kurzen Bergläufen an fünf aufeinanderfolgenden Abenden zu verzichten.

Sie kündigten damals den Laufsportbegeisterten – letztes Jahr verzeichnete man 427 Anmeldungen – zugleich an, für ein Trostpflaster sorgen zu wollen.

Trostpflaster «Foif digital» 

Nun sind die Veranstalter um den neuen OK-Präsidenten Martin Zisler soweit. Ab Samstag können die Liebhaber von knackigen Steigungen im Oberland die angekündigte Alternative zum ausgefallenen Wettkampf absolvieren.

«Foif digital» heisst sie. Und ist, wie der Name vermuten lässt, eine digitale Version des 5-Tage-Berglauf-Cups.

Sie hätten das Ganze nicht einfach unter dem Vermerk «Pech gehabt» archivieren wollen, sagt Zisler über die Beweggründe, eine Ersatzveranstaltung zu organisieren. «Dafür schmerzte die Absage uns doch zu sehr.»

Zentraler Unterschied zu einer  normalen Berglauf-Cup Ausgabe ist: Die Läuferinnen und Läufer müssen ihre Einsätze allein absolvieren und auf der Fitnessplattform Strava aufzeichnen. Jede der fünf Strecken ist dabei zwei Wochen lang offen.

Zisler und seine Mitstreiter haben sich bei der Programmierung der «Foif digital»-App inspirieren lassen von der Tour d’Uetlis und Virace.

Ersteres ist ein Solo-Etappenrennen am Zürcher Hausberg, das von Anfang Mai bis Mitte Juni erstmals durchgeführt wurde. Registrierung und Zeitmessung erfolgten da ebenfalls über Strava.

Virace ist derweil eine App, mit der man an vielen virtuellen Läufen teilnehmen kann. Sie misst via GPS-Signal die Strecke und Zeit. 

Neues Kleid, altes Rezept

Zisler sagt, mit dem Projekt «Foif Digital» gehe es dem OK auch darum, die Laufenden «bei der Stange zu halten». Wobei er davon ausgeht, dass der Wettkampf nicht dasselbe «Publikum» anziehen wird wie sonst.

«Kinder und ältere Läufer werden wohl untervertreten sein», vermutet er, weil man sich bei der Registrierung mit Datenschutz-Fragen auseinandersetzen müsse.

Das Kleid mag beim virtuellen Berglauf-Cup für einmal etwas anders aussehen. Dennoch ist viel vom simplen und bewährten Rezept, das seit 1985 verfängt, auch bei «Foif digital» vorhanden.

«Es ist eine Vertrauenssache. Das macht es aber auch spannend.»

Martin Zisler, OK-Chef

Gelaufen wird auf den fünf Originalstrecken. Die Teilstücke sind zudem in derselben Reihenfolge angeordnet. Die Wertung bleibt ebenfalls gleich.

Für jede Etappe gibt es eine Punktrechnung, die besten vier Resultate fliessen in die Gesamtwertung. 

Trotz der eingesetzten Technik müssen die Veranstalter letztlich auf die Ehrlichkeit der Laufenden zählen. Zisler sagt: «Es ist eine Vertrauenssache. Das macht es aber auch spannend.»

Wie viele Läuferinnen und Läufer die Spezialversion des 5-Tage-Berglauf-Cups anlocken wird, ist nicht prognostizierbar. Es fehlen die Erfahrungswerte.

Der Auftakt war für Zisler und seine Mitstreiter aber motivierend. Innert Kürze haben sich Dutzende Läuferinnen und Läufer angemeldet – darunter auch Titelverteidiger Jens-Michael Gossauer.

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