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Ein erstes Rennen und viel Ungewissheit

Die Oberländer Handbiker Benjamin Früh und Felix Frohofer haben mit den Schweizer Meisterschaften im Zeitfahren wieder eine Perspektive.

Benjamin Früh an der WM 2019 in Emmen., Weltmeister unter sich: Benjamin Früh und Alex Zanardi an der WM von 2017., In den letzten Wochen vor der SM macht Felix Frohofer Intervall-Training., Der Russiker Felix Frohofer gehört an der SM ebenfalls zu den Medaillenkandidaten.

Foto: Cuvit Colin

Ein erstes Rennen und viel Ungewissheit

Der allgegenwärtige Coronavirus ist plötzlich weit weg. «Der Unfall von Alex Zanardi beschäftigt mich mehr», sagt Benjamin Früh. Der einstige Formel-1-Pilot und Paralympics-Sieger verunglückte bei einem Rennen vor rund einer Woche, indem er mit einem Lastwagen kollidierte.

Seither liegt er im Koma. Früh geht das Schicksal des Italieners besonders nah, weil er ihn 2017 an der WM in Südafrika persönlich kennenlernte. Beide wurden damals am selben Tag Weltmeister. Den Handbiker aus dem Grüt erinnert ein gemeinsames Foto an den Moment.

Auch Früh stürzte schon mehrmals in Rennen und Trainings. «Es ist aber immer glimpflich ausgegangen», sagt er.

Sportlich ging es Früh derweil in der aktuellen Situation nicht anders wie anderen Athleten. Die WM im belgischen Ostende konnte nicht ausgetragen werden. Und auch die Paralympischen Spiele in Tokio sind längst um ein Jahr verschoben.

Der 28-Jährige hat sich mit den Resultaten aus den beiden letzten Jahren eine gute Basis für die erstmalige Qualifikation erarbeitet. Statt der abgesagten WM werden nun noch zwei Weltcups mitentscheiden.

Reise nach Japan

Früh fühlt sich aber sowieso gut vorbereitet und überlässt nichts dem Zufall. Zum Ende der letzten Saison reiste er für zehn Tage nach Japan an den Austragungsort.

«Es hat mich tief beeindruckt und mir jegliche Angst vor dem Unbekannten genommen», zog er zufrieden Bilanz. Und vor allem: Früh kennt damit bereits die Beschaffenheit der Strecke sowie die klimatischen Bedingungen.

Dazu passt: Schon fast traditionell verbrachte er anschliessend das Winter-Trainingslager in Florida. Nicht zuletzt deshalb, weil an den Paralympischen Spielen mit ähnlichen Wetterbedingungen zu rechnen ist.

«Da überkam mich schon ein etwas mulmiges Gefühl . »
Benjamin Früh aus dem Grüt

Die Rückreise von Benjamin Früh erfolgte dann so quasi auf den letzten Drücker vor dem weltweiten Lockdown. «Unser Swiss-Flug von Miami aus nach Zürich war der Letzte für längere Zeit. Da überkam mich schon ein etwas mulmiges Gefühl», sagt er.

Quarantäne nach Heimkehr

Der Oberländer musste zuerst in die Quarantäne, blieb aber nicht untätig und machte intensives Rollentraining. Und mittlerweile gibt es sogar mit den Schweizer Meisterschaften im Zeitfahren vom 12. Juli in Belp wieder ein Ziel vor Augen. «Da will ich natürlich ganz vorn mitmischen», ist für ihn klar.

Wie in den letzten drei Jahren wird in der Disziplin Handbike im Gegensatz zur Strassen-SM nur ein Medaillensatz vergeben. Die gefahrenen Zeiten werden dann mit einem vom internationalen Radsport-Verband UCI definierten Faktor korrigiert, um so die verschiedenen Behinderungen der einzelnen Athleten zu berücksichtigen. Im Vorjahr reichte es Früh zu Platz 2.

Ein ernsthafter Medaillenkandidat an den SM ist auch Felix Frohofer. In der Corona-Zeit konnte der Russiker so viele Kilometer wie noch nie machen. Trotzdem hatte er zuweilen gemischte Gefühle im Training, da fortlaufend seine aktuellen Saisonziele gestrichen wurden.

Den letzten Schliff holt sich Frohofer nun mit Intervall-Einheiten, weil das Rennen im Berner Mittelland mit einer Distanz von 10 km aussergewöhnlich kurz ist.

«Das wurmt mich noch heute . »
Felix Frohofer aus Russikon

Der Oberländer hofft, dass später auch die Strassen-SM stattfinden kann, gerade weil er sich letztes Jahr beim Kampf um Gold im Endspurt geschlagen geben musste. «Das wurmt mich noch heute», sagt er.

Die nächsten Absagen

Welche von den restlichen Rennen im Kalender aber tatsächlich ausgetragen werden können, ist sowieso noch weitgehend ungewiss. Die Europacups von Lugano und San Remo wurden diese Woche abgesagt.

Etwas Hoffnung gibt es zumindest, dass die im Mai verschobene Austria Tour im Oktober nachgeholt werden kann. Dazu ist ein Weltcup-Rennen im Herbst möglich.

Frohofer will deshalb aber nicht hadern. Er konnte des Öftern in der Corona-Phase bei Traumwetter ausgedehnte Ausfahrten unternehmen. «Das wäre ansonsten in einer Wettkampfsaison nicht möglich gewesen», sagt der 25-Jährige.

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