Die Abschiedsvorstellung ist rein virtuell
Es ist natürlich nicht dasselbe. Das gemeinsame Warmlaufen und die in der Gruppe gut spürbare Nervosität vor dem Start fallen ebenso weg wie die Anfeuerungsrufe an der Strecke, das Durchbeissen auf der Zielgeraden und die angeregten Gespräche, wenn man wieder zu Atem gekommen ist.
Aber immerhin: Man kann seine Form testen, seiner Leidenschaft frönen und sich mit anderen vergleichen – wenn auch nur online.
Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Sonntag beim Geländelauf am Bachtel. Obwohl die Veranstaltung, deren Start und Ziel zuletzt bei der Mehrzweckhalle Blatt in Tann lag, seit Längerem offiziell abgesagt ist, lässt sich das Rennen virtuell bestreiten.
Was es dazu braucht? Ein paar Laufschuhe, ein Smartphone, die entsprechende App und Kopfhörer, um über die Zwischenergebnisse informiert zu sein. So ausgerüstet, kann jeder losstürmen, um die 12,1 km zurückzulegen. Zur vorgegebenen Startzeit zwar, nicht aber auf der Originalroute.
Unfreiwillige Planänderung
«Grundsätzlich eine coole Idee», findet Stefan Trafelet. Der Veranstalter des Geländelaufs plant, am Sonntag sein eigenes Rennen zu bestreiten. Sofern er zum fraglichen Zeitpunkt nicht im Spital weilt. Denn Trafelet wird erstmals Vater.
Es ist einer der Gründe, weshalb der Geländelauf mit einer virtuellen Austragung gleich auch seine Abschiedsvorstellung gibt.
Bis zur 50. Ausgabe wollte Trafelet, der die Organisation des Anlasses nur übernahm, weil sein Vater den Lauf einst ins Leben gerufen hatte, eigentlich weitermachen. Den ursprünglichen Plan muss der 36-Jährige nun schweren Herzens fallen lassen.
Nicht nur Trafelets Familiensituation wird sich ändern, er ist zudem auch beruflich sehr stark beansprucht.
Kommt hinzu: Die Helfersuche gestaltete sich von Jahr zu Jahr aufwendiger. Und einen Nachfolger hat er auch nicht gefunden. Deswegen ist nach dieser ganz speziellen 47. Ausgabe vorerst Schluss.
Seit 2013 gehörte der Geländelauf am Bachtel zum Züri-Lauf-Cup, der von der Zürcher Kantonalbank getragen wird. Drei weitere Jahre wäre der Vertrag noch weitergelaufen. Jetzt ist er aufgelöst.
Der Hauptsponsor habe sich sehr kulant gezeigt, sagt Trafelet. «Überhaupt war die Zusammenarbeit immer sehr stressfrei.»
Einbruch an Startenden
13 Veranstaltungen standen in der grössten Laufserie der Schweiz heuer auf dem Programm. Lediglich ein Wettkampf konnte bisher regulär durchgeführt werden, der Dietiker Neujahrslauf im Januar.
Die darauf folgenden drei Rennen wurden aufgrund der Pandemie ersatzlos gestrichen, darunter auch der GP Dübendorf, ehe mit dem Flughafenlauf in Kloten Mitte Mai erstmals ein Rennen virtuell gelaufen werden konnte.
9 Frauen und 43 Männer nutzten damals das Angebot für den Hauptlauf. Es ist eine bescheidene Zahl, vergleicht man sie mit den 950 Klassierten, die der Flughafenlauf 2019 verzeichnete.
«Es dürfte bei uns in ähnlichen Dimensionen sein.»
Stefan Trafelet, Veranstalter Geländelauf am Bachtel
Beim Zumiker Lauf Anfang Juni zeigte sich ein ähnliches Bild: Nahmen vor einem Jahr 400 Personen die Originalstrecke unter die Füsse, absolvierten das virtuelle Rennen nur 31.
«Es dürfte bei uns in ähnlichen Dimensionen sein», vermutet Trafelet. Der Geländelauf zählte sowieso zu den kleineren Läufen der Serie. Knapp 400 Teilnehmende verzeichnete man letztes Jahr bei der 46. Auflage.
Durch den virtuellen Geländelauf am Bachtel entstehen Trafelet keine zusätzlichen Kosten. Auch durch den Ausfall des regulären Rennens, das jeweils rund 12 000 Franken an Startgeldern generiert hatte, ist ihm kein Schaden entstanden.
Man habe vor der definitiven Absage die Planung bewusst «so flach als möglich» gehalten, sagt Trafelet. Ein deutlich markanteres Profil weist derweil die Originallaufstrecke auf. Sie galt deswegen als herausfordernd.
Gut für die am Sonntag bei der letzten Austragung des Geländelaufs am Bachtel Startenden: Da die Strecke für einmal frei wählbar ist, können sie Steigungen weglassen.
