Darum bleibt die Schublade zu
Es ist nicht so, dass man beim Schwingklub Zürcher Oberland (SKZO) darüber glücklich ist. Das nicht. Aber man ist zumindest erleichtert.
Seit Mitte letzter Woche herrscht endlich Klarheit: Bis Ende August finden mit Sicherheit keine Schwingfeste statt. Der Regelung fällt auch der auf den 12. Juli angesetzte Bachtel-Schwinget zum Opfer.
«Dem Schwingklub geht es nicht schlecht.»
Daniel Spörri, Präsident Schwingklub Zürcher Oberland
Das Fest auf dem Oberländer Hausberg, das im Vorjahr arg verregnet und von Daniel Bösch gewonnen worden war, weist eine lange Tradition auf. Es wäre heuer zum 88. Mal durchgeführt worden.
Das heisst: Alle Abläufe sind eingespielt, die Unterlagen griffbereit – eben ein «Schubladen-Schwingfest», wie es Daniel Spörri bezeichnet. Die Schublade bleibt jetzt zu.
Relativ früh seien für das Fest die Organisationsarbeiten stillgelegt worden, sagt der SKZO-Präsident. Darum hat der Verein durch die Absage nun auch kaum Ausgaben. Spörri schätzt, dass es weniger als 1000 Franken sein dürften.
Schwarz wird weggelassen
Konsequenterweise hat der Schwingklub die Vorbereitungsarbeiten für zwei zusätzlich geplante Anlässe ebenfalls frühzeitig gestoppt. Das Zürcher Kantonale Nachwuchsschwingfest in Mönchaltorf hätte am 22. August stattfinden sollen. Es ist abgesagt.
Die Durchführung des später vorgesehenen Klubschwinget – er erlebte bereits 1957 seine Premiere – ist hingegen noch offen. Spörri geht allerdings nicht davon aus, dass dieses Jahr überhaupt noch Schwingfeste stattfinden.
Die Entscheidung darüber liegt bei den einzelnen Teilverbänden. Der Aktivenrat der Schwinger hat aber an den Schweizerischen Verband appelliert, alle weiteren Feste zu streichen, um möglichst schnell Planungssicherheit zu haben.
Soweit ist es noch nicht. Im Prinzip aber kann man die Saison abhaken. Das hat für den Oberländer Verein Folgen. Auf finanzieller Ebene etwa.
Man besorgte sich neue Vereinskleider, baute zudem den Schwingkeller in Hadlikon etwas um und hatte dadurch einige Ausgaben. Jetzt fallen die geplanten Einnahmen aus den selber organisierten Anlässen weg.
«Ohne Schnupperschwingen kann man keine Buben motivieren.»
Daniel Spörri, Präsident Schwingklub Zürcher Oberland
Spörri geht von einem Betrag in der Grössenordnung von 15 000 Franken aus. Schwarz malen will der Präsident trotzdem nicht. Er sagt: «Dem Schwingklub geht es nicht schlecht.» Darum hat man entschieden, die fehlenden Einkünfte nicht durch höhere Mitgliederbeiträge auszugleichen.
Die Ruhe könnte helfen
Die besondere Situation wirft auch im sportlichen Bereich Fragen auf. Etwa diese: Inwiefern wirkt sich das auch nach dem 11. Mai weiterhin geltende Trainingsverbot und die fehlende Präsenz in der Öffentlichkeit auf den Zuspruch im Nachwuchs aus?
Das sei sehr schwierig einzuschätzen, findet Spörri. «Ohne Schnupperschwingen kann man keine Buben motivieren», gibt der Präsident zu bedenken. «Es wird sich zeigen, ob in fünf Jahren ein Loch zu sehen ist.» Dass Nachwuchsschwinger jetzt abspringen, weil sie weder trainieren noch kämpfen können, glaubt Spörri hingegen nicht.
«Der eine oder andere wird stärker zurückkommen.»
Daniel Spörri, Präsident Schwingklub Zürcher Oberland
Einen positiven Effekt könnte die ausfallende Saison derweil gar auf die besten Oberländer Schwinger haben. Einige von ihnen – Fabian Kindlimann und Remo Ackermann im besonderen – schlagen sich immer wieder mit körperlichen Problemen herum. Sie können sich für einmal in aller Ruhe auskurieren – ohne das Gefühl zu haben, möglichst schnell ins Sägemehl zurückkehren zu müssen.
«Der eine oder andere wird stärker zurückkommen», ist Spörri überzeugt. Wie viel stärker können sie im nächsten Jahr auch vor der eigenen Haustüre wieder zeigen. Anfang Juli 2021 steht der nächste Bachtel-Schwinget auf dem Programm.
