Zurück im Vorwärtsgang
Wer sich brennend dafür interessierte, wie die Mannschaft des UHC Uster in der nächsten Saison aussieht, brauchte viel Geduld. Der NLA-Klub vermeldete seine Vertragsverlängerungen, Abgänge und Zuzüge in den Wochen seit dem Saisonende Mitte März nur in homöopathischen Dosen.
Wohl um künstlich Spannung zu erzeugen. Dabei schlugen die Meldungen keine hohen Wellen. Zu unspektakulär waren sie. Und man lehnt sich nicht weit aus dem Fenster mit der Behauptung: Hohe Wellen sind auch keine mehr zu erwarten.
«Wir sind gut aufgestellt.»
Michael Reimann, Sportchef UHC Uster
Sportchef Michael Reimann hält die Augen offen, «ob sich noch etwas ergibt». Den ganz grossen Teil seiner Arbeit aber hat er erledigt.
«Ich bin nicht unzufrieden», sagt er über das Ergebnis. Und glaubt: «Wir sind gut aufgestellt.»
Die überraschende Einschätzung
Die Einschätzung mag auf den ersten Blick überraschen. Denn der Ustermer Transferumsatz in der Kurzfassung sieht so aus: Drei wichtige Stammkräfte sind nicht mehr dabei, darunter der Topskorer. Nur zwei statt wie bisher drei Ausländer stehen unter Vertrag. Und es ist nicht wie erhofft gelungen, den einen oder anderen Schweizer Leistungsträger zu verpflichten.
Das alles, nachdem der UHC Uster im Vergleich zur Vorsaison zwölf Punkte weniger holte. Und nicht wie angepeilt den ersten Playoff-Sieg der Vereinsgeschichte feiern konnte, stattdessen aber nach zwei Teilnahmen hintereinander den Sprung in die K.o.-Phase verpasste.
Schrauben ja, umbauen nein
Worauf also gründet Reimanns Zuversicht? Zu einem erheblichen Teil darauf, dass er davon überzeugt ist: Es mag sinnvoll sein, an einigen Stellschrauben zu drehen. Einen Umbruch aber braucht es nicht.
Weil die Mischung zwischen erfahrenen und aufstrebenden Spielern stimmt. Vor allem aber, weil die Mannschaft nach Ansicht des Sportchefs viel Potenzial besitzt. Auch nach den Veränderungen.
«Wir hatten letzte Saison ein mehr als playoffwürdiges Team», sagt Reimann. Verteidiger Florian Bolliger, der seinen Vertrag um gleich drei Jahre verlängert hat, geht gar noch weiter. Der Routinier spricht mit einem Blick zurück vom «stärksten Team der Vereinsgeschichte». Weshalb blieb der Erfolg trotzdem aus?
Ein Mix aus Gründen dürfte dafür verantwortlich sein. «Vielleicht lag der Fokus zu fest auf dem ersten Playoff-Sieg, und der Playoff-Qualifikation als Etappenziel wurde zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt», mutmasst Bolliger beispielsweise.
Reimann spricht zwei andere Punkte an. Seiner Ansicht nach riefen einige Führungsspieler nicht ihr ganzes Leistungsvermögen ab. Und der Sportchef vermisste in der Offensive ein klar erkennbares Konzept. Er ist auch jetzt noch überzeugt: «Wir hätten eine starke Offensive gehabt.»
Die Statistik spricht allerdings eine andere Sprache – der UHC Uster erzielte unter dem viel Wert auf die Defensive legenden Trainer Mika Heinonen am drittwenigsten Tore.
«Der Abschluss ist das Ende eines Angriffs. Dafür braucht es Leute, die den Ball schnell und konstruktiv nach vorne bringen können.»
Michael Reimann, Sportchef UHC Uster
Simon Meier beerbt den nach zwei Jahren wieder in seine Heimat zurückgekehrten Finnen. Meier kennt die Mehrheit der Mannschaft sehr gut. Er coachte den UHC Uster von 2016 bis 2018, war nach seinem beruflich bedingten Abgang Ausbildungsverantwortlicher des Klubs.
Und das ist nach der letzten Saison zentral: Das Offensivspiel geniesst beim Rückkehrer einen hohen Stellenwert. Uster dürfte unter Meier wieder mutiger und aktiver auftreten, ist also quasi zurück im Vorwärtsgang.
Das Ende beginnt hinten
Die Neujustierung in der Spielanlage hatte Auswirkungen auf die Wahl der Ausländer. Aus finanziellen Gründen besetzt man in Uster nur noch zwei von drei möglichen drei Plätzen. Für zwei Jahre hat man den tschechischen Nationalverteidiger Martin Prazan unter Vertrag genommen. Weshalb ein Defensivmann, wenn vorne die Tore fehlen?
«Der Abschluss ist das Ende eines Angriffs. Dafür braucht es Leute, die den Ball schnell und konstruktiv nach vorne bringen können», begründet Reimann. Prazan sei in der Lage, dies zu tun. «Er ist ein Leadertyp. Das brauchen wir.»
Daneben verlängerte man den Vertrag mit dem Finnen Markus Kulmala. Das wiederum heisst: Topskorer Niko Juhola – er sammelte in den letzten drei Saisons für Uster fast 100 Skorerpunkte (94) – verlässt den Verein.
Diverse Gründe führten dazu, dass man gegenseitig auf eine weitere Zusammenarbeit verzichtete. Fakt ist: Der auf derselben Position wie Kulmala spielende Juhola ist ein eher abwartender Angreifer, der auf Chancen lauert.
Sein Landsmann hingegen passt vom Spielertyp her ideal zur zukünftigen Strategie in Uster. Kulmala bewegt sich sehr viel. Zudem konnte er in der letzten Saison ausreichend unter Beweis stellen, dass er auch eine defensive Rolle überzeugend ausfüllen kann.
Verkleinerung gibt Luft
Noch ist die eine oder andere Frage offen. Aus rund 20 Feldspielern und zwei Goalies dürfte das Kader am Schluss aber bestehen und damit bewusst etwas kleiner sein als zuletzt. Um damit den besten eigenen Nachwuchsspielern zu zeigen: Die Chance ist vorhanden, NLA-Luft schnuppern zu können.
«Es hat sich aber nichts ergeben.»
Michael Reimann, Sportchef UHC Uster
Neben Juhola gilt es die Abgänge der Stammkräfte Romano Schubiger (Malans) und Anjo Urner (Rücktritt) zu verarbeiten. Zwei, drei Impulse durch den Zuzug von auswärtigen Schweizer Spielern hätte Sportchef Reimann gerne gesetzt.
«Es hat sich aber nichts ergeben.» Uster ist damit kein Einzelfall in der NLA. Über die gesamte Liga gesehen hat es kaum einen Wechsel eines arrivierten Schweizers gegeben.
