Der Olympia-Marathon rückt ins Sichtfeld
Das Glück lässt sich auch im Kleinen finden, wie man bei Fabienne Schlumpf sehen kann. Nach einer verletzungsbedingten elf Monate langen Wettkampfpause konnte sie heuer zumindest ein Rennen bestreiten, ehe die Absagewelle alles wegspülte.
Und Mitte März entschloss sie sich wohl gerade noch rechtzeitig, das Trainingslager in Südafrika nicht wie angedacht zu verlängern, sondern stattdessen in die Heimat zurückzukehren.
«Ich hatte plötzlich das Reissen», begründet die Spitzenläuferin den Meinungsumschwung. In der Schlussphase sei es sowieso nicht mehr möglich gewesen, sich ausschliesslich aufs Training zu konzentrieren.
«Am Anfang fühlt man sich leer. Ich bin aber in der glücklichen Lage, trotz allem motiviert zu sein.»
Fabienne Schlumpf
Die Coronavirus-Lage habe sich quasi stündlich geändert, erinnert sich Schlumpf und gibt zu: «Ich war ziemlich froh, als der Vogel in Zürich gelandet war.» Sie mag sich nicht ausmalen, wie es gewesen wäre, in Südafrika festzusitzen.
Mit der aussergewöhnlichen Lage hat sich die Leistungssportlerin schnell arrangiert. Sie ist sich bewusst: Als Läuferin ist sie privilegiert, muss nur wenige Abstriche machen.
Dass vorderhand keine Wettkämpfe in Sicht sind, auf die sie gezielt hinarbeiten kann, machte ihr zwar etwas zu schaffen. «Am Anfang fühlt man sich leer», sagt Schlumpf. «Ich bin aber in der glücklichen Lage, trotz allem motiviert zu sein.»
Letzteres hat seinen Grund: Die EM-Zweite über 3000 m Steeple von 2018 steht an einem anderen Ort als in früheren Jahren zu diesem Zeitpunkt. Sie ist nicht auf demselben hohen Niveau, sondern auf dem langen Weg, um zu alter Stärke zurückfinden zu können.
«Im Moment ist alles völlig offen.»
Fabienne Schlumpf
Ihrer Empfindung nach stimmt die Entwicklung. Und zentral für sie: «Ich bin körperlich wunschlos glücklich.» Endlich kann Schlumpf wieder beschwerdefrei trainieren. Im Gegensatz zur letzten Saison.
Diese war frustrierend für die Athletin der TG Hütten, die zuvor lange Zeit in ihrer Karriere von grösseren Verletzungen verschont geblieben war. 2019 aber steckte der Wurm drin.
Sie wurde von verschiedenen körperlichen Problemen gestoppt, erlitt bei der Genesung mehrere Rückschläge. Lediglich drei Rennen im Frühling bestritt Schlumpf – keines in ihrer Spezialdisziplin.
Bei Fabienne Schlumpf ist der Spass zurück
14.02.2020

Wetziker Läuferin
Fabienne Schlumpf kann endlich wieder tun, was sie glücklich macht. Beitrag in Merkliste speichern Ob überhaupt noch einmal ein Steeple-Rennen an einem Grossanlass dazukommt, ist fraglich. Es könnte gut sein, dass Schlumpfs Sturmlauf zu EM-Silber im Herbst 2018 das letzte wichtige Rennen in dieser Disziplin für sie war.
Ihr ursprünglicher Plan, den Schlusspunkt an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu setzen und danach auf die Marathonstrecke zu wechseln, ist Makulatur geworden. Durch ihre Verletzungen, vor allem aber wegen der Olympia-Verschiebung um ein Jahr in den Sommer 2021. Wie reagiert sie auf Letzteres?
Zu früh für Details
«Im Moment ist alles völlig offen», sagt Schlumpf. Auch darum, weil nicht absehbar ist, wie die internationale Leichtathletik-Saison aussehen könnte. Die Athletin fragt sich: «Wann gibt es wieder Wettkämpfe? Im Herbst? Oder erst im nächsten Jahr?» Sie ist darum der Ansicht: «Es macht keinen Sinn, etwas zu planen.»
Die Wetzikerin und ihr Trainer Michi Rüegg aber machen sich selbstverständlich Überlegungen, wie es weitergehen könnte. Das Duo tendiert dazu, nicht alles um ein Jahr nach hinten zu schieben, sondern den Schritt auf die langen Strecken jetzt zu vollziehen.
«Ich geniesse, was ich mache.»
Fabienne Schlumpf
So war vorgesehen, dass Schlumpf heuer an den nun abgesagten Europameisterschaften in Paris den Halbmarathon absolviert hätte. Und statt über 3000 m Steeple dürfte Schlumpf das Olympia-Ticket auf der Marathonstrecke ins Visier nehmen.
Jetzt ist ein neues Denken gefragt
27.04.2020

Erfolgstrainer aus Wetzikon
Michi Rüegg sieht sich gefordert – und auf seine Weise privilegiert.
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Die vielseitige Läuferin – 2018 wurde sie EM-Zweite im Cross – gibt aber sofort zu bedenken, im Zusammenhang mit ihren Marathonplänen sei es für vieles noch zu früh. Beispielsweise, um sich detailliert mit dem Qualifikationsmodus für Tokio auseinanderzusetzen.
Der Knackpunkt: Schlumpf hat noch nie ein Rennen über die 42,195 km bestritten. «Ich kann darum nicht sagen, welche Zeit ich laufen könnte.»
Das spielt vorerst auch keine Rolle. Die vielen offenen Fragen und die Ungewissheit blendet Schlumpf im Alltag aus. Sie trainiere einfach weiter, sagt sie.
Das fällt ihr leicht. Der Grund dafür ist nicht spektakulär, aber umso wichtiger: «Ich geniesse, was ich mache.»
