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Die neue Routine gibt ihr Ruhe

Maria Ugolkova vermisst das Wasser. Die beste Schweizer Schwimmerin hat einen Ersatz gesucht – und auch gefunden.

Die Verschiebung der olympischen Sommerspiele um ein Jahr hat Maria Ugolkova vom Druck befreit.

Archivfoto: Christian Merz

Die neue Routine gibt ihr Ruhe

Sie hat sich den aussergewöhnlichen Umständen schnell angepasst. Hat Lösungen gefunden, wie sie sagt. Der Balkon ihrer Wohnung in Uster ist auch zu ihrem Kraftraum geworden. Und in den nach dem Wegfall des Schwimmtrainings frei gewordenen Stunden tanzt Maria Ugolkova gerne.

«Tanzen liegt mir», sagt die beste Schweizer Schwimmerin. Samba ist angesagt, auch ein bisschen Hip-Hop. Letzteres hat sie im vergangenen Jahr in einem viermonatigen Kurs gelernt. «Rhythmus und Koordination sind wichtig – wie beim Schwimmen.» Tanzen ist für Ugolkova eine gute Trainingseinheit. Nicht nur für den Körper, auch für den Kopf. «Danach fühle ich mich gut.» 

«Schwimmen ist meine Liebe und mein Leben. Bin ich im Wasser, spüre ich diese Harmonie.»

Maria Ugolkova

Die 30-Jährige tönt aufgestellt. Sie lacht viel. Und erzählt detailliert, wie sie ihren ungewohnten Alltag neu strukturiert hat, zu dem auch der tägliche Austausch mit ihrem Schwimmtrainer Pablo Kutscher sowie dem Fitnesscoach aus der Westschweiz gehört.

Ugolkova macht das Beste aus der Situation. Sie hat nach einer Phase des Haderns eine Routine gefunden, die funktioniert. Und ihr Ruhe gibt. Dabei sagt die zweifache EM-Medaillen-Gewinnerin offen: Ohne Wasser zu sein ist für sie schwierig. «Schwimmen ist meine Liebe und mein Leben. Bin ich im Wasser, spüre ich diese Harmonie.»
 

Seit Mittwoch der vorletzten Woche aber muss die Athletin des Schwimmclub Uster Wallisellen ihren Beruf an Land ausüben. Sie wird das auch mindestens einen weiteren Monat tun müssen.

Schon bevor das Bundesamt für Sport den Trainingsbetrieb in Tenero und Magglingen untersagte, hatte der Schweizerische Schwimmverband entschieden, dass bis am 30. April keine Wassersportler mehr in den zwei Zentren trainieren dürfen.

Für einige Athleten bedeutete das, dass sie nach nur einem halben Tag im Tessin die Heimreise antreten mussten. Ugolkova war vom Entscheid nicht betroffen. Die Nationalkader-Athletin hatte sich früh gegen die Option Tenero entschieden. 

«Ich fühle mich viel weniger unter Druck. Wir können uns nun darauf konzentrieren, uns zu schützen und fit zu bleiben.»

Maria Ugolkova

Immerhin fällt für sie und all die anderen Spitzensportlerinnen und Sportler nun die bohrende Frage weg, ob die Olympischen Spiele 2020 stattfinden oder nicht. Der Anlass ist aufs nächste Jahr verschoben. Er findet neu vom 23. Juli bis am 8. August statt.

Ugolkova ist froh, die Ungewissheit los zu sein. Sie sagt: «Ich fühle mich viel weniger unter Druck. Wir können uns nun darauf konzentrieren, uns zu schützen und fit zu bleiben.»

«Ich bin ja schon 30»

Ugolkova sieht sich dabei in einer komfortablen Situation. Sie hat ihr Wirtschaftsstudium beendet, kann sich auf ihren Sport konzentrieren. Das lässt ihr die nötige Flexibilität. Für die bis zum Alter von 16 in Moskau aufgewachsene Athletin heisst die Olympiaverschiebung vereinfacht gesagt: Sie muss lediglich ihre Planung ändern.

«Andere sind nicht in einer so guten Lage», ist sie sich bewusst. Ugolkova hat sich dafür fragen müssen: Bringe ich die Motivation für ein weiteres Jahr auf? Sie sagt, gefolgt von einem Lachen: «Ich bin ja schon 30.»

«Ich liebe das Training, ich liebe die Wettkämpfe.» 

Maria Ugolkova

Der Entschluss war dennoch schnell gefasst. Ugolkovas Freude am Schwimmen ist zu gross, um damit jetzt bereits aufzuhören. Dazu ist die Aussicht reizvoll, ihre zweiten Olympischen Spiele nach 2016 erleben zu können.

Der Grossanlass ist allerdings bei weitem nicht ihr alleiniger Antreiber. Der Prozess spielt für die über 100-fache Schweizer Meisterin eine ebenso grosse Rolle. «Ich liebe das Training, ich liebe die Wettkämpfe.» 

Kälte stoppt die Rückkehr

Gut für sie: Der Qualifikationsstress fällt weg. Die erkämpften Olympia-Plätze bleiben gültig. Ugolkova hatte die A-Limite bereits im Sack – in ihrer Spezialdisziplin über 200 m Lagen.

Um nicht ins Blaue hinaus trainieren zu müssen, hat sich die Schwimmerin des SCUW die EM als  Orientierungspunkt ausgewählt. Die ursprünglich im Mai angesetzten kontinentalen Meisterschaften in Budapest sind nun in den August verschoben worden. 

«Damit hatte ich nie gerechnet, das ist supernett.»

Maria Ugolkova

Weit früher dürfte Ugolkova zurück ins Wasser können. Allenfalls geht es sogar schneller als ursprünglich gedacht. Nach ihrem Interview in der SRF-Sendung Sportpanorama boten zahlreiche Personen ihre Privatpools an. «Damit hatte ich nie gerechnet, das ist supernett», freut sich Ugolkova.

Der Haken daran: Noch sind die Temperaturen zu tief, um draussen schwimmen zu können.  

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