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Darum sitzt niemand auf dem Trockenen

Das Hallenbad Uster ist seit Mitte März geschlossen. Die SCUW-Mitglieder können dennoch weiter trainieren - wenn auch nicht im Wasser.

SCUW-Präsident Philippe Walter freut sich über das in aller Kürze erstellte alternative Trainingsangebot.

Archivfoto: David Kündig

Darum sitzt niemand auf dem Trockenen

Philippe Walter hat eine anstrengende Zeit hinter sich. Mehrere Stunden täglich verbrachte er vergangene Woche in Videokonferenzen. Es gab reichlich Diskussionsbedarf. In seiner Funktion als Sportdirektor im nationalen Schwimmverband. Und als Präsident des Schwimmclubs Uster Wallisellen.

Seit Jahren zählt dieser zu den erfolgreichsten Vereinen der Schweiz. Weit über 700 Meistertitel haben SCUW-Schwimmerinnen und Schwimmer bereits gewonnen, fast 50 Klubmitglieder nahmen an Olympischen Spielen, Welt- oder Europameisterschaften teil.

«Die Trainer reagierten vorbildlich, alles greift wunderbar.» 

Philippe Walter, SCUW-Präsident

Seit dem 14. März aber ist das Hallenbad in Uster mit seinem Olympiaschwimmbecken geschlossen. Athleten mit der Swiss-Olympic-Karte wie etwa die beste Schweizer Schwimmerin Maria Ugolkova durften ein paar Tage länger im für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglichen Bad trainieren. 

Vier Tage später, am 18. März, war für die Aushängeschilder des Vereins aber ebenfalls Schluss. Ab jenem Zeitpunkt war für alle nur noch Trockentraining möglich.  

400 Mitglieder, 26 Trainingsgruppen

«Die Gesundheit geht vor», sagt Walter. Der Vereinspräsident weiss: Wassertraining gibt es erst wieder, wenn es sicher durchzuführen ist. Also dann, «wenn das Virus ausgetrocknet ist», wie er sagt.

Bis dahin gilt es, für die über 400 Mitglieder des Vereins, bei dem 80 Prozent Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre sind, die Zeit bestmöglich zu überbrücken. 26 Trainingsgruppen unterhält der SCUW im Aktivbereich, dazu kommen drei bis vier Breitensportgruppen. Und obwohl nun seit über zwei Wochen das Wasser fehlt, muss beim SCUW trainingstechnisch niemand auf dem Trockenen sitzen.

Innerhalb von lediglich zwei Tagen erarbeitete man im Verein mit seinen sechs angestellten Trainern und 23 J+S-Leitern ein Programm mit dem Namen «fit at home». Walter freut sich über den gelungenen Kraftakt. «Die Trainer reagierten vorbildlich, alles greift wunderbar.» Die einzelnen Coaches halten regelmässig telefonischen Kontakt zu ihren Gruppen. Die übergeordnete Strategie ist naheliegend: Möglichst alle fit zu behalten.

Um einen zusätzlich Reiz zu schaffen, in der eigenen Wohnung oder der Garage an der Form zu feilen, hat man die Elite-Athleten mit einbezogen. Auf dem vereinseigenen Instagram-Kanal zeigen sie ihre Lieblingsübungen. Die Aktion soll zudem mithelfen, das Gemeinschaftsgefühl im Klub hochzuhalten, auch wenn man sich bis auf weiteres nicht mehr treffen kann.  

Für die sechs angestellten Trainer gilt derweil dasselbe wie für Tausende andere in der Schweiz auch: Sie müssen ihre Arbeit zuhause erledigen. Ob der SCUW für sie Kurzarbeit anmeldet, wie der Schwimmverband in einem Schreiben vorschlägt, hat er noch nicht abschliessend geklärt.

Daneben muss sich der Vereinsvorstand mit weiteren Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie beschäftigen. Sämtliche Verbandswettkämpfe bis Anfang Mai sind abgesagt.

Das trifft auch den SCUW. Er hätte am 18./19. April im Buchholz die Schweizer Vereinsmeisterschaften organisiert. Diese sind ersatzlos gestrichen, die dadurch ausfallenden Sponsoring-Einnahmen bezeichnet Walter als «verschmerzbar».  

Die Sommer-SM in der Halle – vielleicht  

Zugleich fallen weitere Einnahmequellen fallen weg. Für die nächsten zwei Monate werden die Zahlungen von Jugend und Sport ausbleiben. Das sei wohl ein Betrag im tiefen fünfstelligen Bereich, schätzt der SCUW-Präsident. Ebenfalls ins Gewicht fällt, dass der Verein keine neuen Mitglieder mehr aufnehmen kann.

Auf Anfang Juli ist die SM in Uster terminiert. Es wäre das erste Mal seit rund 50 Jahren, dass die nationalen Sommermeisterschaften in einem Hallenbad ausgetragen würden. Die Frage aber ist: Findet die Veranstaltung wie vorgesehen statt?

Walter sagt, damit eine Chance bestehe, müssten die Schwimmerinnen und Schwimmer ab Anfang Mai wieder trainieren können – und zwar im Wasser. «Denn ohne Vorlaufzeit würde die SM für sie wenig Sinn machen.» 

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