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Wetzikon zieht sich aus NLB zurück

Der VBC Wetzikon konnte sich in seiner zweiten Saison auf Stufe NLB steigern. Aufgrund von vielen Wechseln und einer anstehenden Ligareform steigen die Oberländer aber dennoch freiwillig ab.

In Wetzikon gibt es inskünftig kein NLB-Volleyball mehr., Im Kader des VBC Wetzikon (hier Jonas Hertig) kommt es zu vielen personellen Wechseln.

Archivfoto: Christian Merz

Wetzikon zieht sich aus NLB zurück

Die erwartete Nachricht des Zentralvorstands von Swiss Volley kam am Freitag. Keine Meister und auch keine Auf- und Absteiger in den nationalen Ligen.

Der VBC Wetzikon brauchte für den Ligaerhalt in der Nationalliga B allerdings weder das Coronavirus noch einen Beschluss. Er hatte sich bereits vor dem Saisonabbruch von Mitte März den Klassenerhalt in der Abstiegsrunde gesichert.

Und dennoch: Für die Oberländer endet das Kapitel NLB nach zwei Jahren. Der Entscheid wurde klubintern bereits vor einiger Zeit gefällt. Der Grund: die anstehende Ligareform des Verbands.

Nur noch zwölf Teams sollen inskünftig in der zweithöchsten Spielklasse spielen, allerdings vereint in einer Gruppe. Die regionale Trennung in Ost und West mit je acht Mannschaften entfällt. Vonseiten des Verbands erhofft man sich mit dieser Professionalisierung ein höheres Niveau und somit eine bessere Entwicklung der jungen Spieler.

Mehr Reisen durch Ligareduktion

Die Kehrseite: Für die Vereine gibt es dadurch nicht nur noch deutlich mehr Spiele, sondern auch vermehrt weite Reisen in die Westschweiz. «Das ist ein zu grosser Aufwand. Wir ziehen deshalb unser Team aus der NLB zurück. Das haben wir einstimmig beschlossen», sagt Präsidentin Katja Bleibler.

Keine Rolle spielt den Wetziker Verantwortlichen auch die in derselben Mitteilung angekündigte Verschiebung der Verbandsreform um ein Jahr wegen des Coronavirus.

Zu viele Akteure verlassen nämlich so oder so das Team, um inskünftig noch eine kompetitive Mannschaft auf Stufe NLB stellen zu können.

Einer der abtretenden Akteure ist beispielsweise der langjährige Leistungsträger Max Gay. Der Captain wohnt in Zürich-Oerlikon, arbeitet jedoch in Basel. «Das Pendeln wurde mir zu viel», sagt er.

Er spielt deshalbab der kommenden Saison nur noch plauschhalber mit langjährigen Kollegen für den VBC Rämi Zürich in einer tieferen Liga.

«Das Kader war schon vorher knapp gewesen.»

Ernst Rüdisüli, Trainer VBC Wetzikon

Und wie Gay setzen auch andere Wetziker Volleyballer inskünftig ihre Prioritäten aus den verschiedensten Gründen anders.

«Das Kader war schon vorher knapp gewesen», sagt Trainer Ernst Rüdisüli. Dazu passt, dass mit dem bald 45-jährigen Swen Tobler der einzige eigentliche Passeur der Mannschaft im Vorfeld dieser Saison so quasi zum Weitermachen überredet wurde.

Verletzungsbedingte Ausfälle über mehrere Wochen, wie die von Hauptangreifer Nicolai Gautschi, taten dem Team so äusserst weh. «Wir können deshalb mit dem Saisonverlauf zufrieden sein», betont Rüdisüli.

Tatsächlich hatten sich die Wetziker als Fünfter der Qualifikation im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert. Und in der anschliessenden Abstiegsrunde war vor dem vorzeitigen Saisonende sogar noch der Gruppensieg möglich.

«Ich hätte nie gedacht, dass ich höher als 1. Liga spiele.»

Max Gay, Captain VBC Wetzikon

«Es waren zwei lässige Jahre. Ich hatte nie gedacht, dass ich höher als 1. Liga spiele», bilanziert Mittespieler Gay.

Überhaupt: Für ihn und seine Teamkollegen war die letzte Saison in der NLB auch nochmals eine neue Erfahrung. Nach dem Abgang des langjährigen Gespanns Felix Brändli und Martina Casparis erlebten sie mit Ernst Rüdisüli einen erfahrenen Coach, der einen anderen Trainings- und Führungsstil praktiziert.

Trainerabgang nach einem Jahr

Durch den freiwilligen Abstieg endet nun aber auch bereits wieder die Amtszeit des 59-Jährigen in Wetzikon. «Wir haben Ernst ja eigentlich aus dem Vorruhestand geholt», sagt Präsidentin Bleibler.

Dem pflichtet Rüdisüli bei, auch wenn er ein neues Engagement nicht kategorisch ausschliesst. «Ich habe schon genügend Kilometer auf dem Tacho. Es müsste deshalb schon eine interessante Challenge sein.»

Der geplanten Ligareform des Verbands steht der erfahrene Trainer, der schon in Jona, Näfels und Einsiedeln auf höchster Ebene tätig war, aber wie viele andere Exponenten kritisch gegenüber. «Ich habe von keinem Verein gehört, der dieser Ligareduktion etwas Positives abgewinnt», sagt er.

Mehr Aufwand und Auflagen bringt diese. «Und das kostet alles», sagt Rüdisüli. Er selbst erlebt aus diesem Grund unlängst in Einsiedeln den freiwilligen Rückzug von der NLA in die 1. Liga.

Zukunft in die 2. Liga

Einen negativen Effekt befürchtet auch der scheidende Gay. «Volleyball bleibt doch ein Breitensport. Niemand verdient damit Geld. Es besteht eher die Gefahr, dass man den Spielern dadurch die Freude nimmt.»

Dem hat der VBC Wetzikon nicht zuletzt deshalb vorsorglich entgegengewirkt. Die erste Mannschaft dürfte nämlich inskünftig sogar in fast gänzlich neuer Zusammensetzung nur noch in der 2. Liga spielen.

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