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Reibungslos ist anders

Sebastian Stalder vom SC am Bachtel hat eine Saison mit Licht und Schatten hinter sich. Er kämpfte mit einem speziellen Muster.

Sebastian Stalder brauchte in der vergangenen Saison länger als gewohnt, um auf Touren zu kommen.

Archivfoto: PD/Biathlonarena Lenzerheide

Reibungslos ist anders

Dieser junge Mann kann über sich selber lachen. Das zeigt ein Beispiel vom Weltcup im tschechischen Nove Mesto Anfang März. Auf Rang 106 und damit an letzter Stelle fand sich Sebastian Stalder im Sprint nach einem «sehr, sehr schlechten Rennen» wieder. Und verbreitete kurz darauf einen Screenshot der Fernsehübertragung in den sozialen Medien, der ihn im Schiessstand zeigte, mit dem Kommentar: «Wenigstens etwas TV-Präsenz».

Diese hatte Stalder tags darauf erneut – aus erfreulichem Grund. Der B-Kader-Athlet durfte nicht nur überraschend in der Schweizer Staffel aushelfen. Er wurde gar als Startläufer auf die Strecke geschickt. Stalder riskierte beim ersten Schiessen alles, blieb fehlerfrei und verliess den Schiessstand zum Erstaunen des Publikums als Führender.

«Wenn es von Anfang mit den Resultaten geklappt hätte, wären es wohl mehr Rennen im Weltcup geworden.»

Sebastian Stalder

Die Schweizer wurden letztlich Neunte. Und der mutige Auftritt des Walders fand Widerhall. Er erhielt zahlreiche Nachrichten. Auch mit etwas Distanz schwärmt er vom Staffel-Rennen: «Das war wahnsinnig toll.»

Das Gefühlt täuscht

Die zwei Einsätze in Nove Mesto waren Stalders einzige auf höchster Stufe. Enttäuscht darüber ist der 22-Jährige nicht, der in seinem letzten Juniorenjahr grösstenteils auf zweithöchster Stufe im IBU-Cup Wettkämpfe bestritt.

«Wenn es von Anfang mit den Resultaten geklappt hätte, wären es wohl mehr im Weltcup geworden», vermutet er. Doch Stalder hatte zu Beginn Mühe, zufriedenstellende Leistungen abrufen zu können. Überraschenderweise, wie er sagt. «Ich hatte nach der Vorbereitung das Gefühl, es komme besser.»

«Ich habe wohl nicht den gewohnten Schritt nach vorne gemacht. Mein Niveau dürfte kaum höher als in der letzten Saison gewesen sein.»

Sebastian Stalder

Über einen längeren Zeitraum sah sich der Athlet des SC am Bachtel mit einem für ihn neuen Problem konfrontiert. Überzeugte er in der Loipe, versagte er im Schiessstand – und umgekehrt. «Ich hatte extrem Mühe, beides zusammenzubringen», sagt Stalder. Dieses Muster forderte den Walder mental stark.

Er probierte, den Blick langfristig auszurichten, revidierte dafür die kurzfristigen Ziele. Und versuchte herauszufinden, wieso er nicht wie gewünscht auf Touren kam. 

Stalder glaubt, ein Grund dafür sei die schwere Erkältung vom Herbst gewesen. Der Oberländer, der kaum je mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat, musste fast zwei Wochen lang das Bett hüten.

Er habe danach wohl zu früh wieder forciert, wirft er sich selber vor. Die Folge davon: Er war verunsichert. Und schleppte dieses Gefühl bis zum Jahresende mit sich.

WM-Bronze als Dosenöffner  

Es ist nicht so, dass Stalder bei seiner Gesamtbilanz von einer enttäuschenden Saison spricht. Schliesslich schaffte er es, das Muster mit nur einer gelungenen Disziplin pro Rennen in der zweiten Winterhälfte zu brechen. Bis zuletzt zeigte die Formkurve aufwärts. Und er hielt dem zum Teil selbst verursachten Druck an der Junioren-WM in Lenzerheide stand, indem er im Einzelrennen über 15 km Bronze gewann.  

«Dieser Erfolg tat gut», sagt der neben Nico Salutt (21) und Niklas Hartweg (20) zu den Schweizer Nachwuchshoffnungen zählende Oberländer. «Danach lief es besser.»

«Man muss realistisch sein. Im IBU-Cup laufen sehr viele starke Athleten.»

Sebastian Stalder

Kritisch gibt er sich trotzdem, wenn er die jüngste Entwicklung mit jener der Vorjahre vergleicht. «Ich habe wohl nicht den gewohnten Schritt nach vorne gemacht. Mein Niveau dürfte kaum höher als in der letzten Saison gewesen sein.» Er schliesst daraus: «Das war wohl das Problem.» 

Die veränderte Denkweise

Stalders Aufgabe war allerdings nicht ganz ohne. Aus verschiedenen Gründen. Ab September trainierten er und Nico Salutt trotz ihrem Juniorenstatus ausschliesslich mit dem Schweizer Männerkader. Das bedeutete für das junge Duo eine grosse Umstellung. Und trug vielleicht gar nicht die Früchte, die man sich von diesem Schritt erhofft hatte. Stalder sagt: «Hinterher weiss man es immer besser.» 

Für den 22-Jährigen bedeutete der Schritt in den kompetitiven IBU-Cup zudem, dass er umdenken musste. Hatte er sich im Nachwuchs über die Ergebnisse definiert, musste er sich nach resultatmässig enttäuschenden Rennen auf zweithöchster Stufe mit jungen Biathleten vergleichen, die er seit Langem kennt.

Etwa den Deutschen Danilo Riethmueller. In acht IBU-Cup-Rennen war der Oberländer viermal besser klassiert. Dieser Vergleich half ihm, seine Leistung besser einschätzen zu können. «Man muss realistisch sein. Im IBU-Cup laufen sehr viele starke Athleten», weiss Stalder zwar. Er gibt aber auch zu: Es ist ihm nicht immer gleich gut gelungen, mit Rängen in der zweiten Ranglistenhälfte umzugehen.

Dreimal klassierte er sich auf zweithöchster Stufe in den Top 30 – mit dem 14. Platz im Supersprint von Martell (ITA) als Höhepunkt. 

Derzeit nützt Stalder die guten Schneeverhältnisse in Lantsch/Lenz, «um noch so viel zu trainieren, wie möglich ist.» Längst denkt er an den nächsten Winter. Noch seriöser vorbereiten will er sich auf diesen, wie er sagt, «mich ganz allgemein weiterentwickeln».

Gelingt ihm dies, ist der junge Oberländer sicher: «Dann sollte ein weiterer, guter Schritt möglich sein.»

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