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Der kurze Weg von den Glücksgefühlen zur Sinnfrage

Im neuen Team fühlt sich Konny Looser wohl – jetzt aber hängt er im luftleeren Raum.

Zu Saisonbeginn war Konny Looser ausschliesslich in Spanien im Einsatz.

Foto: canofotosports

Der kurze Weg von den Glücksgefühlen zur Sinnfrage

Konny Looser hat es besser als viele andere Schweizer Profisportler. Der Hinwiler Marathonbiker kann immerhin weitertrainieren. Im eigenen Kraftraum. Und auch vor der Haustüre.

Selbstverständlich ist letzteres nicht. Unlängst weilte der 31-Jährige noch an der Südwestküste von Südafrika. In der Hoffnung auf eine weitere Chance, das Mehretappen-Rennen Cape Epic nach zahlreichen Enttäuschungen endlich mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen beenden zu können.

Doch soweit kam es nicht. Die gerne als Tour de France des Bikesports bezeichnete Veranstaltung, die vom 15. bis am 22. März gedauert hätte, wurde aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgesagt. 

«Jetzt stehen wichtigere Dinge im Vordergrund.»

Konny Looser

Looser ist froh, nicht im Ausland fest zu sitzen . Er ist seit vorletztem Sonntag wieder daheim. Die von den Veranstaltern des Cape Epic lange hinausgezögerte Absage sah er kommen. Das dämpfte die Enttäuschung, sich vergebens lange darauf vorbereitet zu haben. Er hatte sich sowieso überlegt: «Will ich überhaupt fahren und dieses Risiko eingehen?»

Letztlich hat man ihm die Entscheidung abgenommen. Klar ist Looser enttäuscht, dass ihm das Cape Epic einmal mehr kein Glück gebracht hat. Alles andere wäre eigenartig. Der Berufssportler sieht die Relationen aber klar. Es wäre nur ein Bikerennen gewesen, sagt er. «Jetzt stehen wichtigere Dinge im Vordergrund.»

Vorerst fehlen die Ziele

Und so spulte der Marathonspezialist letzte Woche halt zuhause seine Trainingskilometer ab, anstatt in Südafrika um Sekunden und Positionen zu kämpfen. Nun legt er eine kurze Pause ein – wie er sie geplant hatte, bevor das Coronavirus alles veränderte.

Er stellt sich zugleich die Sinnfrage. «Auf welchem Niveau soll ich versuchen, die Form zu halten? Wie soll ich weiterplanen?» 

Die Saison ist lang, noch ist nichts verloren, weiss Looser.  Er rechnet nicht damit, vor dem Sommer wieder Rennen bestreiten zu können. Das drückt auf die Motivation, sich täglich zu    schinden. «Man muss auch ein Ziel haben für sein Training.» 

Auf der Agenda zuoberst

So wie es den Winter durch beispielsweise das Cape Epic war. Dass er überhaupt nochmals da eingeschrieben war, mag nach seinen sieben mehrheitlich missglückten Teilnahmen überraschen. Die Begründung dafür ist simpel. Auf der Agenda seines neuen Arbeitgebers Scott Buff stand das Cape Epic zuoberst.

Sieben Jahre lang war Looser zuvor für das Rennteam eines Schweizer Veloherstellers gefahren. Zuletzt aber hatten ihm die Bedingungen in der bis auf ein Fahrerduo zusammengeschrumpften Equipe nicht mehr zugesagt. Zu viele Aufgaben ausserhalb seiner Kernkompetenz blieben an Looser hängen.

Davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Der Oberländer schwärmt vom guten Teamspirit und dem professionellen Umfeld in der spanischen Mannschaft, die neben ihm fünf einheimische Fahrer unter Vertrag hat. Er fühlt sich in der neuen Umgebung wohl – trotz Barrieren.

Nicht alle Teammitglieder sprechen gleich gut Englisch, Loosers Spanischkenntnisse sind derweil ausbaufähig. Das führt dazu, dass der Hinwiler seine Änderungswünsche am Velo dem Mechaniker mithilfe eines Übersetzungsprogramms mitteilt. 

Plötzlich chancenlos 

Looser hat anstrengende Wochen hinter sich. Nicht nur aus sportlichen Gründen, wo inklusive Velomarke, Sattel und Schuhe, vieles neu für ihn war. Im Februar heiratete er seine langjährige Freundin Vera Adrian – inklusive Hochzeitsfest in Namibia.

Zuvor feierte Looser seine Rennpremiere bei Buff Scott. Das aus vier Teilstrecken bestehende Costa Blanca Bike Race in Spanien beendete er nach einem heftigen Sturz auf der letzten Etappe zusammen mit Enrique Morcillo an 7. Stelle. Der 30-jährige Spanier – er wurde 2019 am Cape Epic Sechster – wäre heuer sein Partner in Südafrika gewesen. «Das hätte sicher funktioniert», ist Looser überzeugt. «Wir ergänzen uns gut.»

Knapp zwei Wochen nach dem Saisoneinstieg bestritt Looser als Einzelfahrer ein weiteres Vorbereitungsrennen fürs Cape Epic. Und musste eine komplett neue Situation erleben. Der routinierte Bikeprofi war beim viertägigen Mediterranean Epic zwischen Valencia und Barcelona im Kampf um eine gute Platzierung chancenlos. Er wurde lediglich 32.

Zu lang und doch zu kurz

Einerseits machten ihm die Folgen seines Sturzes zu schaffen. Andererseits war das für Spanien typische Rennen nicht auf Loosers Stärken zugeschnitten. 
Rund 80 Prozent seiner Wettkämpfe in den vergangenen Jahren dauerten mehr als drei Stunden. Sie wiesen lange, gleichmässige Steigungen auf. Nun aber war er auf Strecken unterwegs, die kürzer und unrhythmischer waren.

«Zu lang für Cross-Country, zu kurz für Marathon. Aber das Niveau war extrem hoch», sagt er. Gut für ihn: Diese Art von Rennen bleibt die Ausnahme. Looser wird auch für sein neues Team Scott Buff grossmehrheitlich auf Terrain unterwegs sein können, das auf ihn zugeschnitten ist. Die grosse Frage ist momentan: Ab wann wieder?

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