Bei Fabienne Schlumpf ist der Spass zurück
Es ist eine kleine Zahlenspielerei, mehr nicht. Und ohnehin Zufall. Am 23. Februar ist es auf den Tag genau elf Monate her, seit Fabienne Schlumpf ihren letzten Wettkampf bestritten hat.
«Krass, nicht wahr?», entfährt es der Wetzikerin. Elf Monate, das ist eine grausam lange Zeit für eine Leistungssportlerin. Verständlich also, freut sich die Vize-Europameisterin im Steeple von 2018 nach der langen Verletzungspause aufs Comeback.
«Ich weiss gar nicht mehr, wie ein Wettkampf funktioniert.»
Fabienne Schlumpf
Die Worte sprudeln nur so heraus, als sie über ihren geplanten Einsatz am 23. Februar in Payerne spricht. Es ist ein kleiner Hinweis darauf, wie sehr sie die Rennen vermisst hat. «Ich weiss gar nicht mehr, wie ein Wettkampf funktioniert», flachst Schlumpf. Und sie macht klar, dass sie die 10 km ganz ohne Erwartungen anpacken wird.
Zeit und Resultat sind nebensächlich, im Vordergrund steht der Spass. Letzterer ist erst seit rund drei Wochen zurück – seit sie wieder schmerzfreie Lauftrainings absolvieren kann. Schlumpf sagt: «Ich geniesse es extrem.»
Es lohnt sich nicht zu planen
Die 29-jährige Läuferin ist froh darüber, die schwierigste Phase ihrer Karriere hinter sich gelassen zu haben. 2019 war zum Vergessen. Nur drei Strassenrennen konnte sie in der Frühphase der Saison bestreiten, in ihrer Spezialdisziplin über 3000 m Steeple trat sie gar nie an. Stattdessen schlug sich die Olympiateilnehmerin von 2016 mit einer Verletzung nach der anderen herum.
«Ich habe gefühlte 137 Laufversuche hinter mir.»
Fabienne Schlumpf
Angefangen bei der entzündeten Blase am Fuss, die ihr Marathon-Debüt verunmöglichte, bis hin zur Entzündung des Hüftbeugers, unter der sie zuletzt litt. Jedem Hoffnungsschimmer folgte der nächste Tiefschlag, der jeweils sämtliche Überlegungen wertlos machte, sodass Schlumpf und ihr Freund und Trainer Michael Rüegg schliesslich darauf verzichteten, Pläne zu erstellen.
«Ich habe gefühlte 137 Laufversuche hinter mir», sagt Schlumpf und drückt damit aus, wie häufig sie mit einer Enttäuschung klarkommen musste. Auch im Trainingslager in Portugal, in das sie nach Weihnachten reiste, blieb Schlumpf nicht frei von Rückschlägen. Einige gute Lauftrainings gelangen ihr, daneben aber musste sie erneut viele Einheiten im Kraftraum, auf dem Velo und im Schwimmbad absolvieren.
Die Lockerheit ist zurück
Seit der Rückkehr aus dem Süden aber ging es stetig bergauf. Mittlerweile hat Schlumpf, die im Sommer ihre zweite Olympiateilnahme anstrebt, ihr Pensum auf rund 100 km pro Woche hochschrauben können. Bisweilen sind gar zwei Lauftrainings pro Tag möglich.
«Cool» findet die Wetzikerin das und ist zugleich erstaunt, wie gut sie schon wieder in Form ist. «Das Alternativtraining hat also doch etwas gebracht», sagt sie und lacht vergnügt.
Der anfänglichen Angst vor dem nächsten Tiefschlag ist Schlumpf in den letzten Tagen davongelaufen. Zurück sind dafür das Vertrauen in ihren Körper und die Lockerheit, die die Läuferin so lange vermisst hat. Jetzt kann Schlumpf wieder tun, was sie glücklich macht: «Losrennen und geniessen.»
