Jetzt hat Konny Looser, was er schon lange wollte
Perfekt. Es ist das einzige Wort, das zu diesem Ende passt. Einem doppelten Ende für Konny Looser. Denn der fünfte Sieg in Serie beim über 373 km führenden Desert Dash in Namibia markierte nicht nur den Schlusspunkt seiner Saison. Er war zugleich die Abschiedsvorstellung des Hinwiler Marathonspezialisten.
Sieben Jahre lang fuhr Looser für das Rennteam des Schweizer Veloherstellers BiXS. Es lag ihm gar ein Angebot für ein achtes vor. Looser aber hat sich für einen Schnitt entschieden. Er bricht zu neuen Ufern auf – um den dringend benötigten Motivationsschub zu erhalten.
Zukünftig fährt der Oberländer für das etablierte spanische Team Buff Scott, das in der Szene einen guten Ruf geniesst. «Es war mir wichtig, dass sie vertrauenswürdig sind», sagt Looser. Er ist keiner, der seine Unterschrift unter jedes Vertragsangebot setzt, um einfach um jeden Preis irgendwo unterzukommen. Looser ist überzeugt, Buff Scott hätte einen Fahrer gefunden, der für weniger gekommen wäre. Doch die Spanier bemühten sich sehr um den 30-jährigen Oberländer, das vermittelt ihm ein gutes Gefühl. «Sie wollten mich unbedingt. Das macht mich happy.»
«Da musste ich mir sagen: Das mache ich nicht mehr mit.»
Klar ist: Ohne diesen Wechsel hätte Looser seine Karriere beendet. Zu viele Dinge haben sich in der jüngeren Vergangenheit nicht nach dem Gusto des routinierten Allrounders entwickelt. «Da musste ich mir sagen: Das mache ich nicht mehr mit.» Aus nur noch zwei Fahrern – ihm und Oliver Zurbrügg – bestand sein langjähriges Team zuletzt. Die Resultate spielten je länger je mehr eine untergeordnete Rolle. Looser wurde als Sportler, der sich selber über seine Leistung definiert, zum reinen Markenbotschafter.
Der «Joggel» putzt das Velo
Und er verkam zu einer One-Man-Show. Ob im Materialbereich, bei der Organisation von Rennbetreuern oder bei der Medienarbeit – mehr oder weniger alles blieb an ihm hängen. «Beim Brasil Ride war ich der einzige Joggel, der nach dem Rennen noch sein Velo putzen musste», gibt er ein Beispiel. Die vielen Nebenschauplätze zehrten an seinen Kräften. Gegenüber anderen Fahrern, die professionellere Strukturen genossen, sah er sich zusehends im Nachteil.
«Ich habe genug von Schweizer Rennen, die ich schon zehnmal gefahren bin. Man packt diese doch nicht mehr gleich an wie beim ersten Mal.»
Ein weiterer Punkt: Loosers Rennprogramm wies über die Jahre viele Parallelen auf, obwohl er beträchtliche Freiheiten bei der Planung genoss. Gewisse Rennen waren selbstverständlich Pflichttermine – etwa jene der Schweizer Marathonbike-Serie – weil sie für seinen Arbeitgeber eine wichtige Rolle spielten. Das ist Teil des Geschäfts, Looser gibt trotzdem offen zu: «Ich habe genug von Schweizer Rennen, die ich schon zehnmal gefahren bin. Man packt diese doch nicht mehr gleich an wie beim ersten Mal.»
Für Looser ist der Wechsel ein Glücksfall, denn vieles, woran er sich störte, wird sich ändern. «Jetzt habe ich das, was ich schon lange wollte.» Er wird zahlreiche Rennpremieren erleben, allein schon zum Saisonauftakt im Januar, bei dem zwei Einsätze in Spanien auf ihn warten. Und es ist davon auszugehen, dass er ausschliesslich Wettkämpfe bestreitet in Gelände, das ihm wirklich zusagt.
Einfach nur noch fahren
An erster Stelle der Verbesserungen aber steht, dass er nun einem Rennteam mit professionellen Strukturen angehört. Sechs Fahrer sind bei Buff Scott unter Vertrag – darunter die zwei Spanier Enrique Morcillo Vergara und Francesc Guerra Carretero, die heuer beim bekannten Mehretappenrennen Cape Epic in Südafrika Sechste wurden. Ein Teammanager, ein Physiotherapeut, ein Mechaniker und zwei Medienprofis sind ebenfalls an Bord. «Ich muss einfach nur noch Velo fahren», freut sich Looser.
Die ersten Wochen des nächsten Jahres dürften in jedem Fall spannend werden. Nur schon, weil er sich auf eine neue Velomarke und nach fast 20 Jahren an ein anderes Schuhmodell gewöhnen muss.
Im Februar kehrt der Hinwiler dann nach Namibia zurück. Aus privaten Gründen. Looser heiratet dort seine langjährige Freundin Vera Adrian. Die Deutschnamibierin ist mit dem Velo ebenfalls flott unterwegs. Das Olympiaticket für Tokio 2020 hat sie bereits im Sack – auf der Strasse. Ihre Qualitäten mit dem Bike bewies sie jüngst aber ebenfalls einmal mehr. Sie gewann die Frauenkategorie am Desert Dash.
