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Von Missverständnissen und Glücksfällen

Mit Hanna Strömberg spielt seit dem Aufstieg in die NLA bereits die dritte Skandinavierin für den UHC Laupen. Eine Schlüsselrolle hat sie – genauso wie ihre beiden Vorgängerinnen – (noch) nicht inne.

Nicht die erhoffte Skorerin: Frida Svensson verliess den UHC Laupen nach nur wenigen Monaten.

Archivfoto: Christian Merz

Von Missverständnissen und Glücksfällen

Laupens Trainer Yves Kempf gerät regelrecht ins Schwärmen. «Sie ist ein Supertyp.»

Gemeint ist Hanna Strömberg. Die neue Angreiferin spielte zuletzt für das aus der höchsten schwedischen Liga abgestiegene Ornskoldsvik IBK. Seit Mitte Oktober ist sie nun bei den Oberländerinnen. Doch Skorerpunkte sammelte die Neo-Laupnerin bisher erst fürs U21-Team. 

«Hanna ist frei von Starallüren.»
Laupen-Trainer Yves Kempf

Weshalb also das Lob, obwohl sie noch gar keine grossen Stricke zerriss? «Hanna ist frei von Starallüren, es stimmt einfach vom Charakter her», sagt Kempf. Die Einsätze im Nachwuchsteam stehen für ihn stellvertretend. 

In diese Bild passt auch, dass die in Thalwil als Au-pair lebende 19-Jährige eigentlich gar nicht mit der Absicht in die Schweiz gereist war, Unihockey zu spielen.

Über eine Bekannte aus dem Klubumfeld fand sie den Weg in die Walder Elba-Halle und liess sich deshalb die Utensilien aus Schweden nachschicken.

Der ärgerliche Abgang

Strömberg ist nach Frida Svensson und Kia Lehmusvuori der dritte nordländische Import, der seit dem Aufstieg in die NLA vor einem Jahr das Trikot der Laupnerinnen trägt.

Nur: Die ­bereits aus privaten Gründen in der Schweiz weilende Stürmerin Svensson (sie spielte in der NLB) war schnell wieder weg. Nach einem weiteren kurzen Abstecher zu Red Lions Frauenfeld ist die Schwedin auch längst zurück in ihrer Heimat.

Die direkt aus Finnland importierte Verteidigerin Lehmusvuori hingegen zog diesen September nach etwas mehr als einer Saison beim UHC Laupen zum Ligakonkurrenten Red Ants Winterthur weiter. Sportlich hat die Finnin ebenso nicht die ganz grosse Lücke hinterlassen.

Dennoch ärgert man sich in den Reihen von Laupen über den Abgang, weil Lehmusvuori auch eine Arbeitsstelle besorgt worden war, die sie noch immer ­innehat. 

Genug von «Katzen im Sack»

«Wir müssen etwas probieren. Auch als Zeichen an die Konkurrenz», rechtfertigte Kempf die Verpflichtungen von Svensson und Lehmusvuori vor einem Jahr.

Heute sagt er: «Ich habe lieber eine Spielerin wie Hanna. Und sie kostet uns ja nichts.» 

Die Lehren daraus? Bei einem Transfer ähnlicher Art würde im Vertrag festgehalten, dass mit dem Abgang auch das Job-Verhältnis neben dem Unihockey-Feld sofort beendet wäre. Und vor allem: Kempf will keine «Katze im Sack» aus reinen Empfehlungen, sondern mögliche neue ausländische Spielerinnen zuerst bei sich im Probetraining sehen.

Tatsächlich spielten im Sommer eine Finnin und eine Estin beim UHC Laupen vor, die Kempf auch überzeugt hatten. Am Ende unterzeichneten beide aber einen Vertrag in Finnland. 

Keine falschen Hoffnungen

Doch auch ohne eigentliche ausländische Verstärkung sind die Oberländerinnen als Tabellensechste bei Meisterschaftshalbzeit auf klarem Playoff-Kurs. Dazu steht Laupen erstmals in der Klubgeschichte im Halbfinal des Schweizer Cups. 
 

Einen nicht unwesentlichen Anteil an der Entwicklung haben auch zwei Neue in der Offensive ohne einen skandinavischen ­Namen, der womöglich falsche Hoffnungen erweckt.

Vanessa Kapp (sie kam vom B-Ligisten Rümlang-Regensdorf) zählt mit je sieben Toren und Assists bereits zu den besten Punktesammlerinnen der Liga. Und die aus dem eigenen U21-Team nachgezogene Gentiana Behluli scheint ein echtes Versprechen für die Zukunft.

Und dennoch: Ein neuerlicher Auslandtransfer schliesst Kempf mit Blick auf die beiden vielversprechenden Testspielerinnen vom Sommer nicht aus. «Vielleicht wird eine für die nächste Saison wieder zum Thema», vermerkt der Trainer vielsagend.

«Bei den Frauen muss es menschlich passen.»

Stefan Jakob, Sie sind aktuell Trainer bei den Kloten-Dietlikon Jets, zuvor waren Sie bis 2015 für die Floorball Riders tätig. Das Oberländer Team setzt schon fast traditionell auf ausländische Verstärkungsspielerinnen setzen. Wie werden diese ­rekrutiert?
Stefan Jakob: Bei uns damals durch die Kontakte des Sportchefs. Diese wiederum entstanden irgendwo an einem Unihockey-Anlass – im Trainingslager, bei einem Turnier oder an einer WM. Der zweite Faktor ist der Trainer, der von einer früheren Station jemanden kennt und diese Spielerin gerne wieder hätte.

Das klingt nicht unbedingt nach gezieltem Scouting.
Es gibt eben keine Tools, die dir vermitteln – das ist eine Rechtsauslegerin in diesem Alter, die so viele Punkte macht. Man kann nur die aktuellen Daten anschauen. Es geht also zumeist um persönliche Beziehungen. Oder es passiert umgekehrt: Jemand aus dem Ausland fragt an, ob es einen freien Platz gibt. Dann beginnt man Erkundigungen einzuholen.

Worauf gilt es zu achten?
Das hängt von den Ansprüchen des Klubs ab. Bei den Frauen muss es zunächst menschlich passen, ansonsten gibt es schnell Probleme. Und die Spielerin muss sich bewusst sein, dass sie in der Schweiz nicht zu 100 Prozent ein Profileben führen kann. Sie muss also zum Arbeiten bereit sein. Und sollte die Zeit auch nutzen, um soziale Kontakte ausserhalb des Unihockeys aufzubauen, weil der Sport nur ein kleiner Bestandteil während des Aufenthalts einnimmt. Bei den Kloten-Dietlikon Jets haben natürlich die Skills einen grösseren Einfluss, um zu sehen, ob die Spielerin die nötige Qualität hat, ein sehr gutes Team noch besser zu machen.

Wie steht es um die Betreuung?
Die kann intensiv sein. Wenn jemand beispielsweise nur seine Landessprache spricht, wird es schwierig. Dann kommt der ganze administrative Aufwand mit Aufenthaltsbewilligung, Krankenkasse usw. dazu. Das kann sehr aufwendig sein, weil die Systeme in den Ländern unterschiedlich funktionieren.

Und trotzdem hat jedes NLA-Team ausländische Spielerinnen. Sind aber wirklich auch alles Verstärkungen?
Es gibt schon Unterschiede. Eine Australierin, die für Frauenfeld spielt, ist sicher nicht repräsentativ. Und: In gewissen Klubs wird bestimmt mittlerweile auch die Frage gestellt – weshalb soll ich eine Ausländerin nehmen, wenn sie nicht besser als eine Schweizerin ist?

Wie verhält sich der Verband in dieser Thematik?
Er hat im Vorfeld der Saison ­erstmals ein «Gentlemen Agreement» aufgesetzt, sodass pro Klub maximal vier ausländische Spielerinnen unter Vertrag sein sollen. Dieses ist allerdings vom Arbeitsgesetz her nicht rechtens und es haben auch nicht alle Teams unterschrieben. Diese Vereinbarung soll weitergeführt und allenfalls auch angepasst werden.

Macht sie denn wirklich auch Sinn?
Das «Gentlemen Agreement» ist wegen den Schweizerinnen sicher verständlich. Allerdings ist der Markt sowieso schon sehr klein. Und dann stellt sich die Frage: Soll ich das Kader mit weiteren Spielerinnen aus der 1. Liga und der U21 aufstocken? Oder doch eher mit einer Ausländerin aus der zweiten Garde, die glücklich ist, etwas Neues zu erleben? 

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