Im Idealfall wird er zum Pendler
Ein erster Aufstieg ist Sebastian Stalder schon vor Monaten gelungen. Anfang April wurde der junge Walder von Swiss-Ski ins B-Kader befördert.
Die Auswirkungen davon? «Ein Paar Schuhe und einige Kleidungsstücke mehr als vorher», sagt der 21-Jährige und lacht.
Dabei ist die Aufstufung auch der Lohn für Stalders positive Entwicklung. In der höchsten Juniorenserie wurde er letzte Saison Zweiter in der Gesamtwertung, die Disziplinenwertung im Einzel gewann er.
Die nächste Erfolgsmeldung folgte im September. Der Oberländer und Nico Salutt, beide eigentlich noch Junioren, trainieren ab diesem Moment mit dem Schweizer Männer-Kader.
«Vorher waren wir die Ältesten und mussten Teamleader sein», sagt Stalder. «Jetzt müssen wir uns wieder hinten einordnen.»
«Es wird schwierig, gute Resultate zu erzielen.»
Sebastian Stalder
Die neue Rolle gefällt ihm. Und der Athlet des SC am Bachtel dürfte nach seinem erfolgreichen zweiten Juniorenjahr bereits den nächsten Aufstieg geschafft haben.
Vorgesehen ist, dass er diesen Winter die erste Saisonhälfte in der zweithöchsten Wettkampfserie der Internationalen Biathlon-Union (IBU) bestreitet. Stalder und Salutt sollen am Anschluss im Elite-Bereich arbeiten.
Der Blickwinkel ändert sich
Der Walder freut sich auf die Herausforderung in der kompetitiven Rennserie, in der vergangenen Winter über 170 Athleten punkteten. Er ist sich bewusst, dass neue Zeiten anbrechen.
«Es wird schwierig, gute Resultate zu erzielen.» Das heisst für Stalder, dass er den Fokus neu justieren muss. Nicht die Ergebnisse stehen im Vordergrund, sondern wie viel er vom Potenzial abrufen kann.
Sein Ansatz: «Das perfekte Rennen muss mein Ziel sein.»
Was ihn im Elite-Bereich erwartet, weiss er. 2018 feierte Stalder in Norwegen seine Weltcup-Premiere, im Jahr darauf durfte er zum Abschluss des Winters erstmals im IBU-Cup ran.
Seine Auftritte lassen sich sehen. Im 15 km Massenstart wurde er Achter, den 10 km Sprint beendete er als 13. – beide Male war der gelernte Zimmermann bester Schweizer.
«Ich bin schneller und sicherer geworden.»
Sebastian Stalder
In der Loipe sieht Stalder im Vergleich zu den Elite-Athleten den grössten Unterschied. «Die paar Sekunden, die ich pro Runde auf der Strecke verliere, machen es letztlich aus.»
Stalder wähnt sich auf den Langlaufski aber auf gutem Weg. Auch beim Schiessen hat er weitere Fortschritte erzielt. Das mit seinem Vater gebaute Gewehr hat sich bewährt. «Ich bin schneller und sicherer geworden.»
Stalder peilt eine weitere Verbesserung der Trefferquote (82 Prozent) an. Eine Motivationsspritze war der internationale Schiesstest im Sommer. Stalder erzielte einen persönlichen Rekord und sagt erfreut: «Ich war nahe am Maximum.»
Es ist nicht der einzige Aufsteller. Die Sommervorbereitung verlief perfekt. Stalder hat an Muskelmasse zugelegt, «um in den Flächen mehr Schub zu haben».
Mit dem Abschneiden an den deutschen Meisterschaften im September ist er zufrieden, über das interne Wettkampfwochenende im Oktober sagt er: «Da zog ich ein paar gute Tage ein.»
Das spürten auch seine Teamkollegen – Stalder liess in der Gesamtwertung alle arrivierten Schweizer Biathleten inklusive Benjamin Weger hinter sich.
Höhepunkt vor der Haustüre
Die Ernstkämpfe also können kommen, wobei die Saison für Stalder einen interessanten Mix bereithalten könnte. Im Idealfall wird er gar zum Pendler zwischen den Welten. Denn Stalder sagt: «Mein Ziel ist, diesen Winter auch einmal im Weltcup starten zu können.»
Klar ist: Der in Lenzerheide wohnende Oberländer wird im Januar 2020 in jedem Fall kurzzeitig auf die Juniorenstufe zurückkehren. Für den Saisonhöhepunkt vor der Haustüre – die Junioren-WM. Stalder gehört da zu den erfahrensten Athleten.
«Ein gewisser Druck ist da», gibt er zu. Auch darum, weil die Medaillenträume an der Junioren-WM 2019 platzten und die Titelkämpfe in der Schweiz seine letzte Chance auf dieser Stufe ist.
«Vielleicht ist es aber sowieso besser, im IBU-Cup anzufangen.»
Sebastian Stalder
Stalder versucht, die Gedanken daran auszublenden und sich nur auf die nächsten Aufgaben zu konzentrieren. In zwei Wochen fliegt er mit dem Team ins Trainingslager nach Schweden. Dabei stehen auch Testwettkämpfe an.
Nach diesen teilen die Trainer die Athleten für den Saisonauftakt Ende November in die zwei Serien ein. Wie stehen seine Aussichten, allenfalls direkt im Weltcup zu beginnen?
«Das wird schwierig. Vielleicht ist es aber sowieso besser, im IBU-Cup anzufangen.»
Stalders Gelassenheit ist verständlich. Sollte es mit dem Weltcup jetzt nicht klappen – er dürfte im Verlauf des Winters weitere Aufstiegschancen erhalten.
