So will Dominik Peter den nächsten Schritt schaffen
Der Winter ist weit weg. Und doch: Dominik Peter bereitet sich mit den Schweizer Skispringern bei Sonnenschein und fast 20 Grad im polnischen Zakopane auf die in rund einem Monat beginnende Saison vor. Eine Eisspur hat es dank einer künstlichen Kühlung trotzdem auf der Schanze.
«Ich bin sehr zufrieden», sagt der Fischenthaler zum Verlauf der letzten Wochen. Jüngst holte er sich im Rahmen des Sommer-Grand-Prix von Klingenthal (GER) erstmals überhaupt Weltcup-Punkte – dass ihm hernach an der Schweizer Meisterschaften keine gute Sprünge gelingen, nimmt er unaufgeregt hin.
«Ich habe kein Gefühl für die Schanze gefunden. Doch das ist nicht weiter schlimm.»
«Die Trainings sind mir gelungen und die Anpassungen beim Material greifen bereits gut ineinander.»
Dominik Peter
Mehr Konstanz in seine Sprünge will er bringen. Dafür feilt Peter in den Trainings von Zakopane an der Absprungtechnik und im Materialbereich. «Die Trainings sind mir gelungen und die Anpassungen beim Material greifen bereits gut ineinander», zieht er eine Zwischenbilanz.
Der 18-Jährige ist in den letzten Monaten nochmals ein paar wenige Zentimeter gewachsen. Seine körperliche Entwicklung hat Einfluss auf den ganzen Sprungablauf.
«Es verändert sich dadurch der Schwerpunkt», sagt sein Trainer Martin Künzle.
Die Warnung des Trainers
Er hält grosse Stücke auf Peter, warnt aber auch vor zu hohen Erwartungen. Gerade aufgrund der positiven Entwicklung im Verlauf der letzten Winters, mit ersten Weltcup-Starts und einem elften Platz an der Junioren-WM.
Zum Ende liess er auf der Flugschanze von Planica sogar mit einem Satz von 211 Metern aufhorchen. «Man darf nicht vergessen, wie jung Dominik noch ist», merkt Künzle an.
Im letzten Jahr verdiente sich Peter mit guten Leistungen auf der tieferen Alpen- und Contintentalcup-Stufe seine Weltcuppremiere von Predazzo (ITA) im Januar. Nun hofft er, schon Ende November beim Auftakt in Wisla (POL) mit dabei zu sein.
Entscheiden werden da die Trainingseindrücke in den nächsten Wochen. Und Peters Chancen sind durchaus intakt, hinter den Nationalmannschaft-Athleten Simon Ammann und Killian Peier berücksichtigt zu werden. «Unser Ziel ist es schon mit vier Athleten nach Polen zu reisen, um auch im Team-Wettbewerb zu starten», sagt Künzle.
Das Kriterium für Peters Berücksichtigung? Er muss realistische Chancen haben, die Qualifikation zu überstehen und damit unter die besten 50 Springer zu kommen.
Dass der Athlet des Skiclubs am Bachtel den Anspruch hat, diese Hürde künftig regelmässig zu überwinden, ist klar. Selbstbewusst äussert er sich nämlich schon in einem Videoportrait des Verbands vor fast zwei Jahren, als er den obersten Podestplatz an den Olympischen Spielen als sein Fernziel bezeichnete.
Ein neues Ass im Ärmel
Wie das geht, weiss Teamkollege Simon Ammann, der vierfache Olympiasieger von 2002 und 2010. Der Toggenburger, doppelt so alt wie B-Kader-Athlet Peter, erlebte in seiner langen Karriere aber auch sportliche Durststrecken.
So beispielsweise an den Olympischen Spielen 2014, wo er seine selbst entwickelten Karbonschuhe trotz nur weniger Erfahrungswerte trug – und prompt enttäuschte. Mittlerweile wurde diese von Ammann aber erfolgreich weiterentwickelt.
Überzeugt davon ist auch Dominik Peter. Er hat sich Ammanns Modell in der Produktionsfabrik genau angeschaut und will künftig mit den handgefertigten Karbonschuhen springen.
Peter hat deshalb, um ihn zu finanzieren, auf der Crowdfunding-Plattform «I believe in you» eine Geldsammelaktion am Laufen.
«Um einen weiteren Schritt Richtung Weltspitze zu machen, brauche ich diese Schuhe.»
Dominik Peter
Noch 20 Tage Zeit bleiben, um die erhofften 15 000 Franken für die Herstellung der zwei Paare zusammenzukriegen. Rund drei Viertel des Betrags hat er dank den Unterstützern schon auf sicher.
«Um einen weiteren Schritt Richtung Weltspitze zu machen, brauche ich diese Schuhe», sagt Peter. «Damit hätte ich einen Vorsprung auf die Konkurrenz. Schliesslich ist jede Nation am ausprobieren. Und bis dieser Schuh nachgebaut ist, würde es dauern.»
Überraschung im Hinterkopf
Wesentlich teurer, dafür langlebiger als ein herkömmlicher Schuh ist er. «Mit ihm hat man mehr Stabilität – er sitzt wie angegossen und hat auf Sprungtechnik, Körper und Fussgelenk einen Einfluss», nennt der Oberländer die Vorzüge.
Klar ist: Die Investition in die massgeschneiderten Karbonschuhe ist mittelfristig angedacht. Und dennoch ist es möglich, dass er sie nach der Produktion bereits im Januar im Training ein erstes Mal austestet. Peter schliesst es deshalb auch nicht aus, die neuen Sprungschuhe bei einem Wettkampf noch auszuprobieren – und die Gegner zu überraschen.