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Die Premiere minimiert den Stress

Beim Saisonstart Ende November hat Natalie Maag einen direkten Weltcup-Startplatz auf sicher. Es ist für sie das erste Mal.

Natalie Maag möchte an die Erfolge des vergangenen Winters anknüpfen.

Archivfoto: Christian Merz

Die Premiere minimiert den Stress

Die Bob- und Rodelbahn schafft es als Nummer 8 sogar in die Top Ten. Wobei man sich fragen darf, wie sehr sich ein Besuch in Lille­hammer lohnt, wenn auf dem weltweit grössten Touristikportal gleich vier von zehn Sehenswürdigkeiten der norwegischen Kleinstadt aus dem Sportbereich sind.

Offensichtlich ist, weshalb die etwas ausserhalb der Ortschaft gelegene Bob- und Rodelbahn beliebt ist. In den Sommermonaten können Adrenalinsüchtige in einem Bob auf Rädern die Bahn hinuntersausen.

Damit ist mittlerweile Schluss. Die Anlage ist wieder im Winterkleid. Im Eiskanal sind nur noch Profis unterwegs wie Natalie Maag.

Am Dienstag vor zwei ­Wochen steuerte die junge Wernetshauser Rodlerin erstmals seit sieben Monaten wieder einen Schlitten durch eine Bahn. Um ihre Gefühle dabei zu beschreiben, braucht die 21-Jährige lediglich ein Wort: «Cool.»

«Wir gehen sicher mehr ans Limit.»
Natalie Maag

Maags Reaktion ist verständlich. Der Sommer war lang, «am Schluss hängte das Athletik-Training an». Doch jetzt findet der Teil der Arbeit statt, der ihr besonders gefällt. Maag absolviert sechs Trainingswochen auf verschiedenen Bahnen – es sind so viele wie noch nie.

Rund 100 Fahrten dürfte die im deutschen A-Kader und auf dem Stützpunkt in Oberhof integrierte Athletin bis zum Saisonstart in Innsbruck im November absolvieren.

Das Risiko wird grösser

Maag spricht von einem Findungsprozess, der in dieser Phase stattfindet. Im Materialbereich hat sie schon vor Wochen vorgespurt. Ihr deutscher Mechaniker hat ein zweites Paar Kufen parat gemacht, nachdem sie letzte Saison immer dasselbe benutzte. ­

Alles war darauf ausgerichtet, möglichst stabil fahren zu können. Jetzt erhöht Maag im Materialbereich das Risiko. «Wir gehen sicher mehr ans Limit.» 

Erstmals seit die Alleinunterhalterin im Schweizer Rodelsport dem deutschen Team angegliedert ist, reiste sie in der Vorbereitung jeden Monat für jeweils drei Tage an ihren Stützpunkt in Oberhof. «Das hat sich aus­bezahlt», ist Maag überzeugt.

Wo genau stehe ich?»
Natalie Maag

Besonders viel Zeit widmete sie in den kurzen Blöcken in Thüringen ihrer «Baustelle», dem Start. Da hat sie gegenüber den Bes-ten weiterhin einiges an Aufholbedarf – trotz sichtbaren Fortschritten gegen Ende letzter Saison.

Beim Finale in Sotschi und dem Weltcup in Oberhof kratzte sie mit ihren Startzeiten erstmals an den Top Ten, nachdem sie zu Saisonbeginn in Innsbruck auf den ersten Metern noch ausserhalb der Top 20 gelandet war. 

Die Investitionen in den vergangenen Monaten haben sich ausbezahlt. Alle Werte im Zusammenhang mit dem Start haben sich gegenüber dem Vorjahr verbessert. Das und auch der Umstand, dass Maag ihre im Frühling auftretenden Rückenprobleme in den Griff bekommen hat, lassen sie zuversichtlich nach vorne blicken. 

Vor dem ersten Ernstkampf unbeantwortet bleibt aus ihrer Sicht trotzdem die wichtige Frage: «Wo genau stehe ich?»

«Es ist sicher entspannter, den Nationencup nicht fahren zu müssen.» 
Natalie Maag

Zentral aber ist auch: Wo will sie nach dem erfolgreichsten Winter ihrer Karriere hin, in dem sie sich für jedes Weltcup-Rennen qualifizierte, zweimal in die Top Ten fuhr und im Gesamtweltcup auf Platz 17 vorstiess?

Vergangenheit als Mahnung

Maag gibt sich zurückhaltend. Sie will sich keinen Druck machen. «Damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht.»

Die Wernetshauserin denkt an die Saison 2017/2018 zurück. Damals jagte sie dem Olympia-Traum so verbissen nach, dass sie den Spass am Rodeln verlor und sich die Sinnfrage stellte.

Maag hat daraus gelernt. Weiterhin regelmässig im Weltcup starten, nennt sie als Ziel. «Und es wäre toll, ein- oder zweimal in der Gesetzten-Gruppe dabei zu sein.»

Das spart ihr den Gang in die stressige und kräftezehrende Qualifikation. «Es ist sicher entspannter, den Nationencup nicht fahren zu müssen.» 

Der Rutsch nach oben

Maag war schon zu Beginn des Eistrainings Anfang Oktober kurz davor, zum Saisonauftakt erstmals einen der zwölf direkten Startplätze zu erhalten, die jeweils aufgrund der Ergebnisse der drei vorangegangen Weltcup-Rennen vergeben werden.

In der entsprechenden Wertung ist sie an 15. Stelle. Die vor ihr liegenden Deutschen Tatjana Hüfner (Rücktritt) und Dajana Eitberger (Baby­pause) fallen sowieso raus. Weil am ­Montag Gesamtweltcup-Siegerin Natalie Geisenberger eine Babypause verkündete, ist Maags erste Direktqualifikation für ein Weltcup-Rennen perfekt – was die Athletin selbstredend «super» findet.

An ihrer Vorbereitung ändert sich dadurch allerdings nichts. «Fahren, fahren, fahren», steht für sie an, um ­bereit für den nächsten Schritt zu sein. Sowohl den ersten als auch den finalen Schliff verpasst sie sich auf derselben Bahn – im November kehrt Maag nochmals nach Lillehammer zurück, ehe es für sie ernst gilt. 

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