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Die Suche nach dem Gleichgewicht

Konny Looser hat diese Saison einige wertvolle Siege gefeiert. Dennoch stand er kurz davor, zurückzutreten.

Muskuläre Probleme haben dafür gesorgt, dass Konny Loosers Saison einer Achterbahnfahrt gleicht.

Foto: Christian Merz

Die Suche nach dem Gleichgewicht

Es ist ein besonderes Zückerchen zum Abschluss der Saison. «Brasil Ride» heisst das Mehretappen-Rennen Ende Oktober. Wie der Name schon sagt, findet es im flächenmässig fünftgrössten Land der Welt statt.

Für Konny Looser ist die Teilnahme eine Premiere. Europa, Afrika, Australien – der Hinwiler ist in seiner langen Profikarriere schon auf vielen Kontinenten Rennen gefahren. Bald kann der 30-Jährige also auch Südamerika zur Sammlung hinzufügen. 

«Es war ein Auf und Ab.»
Konny Looser

Bevor Looser die Reise antritt, stehen drei weitere Rennen in der Schweiz auf dem Programm, darunter die SM. Der Marathon-Spezialist fühlt sich noch immer frisch genug und hofft auf einen letzten Formschub. 15 Wettkämpfe hat er seit Mitte März bestritten, ein Drittel davon waren Mehretappen-Rennen. 

Die Zwischenbilanz fällt durchzogen aus. Der Oberländer feierte wie in den Vorjahren einige wertvolle Siege. Er gewann beispielsweise das Roc d’Ar­denne im belgischen Houffalize. Und zum dritten Mal hintereinander das grösste Bike-Marathon-Rennen Österreichs, die Salzkammergut Trophy.

Der Langstreckenspezialist besass aber auch ein Abonnement auf 7. Plätze (fünfmal) – es ist aus seiner Sicht das Niemandsland der Rang­liste. «Ob ich 7., 8. oder 9. werde, interessiert doch niemanden.»  

Ruppige Achterbahnfahrt

«Es war ein Auf und Ab», sagt Looser zur Saison. Wobei er nicht ausschliesslich die Platzierungen anspricht. Der zweifache U23-Europameister hat eine körperlich und mental ruppige Achterbahnfahrt hinter sich.

«Eine neue Gegend, ein neues Rennen, das motiviert mich extrem.»
Konny Looser

Der Auslöser dafür: Ab Mai plagten ihn muskuläre Probleme im rechten Bein, die ihn daran hinderten, das volle Leistungspotenzial abrufen zu können. Es war ein unschönes Déjà-vu für Looser, der 2016 wegen eines Arterienverschlusses am rechten Bein operiert worden war, aber auch danach bei Extrembelastungen bisweilen unter starken Schmerzen litt. 

Looser unternahm einmal mehr einiges, um das Problem in den Griff zu bekommen. Er ­machte Durchblutungschecks, war beim Verbandsarzt von Swiss Olympic, beim Chiropraktiker und zigfach beim Physiotherapeuten. Niemand aber fand das perfekte Rezept. 

Es braucht neue Reize

«Der Körper ist nie ins Gleichgewicht gekommen», sagt Looser dazu und erklärt, bei seiner hinteren Beinmuskulatur sei zwischen links und rechts eine Dysbalance vorhanden. Immer wieder änderte er die Sitzposition, immer wieder sah er einen Hoffnungsschimmer – ehe der nächste Rückschlag folgte.

Looser verpackt die schwierige Zeit nicht in schöne Worte. Er sagt frei heraus: «Es war extrem mühsam und raubte mir viel Energie.»

«Viele beneiden mich um meinen Alltag.»
Konny Looser

Die schwierige Situation schlug dem für das Rennteam des Schweizer Veloherstellers BixS fahrenden Hinwiler arg aufs Gemüt. Sie nahm ihm die Motivation und führte dazu, dass er sich intensiv Gedanken über die Zukunft machte.

Auch darum, weil er an einem Punkt der Karriere ist, an dem er neue Reize braucht. Und gewisse Entwicklungen in der Bike-Marathonszene sowieso kritisch sieht. Dass er immer mehr zum reinen Markenbotschafter wird und die Ergebnisse eine untergeordnete Rolle spielen, gefällt ihm nicht.  

Irgendwann im Sommer führte der Cocktail von Gründen und Emotionen dazu, dass der 30-Jährige einen Schlussstrich unter die Zeit als Profi ziehen wollte. Er verfasste den Text zum Rücktritt, druckte ihn aus – verzichtete dann aber, ihn zu publizieren. 

Dessertbuffet in Brasilien

Looser fand – auch mithilfe eines Sportpsychologen – zahlreiche Gründe, die Karriere fortzusetzen. Ist er beschwerdefrei, hat er noch immer viel Spass am intensiven Training und den Rennen. Und der Oberländer hat realisiert: «Viele beneiden mich um meinen Alltag.»

Mit gutem Grund. Looser geniesst viele Freiheiten. Zudem hat ihm der Sportpsycho­loge aufzeigen können: Was er erlebt, ist kein Einzelschicksal. Der überwiegende Teil der Berufssportler ist ständig mit einem Auf und Ab von Erfreulichem und Enttäuschungen konfrontiert.

Es ist schlicht ihr Alltag. Nur Seriensieger stehen vorwiegend auf der Sonnenseite. 

Looser hat die schwierige Phase hinter sich gelassen. Zuletzt blieb er am fünftägigen Swiss Epic beschwerdefrei, mit gezieltem Krafttraining will er die muskulären Probleme zukünftig im Griff haben.

Die Zuversicht ist zurück. Der Hinwiler  hat sich entschieden, weiterzufahren. Für welches Team er 2020 antritt, ist noch offen. Er könnte beim aktuellen bleiben, hat aber andere Optionen. 

Unabhängig von seiner Entscheidung will Looser in den nächsten Wochen hierzulande nochmals zeigen, was in ihm steckt, ehe er nach Brasilien fliegt. Das letzte Rennen der Saison ist für ihn wie der Gang ans Dessertbuffet.

Er sagt: «Eine neue Gegend, ein neues Rennen, das motiviert mich extrem.» Und er weiss zugleich: Es gibt noch viele weitere «coole Rennen», die es zu entdecken gibt. 

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