Jud mit ganz viel Dynamit in den Beinen
Vier Jahre dauert die Beziehung zwischen Tim Jud und der HSG Konstanz schon – mit zwei Aufstiegen und einem Abstieg.
Der Ustermer Handballer fühlt sich sichtlich wohl. Stadt und Team sind ihm ans Herz gewachsen. Wer seinen Interviews zuhört, könnte ihn aufgrund des angelernten Dialekts sogar als Einheimischer verwechseln.
Er schätzt aber auch die Nähe zur Schweiz und zur Familie – zur Arbeit pendelt er dreimal in der Woche ins nur 30 Minuten entfernte Winterthur.
Am Samstag startet Jud mit seinem Verein in ein neues Abenteuer in der 2. Bundesliga. Sie wird gerne als «stärkste zweite Liga der Welt» bezeichnet.
Erst Mitte Juni war den Badenern die sofortige Rückkehr gelungen – mit Jud in einer Hauptrolle, als Spielmacher und Captain. «Es war emotional das Krasseste, was ich im Handball bisher erlebt habe», blickt der 24-Jährige auf die erfolgreichen Relegationspartien gegen Rostock zurück.
Neben dem Feld in der Pflicht
Juds Weg und Stellenwert im Team ist beachtlich und dennoch nicht verwunderlich. «Ich war als kleiner Schweizer ins grosse Handball-Deutschland gekommen und musste mich beweisen», sagt er.
Und Jud vermochte Trainer Daniel Eblen schnell überzeugen. Bereits vor zwei Jahren wurde er in den Mannschaftsrat befördert. «Tim ist meine rechte Hand auf dem Feld», sagte der Coach schon damals.
Mit der Wahl zum Captain steht Jud noch mehr in der Verantwortung. Er teilt sich die Aufgabe mit seinem Rückraum-Kollegen Tom Wolf. «Tim muss jetzt auch bei Konflikten abseits des Spiels hinstehen», betont Eblen, der das Team seit 2004 betreut.
Wenig Kredit im Vorfeld
Konflikte könnten in der höheren Liga verstärkt auftreten – nicht zuletzt bei möglichen sportlichen Durststrecken. Denn die HSG Konstanz geht als Aussenseiter und Abstiegskandidat in die Saison. «Aufstiegseuphorie und Heimstärke sollen für die nötigen Punkte sorgen. Dennoch wird es wohl nicht zum Ligaerhalt reichen», schreibt eine Regionalzeitung in ihrer Meisterschaftsprognose.
Tatsächlich warten einige dicke Brocken. Da ist allen voran der erstmals überhaupt in der Geschichte aus der 1. Bundesliga abgestiegene VfL Gummersbach – ein mit einem imposantem Palmàres ausgestatter Traditionsklub. «Wir werden in einigen schönen Hallen mit frenetischem Publikum antreten», freut sich Jud.
Sowieso blickt er trotz des geringen Kredits positiv nach vorne. «Die Erfahrungen aus der letzten Saison in der 2. Bundesliga werden uns helfen. Viele sind noch immer im Team. Zudem ist unser Kader breiter aufgestellt», sagt der Ustermer.
«Tims Sprungwurf hat sich extrem verbessert.»
Daniel Eblen, Trainer HSG Konstanz
Weitere Zuversicht geben ihm auch die stetig verbesserten Strukturen im Verein, seit seiner Ankunft im Jahr 2015. So wird mittlerweile nicht nur mehr trainiert, sondern hat sich auch in der Zusammensetzung des Staffs – gerade im Athletik-Bereich – einiges getan.
Und erste Ergebnisse sind bei ihm bereits sichtbar. «Tims Sprungwurf hat sich extrem verbessert. Er hat mehr Dynamit in den Beinen», sagt Trainer Eblen.
