Der Neuling setzt auf ein einfaches Motto
2016 sitzt Nicola Funk am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Estavayer mit Kollegen auf der Tribüne. Er geniesst das «Riesenspektakel» in vollen Zügen. Und nimmt sich vor: In drei Jahren will ich auch in Zug dabei sein – aber nicht als Zuschauer, sondern als Schwinger.
«Was er aus sich herausholt, ist wahnsinnig.»
Präsident Daniel Spörri über Nicola Funk
Dazu muss man wissen: Funk ist diesen Januar erst 20 geworden. Und er hat nicht die Gardemasse eines Schwingers. Technik, Athletik und Kondition zeichnen ihn aus. Und vor allem sein ausgeprägter Wille.
Diesen findet Daniel Spörri beeindruckend. Der Präsident des Schwingklubs Zürcher Oberland sagt: «Was er aus sich herausholt, ist wahnsinnig.»
Funks Beharrlichkeit hat sich ausbezahlt. Im letzten Jahr sicherte er sich am Zürcher Kantonalen erstmals einen Kranz, heuer legte er zwei weitere nach.
Neben Fabian Kindlimann und Roman Schnurrenberger ist er einer der drei Oberländer, die am Wochenende in Zug im Sägemehl stehen. Für Schnurrenberger ist es das zweite «Eidgenössische» – der Sternenberger weiss, was ihn erwartet.
Kindlimann ist sowieso ein alter Hase. Zum fünften Mal ist der Fischenthaler am grössten Sportanlass der Schweiz dabei. Bei seiner Premiere 2007 war er erst 16 – vier Jahre jünger als Funk.
Am Freitag ist die Ruhe weg
Der Hinwiler freut sich auf seine Premiere. Die Gedanken daran schiebt er vorerst trotzdem von sich weg. Bis am Donnerstagabend arbeitet der gelernte Zimmermann, der jetzt als Lastwagenchauffeur angestellt ist, ganz normal weiter.
«Dann hat man den Kopf an einem anderen Ort und keine Zeit, sich mit Schwingen zu beschäftigen.» Auch an der unmittelbaren Vorbereitung, seinen Ritualen wie etwa dem Gang zum Brunnen, wird er nichts ändern. Warum sollte er?
Noch ist Funk nicht nervös, wie er sagt. «Das kommt dann aber schon noch.»
Spätestens am Freitag dürfte die Ruhe weg sein. Dann reist er mit seinen Teamkollegen nach Zug, bezieht die Unterkunft und schreitet vielleicht ein erstes Mal durch die gewaltige Arena mit ihren fast 60 000 Plätzen und den sieben Sägemehlringen.
«Irgendwann kommt Druck auf, wenn man vor so vielen Leuten schwingt.»
Präsident Daniel Spörri
Auf kecke Sprüche, um die er sonst nie verlegen ist, verzichtet er für einmal. Konkrete Ziele hat er nicht. «Dabei sein, Erfahrungen sammeln», lautet sein simples Motto.
Funk ist sich bewusst: Sein vorläufiger Karrierehöhepunkt dürfte nicht ohne schwierige Momente über die Bühne gehen.
«Irgendwann kommt Druck auf, wenn man vor so vielen Leuten schwingt», sagt Spörri dazu. «Vielleicht auch die Angst, nur Niederlagen zu kassieren. Für ihn wird es sicher zäh.»
Die Chance dürfte eher klein sein, dass der «Grünschnabel» über die ersten vier Gänge hinauskommt und am Sonntag nochmals eingreifen kann.
Auf Funks Strategie hat dies keinen Einfluss. Der 20-Jährige ist alles andere als ein Taktierer. Spörri sagt: «Er will auf Biegen und Brechen gewinnen.»
Die Stütze will den Kranz
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Fabian Kindlimann. Vor allem im 1. Gang riskiert der 28-Jährige selten etwas, um nicht Gefahr zu laufen, mit einem Negativerlebnis in den Tag starten zu müssen.
Der kräftige Routinier ist als zäher Defensivkünstler mit rauem Stil bekannt. Er ist in der Lage, praktisch jedem Gegner ein Remis abzuknöpfen.
Der 42-fache Kranzgewinner mag bei den Gegnern vielleicht nicht allzu beliebt sein. Für den Nordostschweizer Teilverband mit seinen zwei Königsanwärtern Armon Orlik und Samuel Giger ist der Oberländer aber eine wertvolle Stütze.
Kindlimann ist topmotiviert. Einmal mehr stand seine Karriere vor der Saison wegen gesundheitlichen Problemen auf der Kippe. Doch einmal mehr kämpfte sich der Fischenthaler zurück.
Er zeigte überzeugende Leistungen und hat sich seinen zweiten Eidgenössischen Kranz nach 2013 zum Ziel gesetzt. «Das traue ich ihm zu», sagt Spörri.
Der Präsident glaubt, dass es auch der Sternenberger Roman Schnurrenberger in den 2. Ausstich schaffen kann – wie 2016 in Estavayer. «Aber den Kranz zu gewinnen dürfte sehr hart für ihn werden.»
Nock wie einst Funk?
Der als letzter der fünf Ersatzschwinger nominierte Benjamin Nock wird derweil kaum zum Einsatz kommen. Der 18-jährige Turbenthaler ist aber in all die Abläufe integriert, schläft in der Schwingerunterkunft und ist am Samstag auch beim traditionellen Einzug in die Arena dabei.
Und er hat ein Sitzplatzticket erhalten. Auf der Tribüne dürfte sich Nock dann wie Funk vor drei Jahren vornehmen: Beim nächsten Mal bin ich auch da unten dabei.
