Ein weiteres Müsterchen seiner Klasse
Sein Erfolgsprinzip ist simpel. Jens-Michael Gossauer trainiert zwar intensiv, aber nicht nach detaillierten Plänen, sondern nach Lust und Laune.
Mit diesem Ansatz hat es der Greifenseer weit gebracht. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahr ist aus dem früheren Läufer, dessen Portfolio Distanzen bis zum Halbmarathon umfasste, ein erfolgreicher Duathlet geworden. Bereits seine erste Langdistanz-WM 2018 beendete er als bester Schweizer auf dem 8. Platz. Das muss ihm erst einmal jemand nachmachen.
Aufs Rennvelo musste das Mitglied des Duathlon-Nationalkaders am Mittwoch zwar verzichten. Er lieferte dennoch ein weiteres Müsterchen seiner Klasse ab. Am 5-Tage-Berglauf-Cup setzte er sich in der 5,1 km langen «Königsetappe» von Steg aufs Hörnli souverän durch.
«Ich habe mich super gefühlt.»
Sieger Jens-Michael Gossauer
Gossauer doppelte damit nach dem Erfolg vom Dienstagabend nach. Zugleich übernahm er die Führung in der Gesamtwertung vom Mittwoch pausierenden Noor Alizada, der auf Rang 3 abrutschte. Gossauer plant, die restlichen Teilstücke ebenfalls zu absolvieren. Das wiederum heisst: Der Weg zum Sieg in der Gesamtwertung führt definitiv über ihn.
Frei lässt keine Spannung zu
Zu Beginn der dritten Etappe setzte aber ein anderer Läufer ein Ausrufezeichen. Der schliesslich drittklassierte Rubén Oliver attackierte sofort. Gossauer liess sich davon allerdings nicht beeindrucken und blieb an ihm dran.
Als Oliver nach rund einem Kilometer seinem horrenden Anfangstempo etwas Tribut zollen musste, zog der spätere Sieger seinen Rhythmus durch und lief danach ein einsames Rennen an der Spitze.
«Ich habe mich super gefühlt», freute sich Gossauer im Ziel. «Je länger das Rennen dauerte, desto besser lief es mir.» Um 39 Sekunden distanzierte er den ersten Verfolger Leon Carl. Der Hinwiler lief zum dritten Mal hintereinander aufs Podest und stiess in der Gesamtwertung auf den 2. Rang vor.
Keine Spannung kam bei den Frauen auf. Die Dübendorferin Melina Frei siegte mit über einer Minute Vorsprung auf Michela Segalada aus Winterthur, die drittklassierte Bernerin Nadja Kehrle verlor bereits über zweieinhalb Minuten auf die überlegene Gewinnerin.
«Mittlerweile bin ich in einem richtigen Trott.»
Etappendritte Nadja Kehrle
Die 28-jährige Langstreckenspezialistin Frei fällt für den Gesamtsieg weg, da sie nicht auf die nötigen vier Läufe kommt. Segalada liegt im Cup zwar an der Spitze. Sie dürfte aber keine weiteren Etappen mehr bestreiten und deshalb aus der Wertung fallen.
So ist Nadja Kehrle zur Favoritin auf den Gesamtsieg aufgerückt. Die Frage ist nur: Hat die Läuferin aus Mattstetten ausreichend Kraftreserven?
Im Trott und ein Jubiläum
Kehrles jüngstes Laufpensum ist eindrücklich. Sie verbrachte zuletzt nicht nur vierzehn Tage im Trainingslager im Engadin, sondern bestritt danach auch den «Bärner Bärgloufcup» – das Pendant zum 5-Tage-Berglauf-Cup im Zürcher Oberland.
«Mittlerweile bin ich in einem richtigen Trott», sagte sie auf dem Hörnli und sprach davon, schwere Beine zu haben. Da sie diese Woche jeweils in Zürich übernachtet, hält sich zumindest ihr Anfahrtsweg in Grenzen.
Jener von Pius Renggli ist derweil noch kürzer. Er wohnt in Bauma. Renggli feierte am Mittwoch ein bemerkenswertes Jubiläum. Der «Dauerläufer» bestritt seine bereits 150. Etappe am 5-Tage-Berglauf-Cup. Mehr weist keiner auf.
5-Tage-Berglauf-Cup
3. Etappe: Steg–Hörnli. (Länge: 5,1 km/Höhendifferenz: 430 m): 1. Jens-Michael Gossauer (Greifensee) 22:16 Minuten. 2. Leon Carl (Hinwil) 0:39 zurück. 3. Rubén Oliver (Bubikon) 0:44. 4. David Knobel (Ernetschwil) 1:10. 5. Yves Lüthi Jona (1:12). 6. Pascal Schmid (Amden) 1:18. 7. Ramon Schweizer (Winterthur) 1:25. 8. Martin Rosser (Dürnten) 1:28. 9. Christoph Menzi (Esslingen) 1:40. 10. Andreas Messer (Flims) 2:26.
Gesamtwertung (mit einem Streichresultat): 1. Jens-Michael Gossauer 4000 Punkte.2. Leon Carl 3933. 3. Noor Alizada 3925.
Frauen: 1. Melina Frei (Dübendorf) 26:00. 2. Michela Segalada (Winterthur) 1:04. 3. Nadja Kehrle (Mattstetten) 2:33. 4. Andrea Widler (Zürich) 3:10. 5. Marion Bützberger-Grimm (Meilen) 3:35. 6. Salome Wildermuth (Wald) 3:39. 7. Siana Senn (Stäfa) 4:06. 8. Anja Hanimann (Pfäffikon) 4:49. 9. Monica Hug (Hombrechtikon) 5:30. 10. Katja Minder (Bubikon) 6:00.
Gesamtwertung: 1. Michela Segalada 3347. Nadja Kehrle 3190. 3. Rahel Schnetzler 3127.