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Die EM als Zwischenhalt

Linus Copes gibt im jungen Schweizer Doppelvierer als Schlagmann den Rhythmus vor. Die EM in Luzern ist für das Boot nur ein Zwischenschritt.

Der Gutenswiler Linus Copes (vorne) strebt mit dem Doppelvierer an der U23-WM Ende Juli eine Medaille an.

Foto: Detlev Seyb/swissrowing

Die EM als Zwischenhalt

Linus Copes hat intensive Wochen vor sich. Für den am Sonntag 20 Jahre alt werdenden Gutenswiler stehen Lehrabschlussprüfungen an. Läuft alles glatt, schliesst er in Kürze seine Ausbildung zum Konstrukteur EFZ erfolgreich ab.

Zugleich kommt Copes bald in den Genuss, an der  Heim-EM in Luzern (31. Mai bis 2. Juni) dabei zu sein. Speziell ist: Der Schlagmann des Doppelvierers kann seinen ersten grossen Elite-Wettkampf gleich vor Heimpublikum bestreiten.

«Wir geben unser Bestes, um nicht unterzugehen.»
Linus Copes

Copes muss lachen, als er das sagt. «An Ruderrennen hat es jeweils ja nicht wirklich viele Zuschauer.» Seiner Freude tut das keinen Abbruch.

Elf Boote schickt der Schweizer Verband auf dem Rotsee in die Rennen. Das er auch den mit lauter jungen Ruderern besetzten Doppelvierer selektionierte, hat Copes überrascht. «Aber es ist cool.»

Seine Teamkollegen Pascal Ryser (22) und Scott Bärlocher (21) gehören wie er dem U-23-Kader an. Kai Schätzle (18) ist noch im U-19-Kader. Was in Luzern auf höchster Stufe gegen deutlich stärkere Konkurrenz als im Nachwuchs möglich ist, kann Copes nur schwer abschätzen.

«Ich bin gespannt, wie es wird», sagt er, um dann mit einem Anflug von Galgenhumor anzufügen: «Wir geben unser Bestes, um nicht unterzugehen.»

Rhythmus statt reine Kraft

Soweit dürfte es nicht kommen. Die Ruderer sind zwar jung, beileibe aber keine Nobodys. Copes holte 2017 mit dem Junioren-Doppelvierer den WM- und EM-Titel. Der jetzt im Bug für Kompaktheit sorgende Pascal Ryser wurde im selben Jahr mit dem leichten Doppelvierer U-23-Weltmeister.

Die aufstrebenden Ruderer betreiben einen enormen Aufwand. Copes beispielsweise trainiert täglich bis zu dreimal. Von Mittwoch bis Sonntag ist er Teil der von Pamela Weisshaupt betreuten Fördergruppe am nationalen Leistungszentrum in Sarnen.

Die Elite-Ruderer haben den Talenten aber schon noch einiges voraus. Allein was die Kraft betrifft. Es heisst, im Doppelvierer müsse ein Athlet eigentlich über 1,90 m gross und 90 kg schwer sein. Nur einer aus dem Schweizer Quartett erreicht diese Grösse. 

Copes misst 1,86 m. Er bringt 86 kg auf die Waage – momentan. Drei bis vier Krafteinheiten pro Woche absolviert der Gutenswiler, um an Muskeln zuzulegen. «Aber es geht natürlich nicht so schnell», sagt er und lacht.

Im Vergleich zur Elite-Konkurrenz verfügen die Schweizer also über weniger PS. Dafür beherrschen sie etwas, das laut Copes die wenigsten ihrer Gegner können: Sie bewegen ihr Boot rhythmisch. 

Um Welten schneller

Dem Mitglied des RC Thalwil fällt als Schlagmann die Aufgabe zu, den Rhythmus vorzugeben. Seit drei Jahren hat Copes diese Rolle inne.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Vor jeder Saison ermittelt der Verband die Zusammensetzung der Boote neu. An den Trials im April bewarben sich sieben Athleten für einen der Plätze im Doppelvierer. Für einmal war sich Copes nicht im Klaren, ob er den Cut schafft.

«Das war eine ungewohnte Situation für mich. Ich war unter Druck.»
Linus Copes

Nach einem bei einem Velounfall erlittenen Schlüsselbeinbruch fiel er im Herbst 2018 länger aus. Er konnte darum weniger Leistungstests als üblich absolvieren und wusste im Frühling nicht genau, wo er stand. 

«Das war eine ungewohnte Situation für mich. Ich war unter Druck.» Der Befreiungsschlag erfolgte beim Ergometertest. «Ich unterbot meinen Bestwert um Welten», erzählt Copes.

In Zahlen ausgedrückt heisst das: Er war knapp acht Sekunden schneller als jemals zuvor.

Unterordnen und optimieren

Copes, Ryser, Schätzle und Bärlocher stehen allesamt an anderen Punkten ihrer Karriere, harmonieren aber gut. Es ist ein entscheidender Punkt, um voranzukommen. Copes zählt noch weitere auf.

«Alle haben Erfahrung im Verband. Jedem ist bewusst, dass er sich unterordnen muss und der Sport an erster Stelle steht.» 
 

Die unmittelbare Zukunft des Gutenswilers ist jedenfalls voll aufs Rudern ausgerichtet. Er strebt Optimierungen an. Der aktuell in Zürich lebende Athlet hat vor, die Berufsmatur in Sarnen zu machen.

«Man muss von Anfang aggressiv sein.»
Linus Copes

Anfang Juni zieht er nach Kriens, um die Wege zu verkürzen. 2020 möchte er die Spitzensport-RS absolvieren. «Mittelfristig will ich den Sprung ins Elite-Kader schaffen.»

An der Regatta in Duisburg haben die vier Nachwuchsruderer einen ersten interessanten internationalen Vergleich mit Elite-Booten erhalten. Copes hat einige Rückschlüsse aus den Rennen gezogen, die die Schweizer auf den Plätzen 2 und 4 beendeten.

«Man muss von Anfang aggressiv sein.» Er sagt, in U-23-Rennen werde zwischendurch etwas Energie gespart für den Schlussteil. «Bei der Elite wird voll durchgezogen.»

WM-Medaille im Visier

Für den Doppelvierer geht es an der EM in Luzern wie schon Anfang Mai in Deutschland letztlich primär darum, Erfahrungen zu sammeln. Sie sollen helfen, beim Saisonhöhepunkt Ende Juli an der U-23-WM in Sarasota (USA) möglichst gut abzuschneiden.

Copes hat sich persönlich ein hohes Ziel gesetzt. «Ich möchte eine Medaille.» Entsprechend hart dürften die entscheidenden Wochen vor der WM sein.

Der Gutenswiler ist sich bewusst: Auch nach bestandener Lehrabschlussprüfung werden seine Tage sehr ausgefüllt sein. 

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