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Den Aufschwung im Blickfeld

Nach zwei mageren Jahren wollen die Oberländer Schwinger wieder vermehrt für positive Resultate sorgen. Bei zwei von drei Zugpferden aber gibt es Fragezeichen.

Roman Schnurrenberger (rechts) hat seine Planung aufs «Eidgenössische» ausgerichtet.

Archivfoto: Robert Pfiffner

Den Aufschwung im Blickfeld

Genau 15 Wochen liegen die zwei Termine auseinander, die die Saison der Oberländer Schwinger definieren. Der erste Höhepunkt steht unmittelbar bevor. Am 12. Mai steht in Fehraltorf das Zürcher Kantonalschwingfest an.

Die Mitglieder des Schwingklubs Zürcher Oberland (SKZO) haben sich für den Auftritt vor der eigenen Haustüre einiges vorgenommen. Ende August lockt dann das «Eidgenössische» in Zug mit der 56 500 Zuschauer fassenden Arena. Wohl alle Schwinger träumen davon, einmal Teil eines solchen Spektakels zu sein.

«Die Leistungen waren nicht so gut wie erhofft, dazu hatten wir sehr viele Verletzungen.»
Präsident Daniel Spörri

Der Weg ans nur alle drei Jahre stattfindende Fest ist steinig. Wer sich einen der Startplätze sichern will, steht vor wegweisenden Wochen. Der Nordostschweizerische Schwingerverband zieht bei der Selektion auch die Re­sultate von 2018 mit ein.

Nur ein SKZO-Mitglied konnte letzte Saison allerdings vorlegen: Roman Schnurrenberger. Der Sternenberger gewann drei Kränze, daneben holte einzig Nicola Funk (20) einen.

Das logische Auf und Ab

Es war die schwächste Oberländer Ausbeute in den letzten fünf Jahren, wobei 2017 schon nur befriedigend gelaufen war. Die Saison 2018 bezeichnet Daniel Spörri gar als enttäuschend.

«Die Leistungen waren nicht so gut wie erhofft, dazu hatten wir sehr viele Verletzungen», sagt der SKZO-Präsident. Schlotternde Knie verursachen ihm die magereren zwei letzten Jahre keine.

Die jungen Schwinger im Klub zwischen 15 und 18 liefern gute Resultate. Und Wellenbewegungen gibt es auch in anderen Vereinen, Kantonal- und Teilverbänden.
 

Gemeinsam mit dem technischen Leiter Matthias Stahel ist Spörri zur Überzeugung gelangt, im Trainingsbereich gebe es keine grundsätzlichen Versäumnisse. Der Präsident hofft auf einen Aufschwung. Und er glaubt, dass sich wie 2016 ein Oberländer Quartett das Ticket fürs «Eidgenössische» sichern kann.

Auf Besuch bei den Ringern

Aussichtsreicher Kandidat ist Roman Schnurrenberger. Vor drei Jahren in Estavayer qualifizierte er sich für den zweiten Ausstich und war letztlich bestklassierter Oberländer (20.). Der Teamleader hat seine Lehren aus dem Vorjahr gezogen.

«Nun muss er das Gelernte aber wirklich auf dem Platz umsetzen.»
Präsident Daniel Spörri über Roman Schnurrenberger

Er legte damals nach einer gezielt harten Vorbereitung einen starken Start hin, brach später aber ein. Nun hat der 23-Jährige seine Planung geändert. Sie ist darauf ausgelegt, im August in Bestform zu sein.

Schnurrenberger schraubte die Trainingsintensität im Winter zurück. Dafür arbeitete er an den Standschwüngen. Zudem verfeinerte der 12-fache Kranzgewinner seine Bodenarbeit. Trainings bei den Ringern halfen ihm dabei.

Schnurrenberger bringt in technischer, mentaler und körperlicher Hinsicht erfolgversprechende Grundlagen mit. Er dürfte einen Zacken vielseitiger und so unberechenbarer geworden sein.

«Nun muss er das Gelernte aber wirklich auf dem Platz umsetzen», gibt Spörri zu bedenken.
 

Auf Schnurrenbergers breiten Schultern liegt ein Grossteil der Oberländer Hoffnungen. Unter Druck lässt er sich davon nicht setzen. «Dafür ist er nicht der Typ», sagt Spörri. «Er konzen­triert sich auf sich.»

Eine fragile «Wundertüte» 

Für die Oberländer Mannschaft wäre es gleichwohl wichtig, hätte der trotz seiner erst 23 Jahre bereits routinierte Schwinger ­etwas mehr Unterstützung an seiner Seite. Remo Ackermann wäre einer, der sie leisten könnte.

Doch der von Spörri als «Wundertüte» bezeichnete Steger ist verletzungsanfällig. Die vergangene Saison unterbrach der Teilnehmer des letzten «Eidgenössischen» unfreiwillig dreimal. Zuletzt musste sich der kräftige, aber auch deutlich über 100 kg schwere 25-Jährige einer Ell­bogenoperation unterziehen.

Er trainierte zwar schmerzfrei. Am Sonntag gab Ackermann am Eschenberg-Schwinget aber nach vier Gängen auf.

«Läuft alles normal, ist Christoph Odermatt in Zug dabei.»
Daniel Spörri

Positiv ist hingegen, dass der grossgewachsene Baumer Christoph Odermatt (1,95 m) nach einem Sommer auf der Alp wieder im Sägemehlring zurück ist. Das macht das Team breiter.

«Läuft alles normal, ist er in Zug dabei», sagt Spörri. Ein Frage­zeichen umgibt derweil Fabian Kindlimann. Der routinierteste und erfolgreichste aktive Oberländer Schwinger kämpft nach dem dritten Bandscheibenvorfall weiter um die Fortsetzung 
der Karriere.

Am Eschenberg-Schwinget feierte der 38-fache  Kranzgewinner ein starkes Comeback. Kindlimann blieb unbezwungen. Ein erster, kleiner Schritt ist gemacht. Ob er am Zürcher Kantonalen teilnimmt, bleibt aber offen. 

«Fürs Team wäre seine definitive Rückkehr in jedem Fall sehr positiv», sagt Spörri. 

Die junge Garde

Der Präsident denkt bei diesem Satz vor allem an die nachrückenden Jungen. Neben dem letztjährigen Neukranzer Nicola Funk zählen für Spörri die zwei gleichaltrigen Tobias Schmidlin und Benjamin Nock (Jahrgang 2001) zu dieser Garde. Beiden traut er zu, heuer das erste Eichenlaub zu holen.

Der Turbenthaler Nock zeichnet sich durch grossen Willen und eine aussergewöhnliche Fitness aus. «Er ist ein Trainingsweltmeister», lobt Spörri. «Es wäre wichtig, würde er eine Bestätigung für den grossen Aufwand erhalten.» 

Nocks Manko ist, dass er kleiner als 1,85 m ist und somit keine Gardemasse aufweist. Schmidlin hat da Vorteile. Der Zimmermannslehrling aus Hinwil ist gross und kräftig. Dafür fehlt es ihm noch an Erfahrung.

Solche dürfte er in den nächsten Monaten reichlich sammeln. Auch in Fehraltorf, wo er zum 17-köpfigen Oberländer Aufgebot für das Kantonalschwingfest gehört.

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