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«Ich werde lernen müssen, mit dem unternehmerischen Druck umzugehen»

Die Ustermerin Jeannine Gmelin ist diese Saison nicht nur Sportlerin, sondern auch Unternehmerin. Das bringt neue Herausforderungen mit sich.

Jeannine Gmelin setzt diese Saison auf ein Privatteam.

Archivfoto: Christian Merz

«Ich werde lernen müssen, mit dem unternehmerischen Druck umzugehen»

Zwischen Jeannine Gmelin und dem Standort des Schweizerischen Ruderverbands (SRV) liegen in diesem Moment nur 500 m. Dennoch zeigt schon der Ort der Medienkonferenz am Donnerstag in Sarnen, dass die zwei Parteien jetzt auf unterschiedlichen Pfaden unterwegs sind.

Im Gebäude ihres Hauptsponsors wirft die Ustermer Skifferin einen Blick auf die Saison voraus, die in knapp einem Monat beginnt und deren Höhepunkt die WM in Ottensheim (AUT) im August ist.

Vor allem spricht die 28-Jährige aber über ihre turbulenten letzten Monate, in denen sie die eine oder andere schlaflose Nacht verbrachte. Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen: Das eigentlich aus der Not heraus entstandene Privatteam (siehe Box). 

Vom Ausbruch des Konflikts bis zur Lösung

Ende Januar bricht ein schon länger schwelender Konflikt zwischen dem Schweizer Ruderverband (SRV) und seiner Vorzeigeathletin Jeannine Gmelin offen aus. Es geht dabei hauptsächlich um die Ausrichtung der Trainingspläne.

Durch die Entlassung von Robin Dowell fühlt sich die Skifferin, die 2017 erste Schweizer Weltmeisterin in einer olympischen Bootsklasse wurde und ein Jahr darauf Weltcup-Siegerin, Europameisterin und Vizeweltmeisterin war, endgültig vor den Kopf gestossen. «Es veränderte die gesamte Ausgangslage», sagt Gmelin. Der britische Trainer war für die Ustermerin die wichtigste sportliche Vertrauensperson und Baumeister ihres WM-Titels. Da Gmelin ihr grosses Ziel in Gefahr sieht, an Olympia 2020 um Gold rudern zu können, wendet sie sich an die Medien. 

Rund einen Monat nach dem Eklat einigen sich der SRV und die 28-Jährige darauf, dass Gmelin die Saison 2019 ausserhalb der Verbandsstrukturen in einem Privatteam absolviert. Als Trainer engagierte die Ustermerin Robin Dowell. Für die Rennen wird sich die Skifferin jeweils wieder dem Schweizer Nationalteam anschliessen. (zo)

Aus einer Sportlerin, die sich ausschliesslich auf die Leistungsoptimierung konzentrieren konnte, ist dadurch auch eine Unternehmerin geworden. Mit Hilfe ihres Managements muss Gmelin ein knapp über 100’000 Franken liegendes Budget decken.

Eine happige Aufgabe in einer Randsportart. Die Profiruderin hat viel Zuspruch erhalten für die Konsequenz, mit der sie ihre sportlichen Ziele verfolgt.

«Ich werde lernen müssen, mit dem unternehmerischen Druck umzugehen.» 
Jeannine Gmelin

So kann sie etwa in ihren Trainingslagern, die häufig im Ausland sind, auf ehrenamtliche Hilfe zählen. Und Roger Achermann, der Präsident vom RC Uster, hat einen Förderklub ins Leben gerufen. Im Budget ist dennoch ein fünfstelliger Betrag offen, der durch Sponsoren gedeckt werden sollte. 

«Ich werde lernen müssen, mit dem unternehmerischen Druck umzugehen.» 

Bis vor wenigen Wochen war die Ruderin viele Jahre lang in eine feste Struktur eingebunden. Mit dem Vorteil, das alles organisiert war. «Jetzt bin ich an dem Punkt, an dem ich die Struktur selber zurechtlegen muss.»

Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, vor allem für eine Perfektionistin wie Gmelin, die immer auf der Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten ist und nun vielleicht lernen muss, gewisse Abstriche zu machen.

Bevor sie Entscheidungen trifft, gilt es zahlreiche Aspekte – vor allem auch die Finanzen – zu berücksichtigen. Das heisst: Gmelin muss immer das ganze Bild im Kopf behalten. 
 

Vor rund zwei Monaten, direkt nach den SRV-Trials, brach die neue Zeitrechnung für die 28-Jährige an. Seither bewegt sich die Europameisterin, Vizeweltmeisterin und Weltcupsiegerin von 2018 ausserhalb der Verbandsstrukturen.

«Ich bin von diesem Weg überzeugt.»
Jeannine Gmelin

Das hat mitunter eigenartig anmutende Konsequenzen. So wohnt Gmelin zwar unweit vom Sarnersee, rudert auf diesem aber nicht mehr. «Es wäre nicht ideal», sagt sie mit einem Hinweis auf Robin Dowell. Der vom Verband geschasste Brite ist diese Saison auf Mandatsbasis ihr Trainer.           

«Vielleicht täusche ich mich»

Bis nach den Weltmeisterschaften läuft Gmelins Projekt, dann wird sie sich mit dem Verband für eine Analyse zusammensetzen. Wäre es nicht besser gewesen, bis zu den Olympischen Spielen 2020 durchzuplanen?

Gmelin findet, der Marschhalt mache durchaus Sinn. «Ich bin von diesem Weg überzeugt. Aber ich bin auch nur ein Mensch, vielleicht täusche ich mich.» 

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