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Darum hat es Stalder nicht eilig

Der Walder Junior Sebastian Stalder hat eine erfolgreiche Saison hinter sich. Den Kopf lässt er sich dadurch aber nicht verdrehen.

Im Vorwärtsgang: Sebastian Stalders Entwicklung verläuft seit längerem sehr positiv.

Archivfoto: PD

Darum hat es Stalder nicht eilig

Für Sebastian Stalder kommt am Ende des Winters jeweils die Zeit der Belohnungen. Vor einem Jahr feierte der Walder Junior mit einem Sprintrennen in Oslo sein überraschendes Weltcup-Debüt.

Heuer durfte der 21-Jährige zum Abschluss der Saison in der zweithöchsten Wettkampfserie der internationalen Biathlon-Union (IBU) schnuppern – er bestritt drei Rennen im IBU-Cup. 

Stalder erlebte im italienischen Martell eine Premiere in der Premiere. Im erstmals durchgeführten Massenstart 60 – die ersten 30 Athleten schiessen nach der 1. Runde, die restlichen erst nach der 2. Runde – lief der Athlet des SC am Bachtel weit nach vorne.

Er wurde Achter und liess dabei beispielsweise auch Anton Babikov hinter sich, den Gesamtsieger im IBU-Cup. Der Russe hat zudem 2016 ein Weltcup-Rennen gewonnen. 

 

Stalder kommentiert die gelungenen Auftritte in Martell unaufgeregt. Der 13. Platz im zweiten Sprint – im ersten wurde er 38. – sei überraschend gekommen, gibt er zu. Er hat ihm aber auch gezeigt, das etwas drin liegt.

«Beim Massenstartrennen konnte ich dann alles so abrufen, wie ich es geplant hatte.» Der Ausflug in den IBU-Cup, in dem notabene 178 Athleten zumindest einmal punkteten, hat dem Oberländer in jedem Fall bestätigt: Er ist auf dem richtigen Weg.

Der Stolz des ersten Sieges

Für das zweite von drei Juniorenjahren hatte er sich einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter vorgenommen, die in den Weltcup führen soll. Nach einem strengen Winter mit 22 internationalen Rennen kann der SCAB-Athlet zufrieden festhalten: Er hat geliefert. Und das auf verschiedenen Ebenen. 

Den Alpencup schloss Stalder in der Gesamtwertung auf dem 5. Rang ab, obwohl er nur die Hälfte aller Rennen bestritt. Noch besser lief es ihm eine Stufe höher im IBU-Junior-Cup, seiner eigentlichen sportlichen Heimat.

Dreimal stand er auf dem Podest. Der Höhepunkt: Im Dezember gewann er in Station des Rousses (FRA) das Sprintrennen. Er war der erste Schweizer, der in der seit 2015 bestehenden Serie einen Wettkampf für sich entschied.

«Das macht mich schon ein wenig stolz», sagt Stalder.

«Natürlich war eine Medaille das Ziel. Läuferisch aber war das an der WM alles ganz okay.»
Sebastian Stalder

In der Gesamtwertung des IBU-Junior-Cup machte der Oberländer, der zu den grossen Schweizer Nachwuchshoffnungen zählt, gegenüber dem Vorjahr (14.) einen Sprung nach vorne auf Rang 2.

Die Platzierung hat einen hohen Stellenwert für ihn, ist sie doch Beweis für seine Konstanz. Stalder sagt: «Diese war schon immer meine Stärke.»

Höhepunkt vor der Haustüre

Leicht getrübt wird Stalders positive Bilanz einzig dadurch, dass er an der Junioren-WM im slowakischen Osrblie die angestrebte Medaille verpasste. Am nächsten kam er einer im Einzelrennen über 15 km, das er an 5. Stelle beendete.

Ein Fehlschuss weniger hätte ihn wohl aufs Podest gebracht. «Natürlich war eine Medaille das Ziel», sagt Stalder. «Läuferisch aber war das an der WM alles ganz okay. Zufrieden kann ich also dennoch sein.»

Sebastian Stalder

Vielleicht hat sich der Oberländer die WM-Medaille auch nur für 2020 aufgespart. Die WM-Rennen sollen zum Höhepunkt seiner Juniorenzeit werden. Sie finden in Lenzerheide statt – vor seiner Haustüre, lebt der Walder doch seit vergangenem Frühling in der Bündner Gemeinde.

Die kurzen Wege zur Biathlon-Anlage haben den gelernten Zimmermann entlastet, der sich derzeit ausschliesslich auf seine sportliche Karriere fokussiert. «Wie es momentan ist, passt es wunderbar. So können wir weiterfahren.»

Der Wert der Grundlagen

Seine Entwicklung verläuft seit längerem sehr positiv. Übermütig macht dies den C-Kader-Athleten dennoch nicht. Er wird den Weg der kleinen Schritte weiterhin nicht verlassen. Auch im nächsten Winter wird bei ihm nochmals der IBU-Junior-Cup im Zentrum stehen.

«Fehlen die Grundlagen, ist die Gefahr gross, wieder abzurutschen.»
Biathletin Anaïs Chevalier

In diesem will er weitere Topresultate sammeln und sich vor dem Aufstieg auf die nächsthöhere Stufe einen guten Namen machen. Der junge Biathlet ist überzeugt: Das bringt ihm langfristig gesehen mehr, als jetzt allenfalls in der Elite hinterher laufen zu müssen. 

«Es ist wichtig, Schritt für Schritt zu machen», sagte auch die Französin Anaïs Chevalier, die als 20-Jährige im Weltcup debütierte. Mittlerweile hat Chevalier (26) eine Olympia- und drei WM-Medaillen gewonnen. Sie ist überzeugt: «Fehlen die Grundlagen, ist die Gefahr gross, wieder abzurutschen.»

Es dürfte das letzte sein, das Athleten wollen. Zwei Jahre hintereinander hatte Stalder nun die Chance, einmal auf höherer Stufe zu schnuppern.

Es sind «Zückerli», die er gerne entgegen nahm. Letztlich aber hat der Walder definitiv mehr vor, als jeweils nur Kurzbesuche.

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