Warum der Plan von Fabienne Schlumpf nicht aufging
Fabienne Schlumpf sorgte an dieser 10-km-Strassenlauf-Meisterschaft für eine seltene Attraktion. Im Männerfeld lief die grossgewachsene Athletin aus Wetzikon, und sie tat dies mit einem klaren Ziel vor Augen: dem Schweizer Rekord über die Distanz. Ihre 32:01 Minuten vom letzten Oktober in Berlin wollte sie aus den Rekordbüchern löschen, «eine 31-er-Zeit» darin sehen. Und dazu wählte sie das unübliche Umfeld. Das Reglement erlaubt es zwar Frauen bei den Männern mitzulaufen und dort Rekorde zu realisieren. Gleichzeitig um den Schweizer Meistertitel laufen aber, das ging nicht. Jener Medaillensatz wurde im vorangegangenen Rennen der Frauen mit den ambitionierten Volksläufern vergeben.
«Ab Kilometer sechs wurden die Beine schwerer und die Schritte kürzer.»
Fabienne Schlumpf
Einzig um den Rekord ging es Fabienne Schlumpf also. Dieses Ziel für Uster formuliert hatte sie zwei Wochen zuvor in Payerne. Damals verpasste sie die Vorgabe um winzige zwei Sekunden. «Halb so schlimm», tröstete sie sich damals. «In Uster bietet sich bald wieder eine Chance und erst noch vor der Haustür, vor meinem Publikum.» Klar fokussiert und mit grosser Freude und Spannung stieg die Steeple-EM-Silbermedaillengewinnerin des letzten Sommers und EM-Zweite im Cross im Dezember ins Rennen.
Zu Beginn noch gut auf Kurs
Der dynamische raumgreifende Schritt und die um Fabienne Schlumpf gruppierten Männer unterstrichen die Ambitionen. Mit Christopher Gmür etwa, dem Dritten der Schweizer Marathon-Meisterschaft vom letzten Herbst, lief sie in einer grösseren Gruppe. Und sie tat das schnell. In 9:24 Minuten passierte Schlumpf bei drei Kilometern. Auf eine Endzeit von 31:20 Minuten deutete diese Durchgangzeit hin – eine Zeit notabene, welche unter dem 10‘000-m-Bahn-Rekord von Daria Nauer (31:35,96) lag.
Die attraktive Perspektive verflüchtigte sich aber – zu früh. « Ab Kilometer sechs wurden die Beine schwerer und die Schritte kürzer » , beschrieb Fabienne Schlumpf. Die Folge davon: Der Vorsprung auf die Rekordmarschtabelle begann zu schmelzen. Da bewirkten auch die mentalen Anstrengungen nicht die erhoffte Wirkung.
Enttäuscht – aber dennoch im Marathon-Fahrplan
Bei Kilometer acht fiel sie erstmals hinter die Rekorddurchgangspace. Im Ziel fehlten ihr in 32:10 Minuten nur neun Sekunden auf die Bestmarke. Und ihr Kommentar: « Klar, ich bin enttäuscht, aber im Hinblick auf den Marathon in Rotterdam hat dieses Resultat keine Bedeutung.» Am übernächsten Sonntag läuft sie die 42,195 km erstmals wettkampfmässig. «Im Training sind wir im Fahrplan», sagt sie. (Jörg Greb)