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Wofür Schlumpf die Goldmedaille opfert

Fabienne Schlumpf wird an der 10-km-SM in Uster die schnellste Frau sein. Die Goldmedaille verpasst die Wetzikerin gleichwohl. Ein Entscheid im Vorfeld des Rennens ist dafür ausschlaggebend.

Sie will über die Strecke fliegen: Die Wetzikerin Fabienne Schlumpf wird an der 10-km-SM ein hohes Tempo anschlagen. 

Archivfoto: Robert Pfiffner

Wofür Schlumpf die Goldmedaille opfert

Zum dritten Mal in den letzten sechs Jahren finden die 10 km  Schweizer Meisterschaften im Ustermer Stadtzentrum statt. Eine kleine plus vier grosse Runden gilt es am Samstag für die Athleten auf der flachen Strecke mit dem Ziel bei der Stadthalle zu absolvieren.

Für die bekannteste Teilnehmerin ist der Anlass quasi ein Heimspiel, auch wenn sie in Wetzikon lebt.

«Ich hoffe auf viele Zuschauer am Strassenrand» sagt Fabienne Schlumpf und spricht davon, Anfeuerungsrufe jeweils aufzusaugen.

Die SM ist im Frühlingsaufbau der EM-Silbermedaillengewinnerin im Steeple der letzte Zwischenhalt vor dem Höhepunkt. Anfang April debütiert sie im Marathon.  

«Ich laufe mit der Wut der letzten Rennen im Bauch.»
Fabienne Schlumpf

Schlumpf hat sich für das Rennen in Uster viel vorgenommen, sie will ihren eigenen Schweizer Rekord über 10 km von 32:01 Minuten unterbieten.

Die 28-Jährige fühlt sich «megabereit». Und sie hat einen zusätzlichen Energietank entdeckt. «Ich laufe mit der Wut der letzten Rennen im Bauch.»

Schlumpf sammelt Läufer

Schlumpfs Aussage ist schnell erklärt. Vor knapp zwei Wochen fiel der Halbmarathon in Den Haag (NED) einer Unwetterwarnung zum Opfer, auf den sie sich sehr gefreut und den sie als Formtest vorgesehen hatte.

Kurz davor war die Wetzikerin am 10-km-Lauf in Payerne mit einer Zeit von 32:04 knapp am Schweizer Rekord vorbeigeschrammt.
 

Jetzt soll die 32er-Marke fallen. Schlumpf überlässt dafür nichts dem Zufall. Sie wird das Rennen in Uster offensiver angehen als jenes in Payerne. Allerdings läuft sie auch einmal mehr nicht nach der Uhr, sondern hört auf ihr Gefühl.

Da für sie ausschliesslich die Zeit zählt, hat sie sich ins Starterfeld 3 einteilen lassen. Die 17-fache Elite Schweizermeisterin opfert mit diesem Entscheid die Chance, eine weitere SM-Goldmedaille zu gewinnen.

Sie startet nun mit den Elite-Männern und ist dadurch nicht mehr titelberechtigt.

«Es hat sicher genug schnelle Männer, bei denen ich anhängen kann.»
Fabienne Schlumpf 

Durch den Schritt ins Männerfeld vermeidet Schlumpf, alleine vorne weg laufen zu müssen. «Es hat sicher genug schnelle Männer, bei denen ich anhängen kann», sagt sie.

Die Wetzikerin hofft auch, dass sie im Verlauf des Rennens den einen oder anderen zu forsch gestarteten Läufer einsammeln kann. «Mental wäre das natürlich gut.»

Das Aushängeschild fehlt

An männlichen Zugpferden mangelt es in Uster in der Tat nicht. Obwohl Tadesse Abraham, das Aushängeschild des veranstaltenden LC Uster, abwesend ist. Der aktuell stärkste Schweizer Langstreckenläufer flog am vergangenen Wochenende für den Kerzerslauf in die Schweiz, ist jetzt aber bereits zurück in Äthiopien.

In Nordostafrika bereitet Abraham sich auf den Städtemarathon in Wien vom 7. April vor. 
 

In Uster sind dafür die in diesem Jahr fünf schnellsten Schweizer über 10 km am Start. Angeführt wird das Quintett von Fabian Kuert, der Anfang Januar in Nizza seine persönliche Bestzeit auf 30:07 Minuten verbesserte. Der LCU hat mit Eric Rüttimann, Fabian Anrig und Jens-Michael Gossauer mehrere Eisen im Feuer.

«So bringt es nichts»

Aus regionaler Sicht wäre auch ein Auftritt von Christian Kreienbühl spannend gewesen. Der Rütner Olympiateilnehmer im Marathon (2016) wurde im Oktober erstmals Vater und liess damals seine sportliche Zukunft offen.

Seit längerer Zeit hat der 37-Jährige sein Laufpensum aber wieder deutlich erhöht. Aktuell weilt er bis am Freitag in einem Trainingslager in Zypern, danach plante er einen Start in Uster. Dieser fällt allerdings aus.

Kreienbühl erkrankte unmittelbar nach der Rückkehr vom Trainingsblock in Fuerteventura Mitte Februar und ist noch immer nicht fit genug für einen Wettkampf. «So bringt es nichts», bedauert der zweifache SM-Medaillengewinner über 10 km die Absage.

2013 stand er über diese Distanz an einer SM letztmals auf dem Podest, gewann Silber. Den Titel bei den Frauen gewann damals Fabienne Schlumpf. Bei den Männern war gegen Tadesse Abraham kein Kraut gewachsen. Weil er aber noch nicht eingebürgert war, gab es für ihn kein Gold.

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